Erstellt am 30. April 2012, 00:00

„Teufelskreis durchbrechen“. INTERVIEW / Alexander Hansy über Bemühungen beim Leerflächenmanagement, die Mitverantwortung des Panoramaparks und die Rettung der Innenstadt.

Alexander Hansy: Das Einkaufszentrum ist an der Situation natürlich mitverantwortlich.  |  NOEN
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VON CHRISTIAN FEIGL

NEUNKIRCHEN / Mit einem gezielten Leerflächenmanagement wurde der Neunkirchner Verein „Ideenwerkstatt“ vom Gemeinderat beauftragt. Neues Leben in den Geschäftslokalen soll auch wieder mehr Frequenz bringen. Wie das funktionieren soll, verriet einer der führenden Kräfte des Projektes, Alexander Hansy, im Gespräch mit der NÖN.

NÖN: Sie waren bei der Gemeinderatssitzung anwesend, als Ihr Leerflächenmanagementprojekt beschlossen wurde. Waren Sie vom Widerstand mancher Mandatare überrascht?

Hansy: Ich war etwas überrascht, da wir im Zuge der Stadterneuerung dies in Arbeitsgruppen und auch in Parteiengesprächen umfassend erklärt hatten, aber ich freue mich, dass bis auf zwei Gemeinderäte doch alle dem Antrag zugestimmt haben.

NÖN: Das Honorar von 25.000 Euro klingt aber auf den ersten Blick auch recht hoch. Um das Doppelte bekomme ich schon einen Citymanager, oder?

Hansy: Die 25.000 Euro sind nicht unser Gehalt, sondern die gesamten Projektkosten. Darin enthalten sind Kosten für Workshops, die wir machen werden, um Ideen zu generieren, Druckkosten, ein Raum in der Innenstadt, der als Anlaufpunkt für Bürger und Eigentümer dienen wird und vier Arbeitspakete mit über 1000 Arbeitsstunden.

NÖN: Stimmen Sie zu, dass das Hauptübel des Frequenzmangels in der Innenstadt die große Anzahl der leeren Geschäfte ist?

Hansy: Es ist nicht möglich, hier pauschale Ursachen zu nennen. Natürlich verringern ungenutzte Geschäfte die Passanten-Frequenz, gleichzeitig führt fehlende Frequenz zu Leerstand. Ein Kreislauf, der durch mutige Aktionen durchbrochen werden muss. Auch die Tatsache, dass in den letzten Jahrzehnten immer mehr Leute aus dem Stadtkern in die Randbereiche gezogen sind, trägt dazu bei, dass die Innenstadt weniger frequentiert ist. Schließlich trägt auch jeder Einzelne selbst dazu bei: Wenn ich gerne eine belebte Innenstadt hätte, gleichzeitig aber meine Einkäufe in der SCS tätige, dann kann das nicht funktionieren.

NÖN: Welche Branchen würden Sie sich für die City wünschen? Wer könnte so ein Frequenzbringer wie der ins Einkaufszentrum abgewanderte Libro werden?

Hansy: Müsste die Frage nicht lauten: Welche Angebote hätten die Neunkirchner gerne in ihrer Innenstadt? Wir sehen es als unsere Aufgabe an, diese Fragen zu stellen und zur Umsetzung der Ideen beizutragen. Natürlich werden wir ebenfalls Kontakt mit großen Unternehmen aufnehmen, um ihnen die Neunkirchner Innenstadt schmackhaft zu machen. Das wird schwierig, da diese genaue Standortpotenzial-Analysen durchführen. Gute Chancen haben aber lokale Geschäftsideen, das Potenzial ist enorm. Erst wenn einzelne punktuelle Maßnahmen den Anfang machen, werden größere Frequenzbringer nachziehen.

NÖN: Stichwort Einkaufszentrum: Inwieweit ist dieses an der Situation mitverantwortlich?

Hansy: Ein paar Geschäfte, die vorher in der Innenstadt waren, sind jetzt im EKZ. Diese Frequenzbringer fehlen dem Zentrum und die verbliebenen Geschäfte haben dadurch teils massive Umsatzeinbußen. Da ist das EKZ ganz klar mitverantwortlich. Trotzdem könnte Neunkirchen insgesamt durch ein gemeinsames Auftreten von Panoramapark, Hauptplatzpassage und den Geschäftsinhabern vom EKZ profitieren. Wichtig ist eine attraktive Anbindung der Innenstadt für Fußgänger über Wiener Straße und Holzplatz.

NÖN: Ohne Frequenz wird man kaum interessierte Unternehmer finden - ein Teufelskreis?

Hansy: Ja, und den wollen wir mit neuartigen Nutzungen durchbrechen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Attraktivität der Innenstadt zunimmt und dann steigt auch wieder die Chance, reguläre Mieter in die Geschäfte zu bringen.

NÖN: Die Vermarktung der Leerflächen klingt nach einem schwierigen Unterfangen. Wie soll das funktionieren?

Hansy: Erstens wird es eine Datenbank geben, in der alle Leerstände eingetragen sind. Der andere Punkt ist, dass wir derzeit aktiv auf der Suche nach neuen Ideen und Personen sind, die etwas in den leer stehenden Geschäften machen möchten. Wir versuchen dann, mit dem jeweiligen Eigentümer einen fairen Nutzungsbeitrag für das Objekt zu vereinbaren. Dann steht dem Nutzer das Objekt für sein Projekt zur Verfügung. Wenn sich jetzt ein regulärer Mieter für dieses Objekt findet, muss der Zwischennutzer innerhalb einer kurzen Zeit in ein anderes Lokal umziehen. Ich glaube die Formel: „Gute Idee + kreative Nutzer + aufgeschlossene Eigentümer = Neunutzung“ fasst unsere Strategie sehr gut zusammen.

NÖN: Hängt nicht auch ein Großteil der Vermietungen vom Goodwill der Hauseigentümer ab? Wie wollen Sie auf diese einwirken?

Hansy: Wir sind gerade dabei Kontakt mit den Eigentümern aufzunehmen und haben schon viele positive Signale erhalten. Die Eigentümer der Lokale profitieren von der Zusammenarbeit in mehrfacher Hinsicht: Die Lokale werden gepflegt und genutzt, Kosten werden vom Nutzer übernommen. Jedenfalls erscheint das Geschäftslokal in neuem Licht!

NÖN: Wann würden Sie die Aktion als Erfolg bezeichnen?

Hansy: Wenn sich das Bild des Zentrums geändert hat und interessante, neue Nutzungen in den Leerständen sind.

NÖN: Gibt es bereits erste Erfolgserlebnisse?

Hansy: Ja, zwei Wochen nach Projektbeginn wurde schon die erste temporäre Nutzung, der Sonnenbrillen Pop-Up-Store am Hauptplatz initiiert. Wir bekommen gerade sehr viele Ideen zugetragen und versuchen nun diese in Zusammenarbeit weiter auszuarbeiten. Wir möchten jeden einladen, Ideen für eine Nutzung uns über www.ideenwerkstadt.at mitzuteilen.

NÖN: Für wie wichtig halten Sie die Überarbeitung des Verkehrskonzeptes?

Hansy: Das kann ich nicht beurteilen. Dazu gibt es Verkehrsplaner, die Optimierungsmöglichkeiten mit einer Verkehrs-Untersuchung ausarbeiten können. Jedoch ist es eine Maßnahme, die unbedingt in Zusammenhang mit weiteren Überlegungen zur zukünftigen Nutzung der Innenstadt stehen muss.