Er scheint besessen von der Idee des schnellen Geldes und plante akribisch. Im Internet suchte er nach Wohlhabenden, via Google erkundete er Häuser, forschte als unauffälliger Jogger die Umgebung aus, überraschte Opfer im Schlaf, war dabei maskiert, trug Handschuhe und im Gepäck eine scharfe Waffe, Ketten, Vorhangschlösser, Handschellen und Klebeband. Als „Kettenphantom“ schrieb Svetislav Danilovic Kriminalgeschichte, am Landesgericht St. Pölten wird ihm die Rechnung präsentiert.
Bereits zu 42 Jahren Freiheitsstrafen verurteilt
„Was die Opfer erlebt haben, war ein Supergau, ein negativer Jackpot! Er hat sie nicht nur ausgeraubt, sondern auch als Geisel genommen“, sagt Staatsanwalt Karl Fischer vor Geschworenen. „Um zu verstehen, was der Angeklagte für ein Mensch ist“, erzählt er aus dessen Leben. „Er stammt aus einer armen Familie. Der Vater war nicht da. Als Ältester von vier Kindern hat er dessen Rolle übernommen. Als Jugendlicher war er Führer einer Gang. In Montenegro hat er die Straßen aufgeräumt. Mit 17 Jahren wurde er das erste Mal verurteilt, bis jetzt hat er insgesamt 42 Jahre Freiheitsstrafe ausgefasst. In der Schweiz wurde er wegen Entführung von Industriellen zu elf Jahren verurteilt, brach aus dem Gefängnis aus, nahm dort wieder Geiseln und wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt. 2008 wurde er bedingt entlassen, ein Jahr später besinnt er sich auch hierzulande seiner wahren Tätigkeit. Lassen Sie sich nicht täuschen!“, warnt der Staatsanwalt.
Ein Albtraum wurde im Mai 2009 für eine Frau in Pöchlarn im Bezirk Melk wahr, der 55-Jährige kettete sie in der Sauna an, plünderte den Tresor. Weil ihr Mann im Ausland weilte, scheiterte eine Lösegeldforderung. Im September brach Danilovic in St. Andrä-Wördern im Bezirk Tulln in ein Haus ein, wurde ertappt und schoss auf den Hausherrn.
Erpresserbrief: „Hoffe, dass Geisel hitzeresistent ist!“
Im Oktober stand der Angeklagte mitten in der Nacht im Schlafzimmer eines Paares in Stetteldorf am Wagram (Bezirk Korneuburg). „Ruhig sein! Habt ihr Erfahrung mit Überfällen? Überfall bedeutet Stress. Wir arbeiten nach Plan“, erklärte er, plünderte den Safe und forderte eine Million Euro Lösegeld via Erpresserschreiben. Das speicherte er auf einem Computer. „Es gibt Tage, an denen man Regeln beachten muss. Heute ist so einer. Dummheit wird bestraft“, schrieb er, und: „ Ich hoffe, dass die Geisel hitzeresistent ist!“ Die Frau kettete er dann an der Dusche an, den Mann nahm er mit, fesselte ihn an einem Hochstand. Die Geiselnahme habe der Angeklagte dann abgebrochen, erklärt er vor Richterin Andrea Humer. „Sie haben den Mann nicht freigelassen. Sie haben ihn angekettet seinem Schicksal überlassen“, sagt Humer. „Er hat seinen Fluchtinstinkt nicht genützt“, kontert der Angeklagte und: „Es gibt eine gewisse Grenze, dann stoppe ich, aus humanitären Gründen.“ Mitleid mit den Opfern? Die Richterin glaubt’s nicht. „Er ist ein Berufskrimineller, das ist das Einzige, das er gelernt hat. Er weiß aber, wie man sich anständig verhält, und sieht sich umständehalber zu Straftaten gezwungen. Um sein Gewissen zu beruhigen, redet er Brutalität schön“, erklärt Psychiaterin Adelheid Kastner. „Extrem hoch“ wäre die Rückfallsprognose.
Opfer: „Mein Haus ist heute der schrecklichste Ort“
Von „Todeserfahrung“ sprechen die Opfer. „Ich habe nicht gedacht, dass ich das überleben werde“ und „Er wusste alles über unser Haus. Mein Haus, das ich früher so geliebt habe, ist heute der schrecklichste Ort“, sagen sie. Ängste verfolgen täglich, beim Arbeiten, beim Schlafen, Heimkommen und im Dunkeln.
„Es klingt grotesk, aber der Angeklagte war auch fürsorglich, hat eine Decke geholt und Getränke“, meint Verteidiger Ernst Gramm. „Er wollte Geiseln, die zu etwas zu gebrauchen sind“, erklärt der Staatsanwalt.
Für Danilovic setzt es die Höchststrafe: 20 Jahre Gefängnis wegen erpresserischer Entführung, schweren Raubs und Freiheitsentziehung sowie Einweisung in eine Anstalt für gefährliche Rückfallstäter nach der Haft. Das Urteil nimmt er nicht an: Berufung, Nichtigkeitsbeschwerde.







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