VON NICOLE FRIESENBICHLER
Eine gemeinsame Schule für 10- bis 14-Jährige, in der schlechtere Schüler unterstützt und begabte Schüler gefördert werden - dieses Konzept steckt für die SPÖ hinter der Gesamtschule, die in den vergangenen Jahren in Österreich immer wieder diskutiert, kritisiert und nie umgesetzt worden ist. Nun kommt eine repräsentative Studie des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) zum überraschenden Ergebnis, dass die Mehrheit der Bevölkerung für das Modell der Gesamtschule ist. 75 Prozent von 1064 befragten Österreichern ab 15 Jahren halten die Gesamtschule für eine „gute Idee“. Nach einer detaillierten Information befürworten sogar 82 Prozent diesen Schultyp.
„Die hohen Zustimmungsraten sind ein klarer Handlungsauftrag an die Politik“, kommentieren SPÖ-Landeshauptmannstellvertreter Sepp Leitner und Peter Zellmann vom IFT die Umfrage, die sie vergangene Woche präsentiert haben. „Ich bin begeistert von der Offenheit der Österreicher gegenüber der Gesamtschule“, erklärt Zellmann. Auch der Ganztagsschule, in der Unterricht und Freizeit gleichermaßen eine Rolle spielen und es keine Aufgaben für zu Hause gibt, kann die Mehrheit der Befragten etwas abgewinnen: 63 Prozent befürworten diesen Schultyp als mögliche „Schule der Zukunft“. Nach detaillierten Informationen dazu sprechen sich wiederum sogar 76 Prozent dafür aus.
Zu wenig Information über Bildungspolitik
Doch gerade an mangelnder Information scheitert es laut Leitner: „Wir haben ein Informationsproblem.“ So konnten sich mehr als zwei Drittel der Befragten unter der Gesamtschule „wenig“ bis „gar nichts“ vorstellen. Bei der Ganztagsschule waren es vier von zehn. Die Politik sei daher gefordert, die Bevölkerung noch umfassender über Bildungsfragen zu informieren. Für Leitner zeigen die Studienergebnisse: „Am Ende des Bildungsweges muss es eine gemeinsame, ganztägige Schule geben – unabhängig vom Standort.“
Schülerunion bezweifelt die Zahlen der Studie
Bei der angesprochenen Uninformiertheit vieler der Befragten setzt die NÖ Schülerunion mit ihrer Kritik an der Umfrage an. „Wie ernst kann man eine Umfrage nehmen, bei der mehr als zwei Drittel nicht einmal genau wissen, worum es eigentlich geht?“, so Landesobmann Lukas Pirringer. Außerdem lasse die Formulierung der Fragen an der Objektivität zweifeln. Und Pirringer spricht sich ganz klar gegen die Gesamtschule aus. Er will, dass Gymnasien und Neue Mittelschule das gleiche Niveau aufweisen, allerdings unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Während die Neue Mittelschule vor allem für den Eintritt in eine höhere Schule sowie für eine Lehre ausbilden sollte, liege es an den Gymnasien, auf einen zukünftigen akademischen Weg vorzubereiten.






