Erstellt am 16. März 2016, 16:18

von Tina Jedlicka

Versuchter Mord in Wimpassing?. Dienstag Früh muss sich ein Angeklagter vor einem Geschworenensenat am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten: Versuchter Mord lautet die Anklage.

 |  NOEN, Jedlicka

Er soll einem vermeintlichen Nebenbuhler am 8. Oktober 2015 in Wimpassing mehrere Messerstiche versetzt haben. Dabei soll er die zehn Zentimeter lange Klinge mehrmals in die Herzgegend des Mannes gerammt haben, wodurch dieser zwei Stichwunden an der vorderen linken Brustwand und eine Schnittwunde am Oberarm erlitten haben soll.

Mehrere Bier, Jägermeister und eine ordentliche Portion Eifersucht: Das sollen die Auslöser für ein Drama in Wimpassing im Oktober 2015 gewesen sein. Ein 40-Jähriger besuchte seine Freundin, eine Kellnerin, bei der Arbeit und gewann den Eindruck, dass sie von einem Gast angeflirtet worden sei.

Nach "Filmriss" kehrte Erinnerung zurück

"Ich habe ihm gesagt, dass er damit aufhören soll", erklärte der Angeklagte beim Prozess. Bis zur Verhandlung hatte er laut seiner Aussage an einem "Filmriss" gelitten und sich an nichts mehr erinnern können. Nun seien die Erinnerungen teilweise zurück gekehrt.

Der Gast soll den Angeklagten weggestoßen haben, die Kellnerin habe ihren damaligen Lebensgefährten daraufhin aus dem Lokal eskortiert und die Türe versperrt. Nach einiger Zeit soll der Angeklagte mit seinem Schwammerlmesser bewaffnet zurück gekehrt sein.

Attacke mit Schwammerlmesser

"Das Messer hatte ich schon die ganze Zeit bei mir", meinte der Mann mit gesenktem Kopf. Er habe derart heftig gegen die Tür geklopft, dass der Glasteil der Türe zersprungen sei. Der Gast kam aus dem Lokal, um mit ihm zu sprechen, spürte aber nur mehr "ein paar Schläge" auf die Brust. Diese Schläge stellten sich jedoch als Messerstiche heraus. Der Mann wehrte sich und konnte dem Täter das Messer entreißen.

Sachverständiger Rudolf Dantendorfer hatte den Angeklagten untersucht und erklärte bei Gericht, dass dieser an keiner psychischen Krankheit leide. Auch sei seine Alkoholisierung mit rund 2,2 Promille nicht derart hoch gewesen, dass ein Zustand voller Berauschung gegeben war. Der Angeklagte entschuldigte sich unter Tränen beim Opfer. Am Nachmittag sollen weitere Zeugen einvernommen werden.

"Ich glaube, dass er ihn technisch nicht umbringen wollte, dass er es aber für möglich gehalten hat", meinte Privatbeteiligtenvertreter Clemens Handler. Verteidiger Christian Stocker stellte jedoch klar: "Es klingt einfach, das ist es jedoch nicht. Die Frage ist, was wollte er wirklich und was hat er für möglich gehalten." Der Angeklagte weinte derart, dass er nicht mehr sprechen konnte.
 
Die Geschworenen befanden den Angeklagten nach einem langen Verhandlungstag einstimmig des versuchten Mordes für nicht schuldig. Der Tathergang stellte ihrer Meinung nach eine schwere Körperverletzung dar. Der Angeklagte wurde zu 15 Monaten, davon 5 unbedingt verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.