VON THOMAS JORDA
Drei Millionen Hektar Nutzwald gibt es in Österreich, die Hälfte davon, besser: deren Eigentümer sind im Verein der Land- und Forstbetriebe organisiert. An ihrer Spitze steht als Präsident Felix Montecuccoli, selbst Herr über 960 Hektar Wald, 200 Hektar Ackerland und vier Eigenjagden.
„Mein Auftrag ist, Eigentümerpolitik zu betreiben. Denn die angeblich freie Verfügbarkeit von Wald und Acker ist nur eine sehr ideelle Angelegenheit.“ Und ohne Wanderer, Schwammerlsucher oder Mountainbiker direkt zu nennen, ist doch klar, wen er meint, wenn er sagt: „Der Eigentümer des Waldes soll entscheiden dürfen, wen er einlädt, auch als kommerziellen Gast des Waldes, wen er serviciert, bedient.“ Denn: „Wir wollen von der Bewirtschaftung unseres Grundes und Bodens leben können.“
Das Wildbret ist so billig, für drei Rehe gibt‘s Kalbfleisch
Was nicht so einfach ist, wie jeder Bauer bestätigen kann. Nicht einmal die Jagden sind gewinnbringend. „Wildbret ist so billig, ich muss drei Rehe verkaufen, um Kalbfleisch erstehen zu können. Denn was bleibt von einem Reh? Zwei Stücke vom Rücken. Die natürlich sind teuer.“
Also jagd und fischt Montecuccoli meist zum Eigenbedarf „und weil es dazugehört. Aber mir ist Anderes wichtiger, vor allem die Bildung der Kinder. Die braucht viel Zeit. Wenn die Kinder einmal aus dem Haus sind, habe ich noch genug Zeit für die Jagd.“
Die Familie Montecuccoli ist aus der Region um Modena gebürtig und wird im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt; der Name bezeichnet die Stammburg im Appenin. 1530 wurde die Familie von Kaiser Karl V. in den Reichsgrafenstand erhoben. Graf Ernesto kämpfte unter Generalissimus Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg. Kaiser Ferdinand II. belehnte ihn 1624 mit der Herrschaft Hohenegg. Neffe Raimondo, aus mörderischer Familienfehde errettet, trat 1625 ebenfalls in kaiserliche Kriegsdienste. Er schlug die Türken vernichtend und gilt neben Prinz Eugen und Erzherzog Karl als bedeutendster Feldherr Österreichs. Um 1740 verlegte Graf Zeno den Herrschaftssitz von Hohenegg ins nahe Schloss Mitterau, direkt an die Reichsstraße (heute: B 1).
„Einerseits war der Betrieb von Hohenegg zu teuer, vor allem aber wollte Zeno, der ja Funktionen wie ein Bezirkshauptmann hatte, möglichst nah am Geschehen sein. Diese Bürgernähe ist ein durchaus moderner Ansatz.“
Besonders litten Schloss und Gut Miterau unter dem Krieg.
„Schon vor 1945 war es das Lazarett des nahen Flughafens und Wohnstatt für Heimatvertriebene, nach dem Krieg kamen die Russen, verheizten gleich im ersten Winter das Familienarchiv, töteten die Tiere und nahmen schließlich mit, was nicht niet- und nagelfest war.“
Was die Familie zurückbekam, waren die äußeren, eher devastierten Hüllen. Doch aufgegeben hat sie nie. „Der Adel ist ein wesentlicher Teil unserer Familiengeschichte“, sagt Felix Montecuccoli, „das ist ein Teil unseres Selbstverständnisses, ohne dass wir uns etwas darauf einbilden. Das ist kein Schmuck, sondern ein klarer Auftrag, eine Zielsetzung, der wir im täglichen Leben versuchen, gerecht zu werden.“
Die Frage nach standesgemäß stelle sich nicht für ihn. „Ich habe so viele großartige, noble Menschen kennen gelernt, die keine Adeligen sind. Ich brauche auch keine standesgemäßen Schwiegersöhne. Sondern ich hoffe, dass sie meine Töchter nicht ihres Namens wegen heiraten.“








