Zöbern

Erstellt am 25. August 2016, 05:51

von Philipp Grabner

„Habe eine zweite Heimat gefunden!“. Der Zöberner Thomas Riegler (20) berichtet über seinen Einsatz als Zivildiener in Ghana, eine Reise, die er nie vergessen wird.

Mit Thomas Riegler hatten die Kids große Freude – und mit der neuen Hängematte.  |  privat

Hündin Nora läuft einem entgegen, wenn man vor dem Gartentor von Thomas Rieglers Haus in Maierhöfen (Gemeinde Zöbern) steht. Schon bald öffnet sich dahinter eine Türe und der sympathische, 20 Jahre junge Bursche lässt einen eintreten. Man erkennt ihn wieder, auch wenn die letzte Begegnung ein Jahr zurückliegt. Optisch hat er sich nur leicht verändert: Seine blonden Haare sind gewachsen, zu einem kleinen Zopf zusammengebunden.

Seit knapp drei Wochen ist Thomas Riegler wieder zuhause. Zurück bei seiner Familie, seinen Freunden, der vertrauten Umgebung. Für 365 Tage hat er all das hinter sich gelassen: Ein Jahr lang verbrachte der 20-Jährige in Ghana, einem westafrikanischen Land mit knapp 26 Millionen Einwohnern. Dort leistete er seinen Zivildienst ab, arbeitete in einem Kinder- und Jugendzentrum nahe der Stadt Sunyani an einem Straßenkinder- und Ausbildungsprojekt mit (die NÖN berichtete).

„Die haben dort jede Menge Talente – die hätten in Österreich sicher noch Chancen!“

Thomas Riegler (20) über einige Kinder und Jugendliche, die besonders gut Fußball spielen.

Wie der berühmte erste Eindruck war, als er im August 2015 ghanaischen Boden betrat? „Ich habe mir das ganz anders vorgestellt, viel ärmer. Ich bin schnell draufgekommen: Hier setzt man andere Prioritäten als bei uns, man lebt hier einfacher!“

Nach und nach lernte er Stadt und Land kennen, Sitten und Gebräuche, andere Kulturen und sehr viele neue Menschen. „Fährt man durch die Straßen, sieht man einerseits tolle Villen, andererseits Häuser mit einfachem Wellenblechdach“, fasst er die erlebten Unterschiede in Worte.

Wie ein typischer Tagesablauf für den Zöberner aussah? „Generell lief viel auf Eigeninitiative“, schickt Riegler voraus. „Es gab mehrmals wöchentlich das Angebot eines Gottesdienstbesuchs, was ich oft wahrnahm. Später haben wir dann organisatorische Dinge besprochen!“ Ab 14.30 Uhr Ortszeit sei dann das Oratorium geöffnet gewesen, rund 100 bis 150 Kinder und Jugendliche – das Alter erstreckte sich von einem bis 18 Jahren – nahmen das Angebot wahr. Den Nachmittag über beschäftigte er sich unterschiedlich mit den Kids: Auf seine Initiative hin wurde ein Computerkurs gestartet, den nicht nur die Kleinen, sondern auch die Erwachsenen annahmen. „Bei den Kids war der Computersaal immer randvoll, bei den Erwachsenen nahmen regelmäßig sieben bis achte Leute teil“, weiß Riegler.

Außerdem gelang es dem 20-Jährigen, eine U12-Fußballmannschaft zu gründen. „Eine U15 bestand schon. Nach einer Zeit hatten wir rund 45 Leute bei den Trainings, was sehr beachtlich war. Bisher wurde meist irgendwo auf den Straßen oder Gassen mit einfachen Gummibällen gespielt“, weiß er – und fügt mit einem Schmunzeln im Gesicht hinzu: „Die haben dort einige Talente – die hätten in Österreich Chancen!“

„Das war eine coole Erfahrung“

Ob die Kids anfangs Berührungsängste hatten, als er ankam? „Nein, überhaupt nicht. Afrikanische Kids sind total offen, wollen Haut und Haare berühren, weil sie weiße Menschen ja oft nicht kennen“, sagt Thomas Riegler.

Ein Projekt, dass sich der Zöberner ebenso auf seine Fahnen heften darf: Die Gründung eines Holzworkshops. „In Ghana haben Kids oft nach der Schule keine Möglichkeit zur Weiterbildung. Viele driften in die Arbeitslosigkeit. Wir haben daher einen kleinen Raum mit Werkbank und Maschinen ausgestattet, und das wird sehr gut angenommen“, freut er sich über den Erfolg.

Heimweh plagte ihn nicht. „Wobei einmal“, muss er zugeben, „spürte ich es schon ein wenig, zu Weihnachten, wo man ja normalerweise mit der Familie zusammen ist!“ Und doch wurde es für ihn ein schönes Fest, wie er berichtet: „Wir haben den Kids bei uns Reisboxen geschenkt und über 100 Boxen sind übrig geblieben.

Auch künftig sozial engagieren

Kurzerhand haben wir uns ins Taxi gesetzt und sind alle Kinderheime in der Umgebung abgefahren, um den Kids dort die Boxen zu schenken“, erzählt er. „Das war eine coole Erfahrung“, fügt er mit einem breiten Lächeln im Gesicht hinzu. Generell seien genau jene Momente, in denen Riegler in leuchtende Kinderaugen blickte, die Emotionalsten seiner gesamten Reise gewesen. „Viele Kinder haben dann schon regelrecht geschrien, man möge sie doch endlich hochnehmen“, schmunzelt er.

Und nun? Nun ist Thomas Riegler zuhause, in seiner Heimat. Wobei: Eigentlich hat er jetzt zwei. „Man kann durchaus sagen, dass ich in Ghana meine zweite Heimat gefunden habe“, gibt er zu. Sein nächstes Projekt – ein Projekt in Österreich – ist es, Arbeit zu finden. Dass es in Richtung Technik gehen wird, weiß er schon, was genau, kann er noch nicht verraten. Ein Jahr im Ausland zu verbringen, um sich sozial zu engagieren, kann der sympathische HTL-Maturant übrigens wärmstens empfehlen: „Es war eine großartige Erfahrung und ich habe jetzt ein offeneres Weltbild als zuvor!“

Aufgrund der gemachten Erfahrung ist es möglich, dass sich Riegler auch künftig sozial engagieren wird. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, mich bei verschiedenen sozialen Projekten einzubringen“, sagt er. Gut so. Denn er hat wohl bewiesen: Er kanns.

Hintergrund

Die Organisation:
Thomas Riegler leistete den Zivilersatzdienst im Rahmen eines Don Bosco-Hilfsprojektes ab. Organisiert wurde der einjährige Auslandsaufenthalt von „Volontariat bewegt“, einer Initiative von „Jugend - eine Welt“ und „Salesianer Don Boscos“, unterstützt von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Weitere Projekte:
Thomas Riegler erhielt für seinen Dienst auch viel Unterstützung aus seiner Heimat. So konnten einige weitere Projekte, darunter Nachhilfeunterricht, kostenloses Essen für Kids am Nachmittag sowie die Schulkostenübernahme, umgesetzt werden.

Veranstaltungstipp: 
Unter dem Titel „365 Tage in Ghana“ lädt Riegler am Samstag, 3. September um 20 Uhr zu einem Vortrag ins Pfarrheim Zöbern.