„Wenn die Lehrer im Unterricht erste Defizite wahrnehmen, findet ein Gespräch mit den Eltern statt. Darin macht sich anfangs schon Skepsis bemerkbar“, erzählt Elke Fuchs, Geschäftsbereichsleiterin „Kinder, Jugend & Familie“ beim NÖ Hilfswerk.
Kein Elternteil lasse sich eben gern darauf hinweisen, dass eine Fähigkeit, die er seinem Kind hätte vermitteln müssen, für den Schulalltag nicht ausreicht. Doch dann greift das Angebot des NÖ Hilfswerks: In kleinen Gruppen helfen die Lern- und Aufgabenclubs, sprachliche Fähigkeiten zu fördern. „Die Kinder erlernen auch soziale Kompetenzen und werden in ihrer Selbstständigkeit gefördert. Dadurch und durch die Vermittlung kultureller Werte wird die Integration erleichtert.“
In Rollenspielen und Bewegungseinheiten lernen die Kinder, ihre Gefühle zu äußern und sich auszudrücken – ganzheitlich und ohne „Frontalunterricht“ – wie auch Herta Nemecek, Lernbegleiterin und Legasthenietrainerin beim NÖ Hilfswerk bestätigt: „Die Kinder sind lebhaft und kommen gern. Man muss sie nicht einmal aus der Reserve locken, sondern eher ordnend eingreifen. Man muss ermahnen, den anderen aus reden zu lassen, weil alle so übersprudeln und jeder der Erste sein will.“
Zurückhaltung bei den Eltern, Begeisterung bei den Kids
Und dann erzählt sie die Geschichte von Alina aus Tsche tschenien und ihrem kleinen Bruder Albek. „Beide waren sehr eifrig, mitteilsam und selbstbewusst“ – und vielleicht pädagogisch ein wenig herausfordernd. Dennoch hat Alina ihrer Betreuerin zu Weihnachten mit einem herzlichen Brief gedankt: „Das hat mich sehr berührt“, erinnert sich Nemecek.
Die Erfahrung der anfänglich skeptischen Haltung der Eltern gegenüber den Lernclubs hat auch sie gemacht. „Anfangs kann es sogar sein, dass die Eltern vor der Türe warten, weil das Vertrauen noch nicht da ist, aber spätestens, wenn die Kinder begeistert hinausstürmen, ist der Bann gebrochen.“
Sechs bis acht Kinder, die altersmäßig gut zusammenpassen, werden in einem Club zusammengefasst. Eineinhalb Stunden lang werden dann Satzbau und Wortschatz trainiert. Veranstaltet werden die Clubs zumeist in den Räumlichkeiten der Schulen. Das Feedback ist sehr positiv und der Grund hierfür ist leicht erklärt: Es gibt kein starres Konzept, die Vorgehensweise wird den Kindern angepasst. Das Verhältnis Buben zu Mädchen ist 60 zu 40. Warum das so ist? „Buben fallen in der Klasse eher auf, darum ist es wichtig, falls es Konflikte gibt, diese nicht mit in den Lernclub zu bringen“, so Elke Fuchs. Und damit das Lernen erfreulich für Pädagogen und Kinder verläuft, „arbeiten die Mitarbeiter des NÖ Hilfswerks unter fachlicher Anleitung und werden in interner Aus- und Weiterbildung speziell geschult und fortgebildet“.
Kosten entstehen bei der Teilnahme an den Lernclubs für die Eltern keine, allenfalls für Bastelmaterialien ist ein Kostenbeitrag von zehn Euro zu bezahlen.
FAKTEN:
- Das Angebot des Lern- und Aufgabenclubs richtet sich an Kinder von 6 bis 15 Jahren im Pflichtschulbereich und es ist kostenlos.
- Im Oktober 2011 wurden Lern- & Aufgabenclubs an 15 Standorten in NÖ gestartet. Die Gruppen bestehen aus maximal acht Kindern.
- Die Clubs finden zwei Mal pro Woche für drei Monate statt.
- An folgenden Standorten gibt es Lernclubs: Wr. Neustadt, Kaltenleutgeben, Maria Enzersdorf, Amstetten, Bad Vöslau, Stockerau, Melk, Ebergassing, Himberg, Her-zogenburg, Harland, Pernitz, Neunkirchen, Gänserndorf, St. Pölten sowie zusätzlich – finanziert durch die NÖ Versicherung – in Gänserndorf, Melk, Wiener Neustadt.






