Erstellt am 19. Januar 2016, 05:43

von Tina Jedlicka

Asylwerber abgezockt. Akademikerin aus dem Bezirk Neunkirchen soll Asylwerbern Deutsch-Prüfungen für deren Asylverfahren abgenommen und die Bestätigungen dafür gefälscht haben.

Richter Hans Barwitzius verurteilte die Angeklagte zu einem Jahr Haft.  |  NOEN, Foto: Jedlicka

Eine Akademikerin aus dem Bezirk Neunkirchen wurde am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt zu einem Jahr Haft verurteilt (nicht rechtskräftig).
Die Frau soll Asylwerbern Geld für zertifizierte Prüfungen abgenommen haben, die diese für einen positiven Asylbescheid benötigten. Tatsächlich war sie jedoch gar nicht dazu befugt.

Mehr als 70.000 Euro sollen rund 200 Asylwerber laut Staatsanwaltschaft an die Angeklagte bezahlt haben. Teilweise reisten sie sogar aus den benachbarten Bundesländern an. Denn schnell hatte sich herum gesprochen, dass man bei ihr besonders leicht durch die Prüfungen komme und die Gebühren nicht so hoch seien. Die Kurse fanden alle an den Wochenenden in Wiener Neustadt statt.

Prüfungsgebühren abkassiert

Die Angeklagte aus dem Bezirk Neunkirchen erklärte Richter Hans Barwitzius immer wieder, dass sie lediglich Vortests durchgeführt habe. „Ich habe Deutschkurse angeboten und Vortests für die zertifizierten Prüfungen gemacht, um den Kursteilnehmern ihren Wissensstand zu zeigen“, erklärte die Frau immer wieder. Die Prüfungsgebühren, die sie abkassierte, habe sie gleich an ein zertifiziertes Institut weitergeleitet.
Die Zeugen mussten mit Dolmetschern einvernommen werden. Sie wurden an mehreren Tagen angehört, da viele den Ladungen nicht gleich Folge geleistet hatten.

Von Vortests wussten sie nichts. Einige erzählten, dass sie die Prüfungsbestätigungen nicht gleich erhalten hätten. Mit Erklärungen wie „Da gibt es neue Formulare, die ich erst bekomme“, soll sie die Leute hingehalten haben. Bei manchen wurden Verwandte skeptisch, als sie das Dokument sahen. Eine andere Frau wurde erst von ihrer Bezirkshauptmannschaft darauf hingewiesen, dass es sich um eine Fälschung handelte.

Manche ihrer Schüler lernte die Frau bei einem AMS-Kurs kennen, wo sie Sprachunterricht gegeben hatte. Die Opfer zeigten sich enttäuscht und mussten erneut Geld zusammen kratzen, um sowohl Kurs als auch Prüfung bei einer zertifizierten Stelle nachzuholen.