Ternitz

Erstellt am 14. Juli 2016, 15:07

von Christian Feigl

Falsche Tierliebe: Warnungen an Nestdiebe. Viel zu oft werden junge Vögel aus Übervorsicht mitgenommen und im Tierschutzhaus abgegeben. Oft ein tödlicher Fehler, wie Expertin Elisabeth Platzky erklärt.

Dieser junge Sperlingskautz wäre aus Stress beinahe gestorben.  |  NOEN

Elisabeth Platzky vom Ternitzer Tierschutzhaus ist ein wenig verzweifelt: Immer mehr Menschen bringen junge Vögel zu ihr. Dabei handelt es sich in vielen Fällen jedoch um übertriebene Vorsicht und falsche Tierliebe, die gar nicht notwendig wäre. Auch aus Platzgründen geht sie nun diesbezüglich in die Offensive.

„Viele Vogeljunge werden derzeit aus Unwissenheit und falsch verstandener Tierliebe buchstäblich ihren Eltern entrissen und zu uns gebracht“, so Platzky, die auch gleich ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg gibt, siehe Infobox oberhalb, und zwei aktuelle Beispiele aus der jüngsten Praxis erzählt.

„Es muss aber immer oberstes Gebot sein, zuerst zu beobachten, ob der Jungvogel wirklich auf menschliche Hilfe angewiesen ist, bevor man ihn aus seinem Lebensraum reißt!“ Elisabeth Platzky appelliert an die Bevölkerung.

„Beim ersten Fall wurde ein junger Sperlingskautz am Schneeberg gefunden. Die Finderin hat ihn den ganzen Weg von der Kientalerhütte zum Auto und dann noch vom Höllental bis ins Tierheim gestreichelt. Für den jungen Vogel wäre das bald sein Todesurteil gewesen. Sie hat es gut gemeint, für den Vogel war es aber purer Stress“, so Platzky. Besonders Waldvögel wie Kautz und Eule sind sehr scheue Tiere und jede Berührung macht ihnen große Angst.

Dieser junge Sperlingskautz wäre aus Stress beinahe gestorben.  |  NOEN

Auch ein junger Fink mit tragischem Ende wurde ins Tierschutzhaus gebracht. „Er ist ein Ästling und hätte in der Obhut seiner Eltern vielleicht noch einen oder zwei Tage gebraucht, um mit ihnen mitzufliegen. Das war ihm nicht vergönnt, er wurde eingefangen, mit Wasser und Regenwürmern zwangsernährt – ohne überhaupt zu wissen, welche Vogelart dies ist. Nachdem man schließlich nach einem Tag gemerkt hat, wie intensiv diese Aufzucht wird, wurde er im Tierheim abgegeben, zu diesem Zeitpunkt hatte er keine Chance mehr“, erklärt Platzky. „Es muss aber immer oberstes Gebot sein, zuerst zu beobachten, ob der Jungvogel wirklich auf menschliche Hilfe angewiesen ist, bevor man ihn aus seinem Lebensraum reißt!“

So schnell wie möglich Tierarzt aufsuchen

Falls es sich um offensichtlich verletzte Vögel handelt, so bittet sie die Finder, so schnell als möglich (hier entscheidet oft jede Minute), einen Tierarzt aufzusuchen. Gibt es noch Hilfe, so wird uns der Tierarzt nach der Erstversorgung zwecks weiterer Pflege verständigen.

Platzky: „Wir bitten auch um Verständnis, dass unsere Aufnahmekapazitäten während der Brutzeiten begrenzt sind. Frau Homola, unsere Pflegemutter, ist während dieser Zeit von Sonnenaufgang bis –untergang permanent im Einsatz, da die Rasselbande, zumindest anfangs, alle halbe Stunde gefüttert werden muss. Sobald der letzte abgefüttert ist, beginnt der erste wieder zu betteln.“

Bei jungen Wildtieren wie z.B. Rehkitz, Feldhase, Fuchs oder Marder ist unbedingt der zuständige Jagdausübungsberechtigte zu informieren. Diese Jungen erscheinen vielleicht mutterlos, sind es aber nicht. „Halten Sie Abstand, nehmen Sie die Hunde an die Leine, berühren Sie die Jungen auf keinen Fall!“, lautet ihre Empfehlung.