VON THOMAS JORDA
Mit einer Höhe von gerade einmal 323 Metern ist der Monte Hermada von eher geringer Größe. Selbst die Italiener nennen ihn einen „bescheidenen Hügel“.
Dennoch vermag seine Erscheinung zu beeindrucken, am Rande des Golfs von Triest, nahe Duino gelegen, wo einst Rainer Maria Rilke die Elegien schrieb.
Im vorletzten Kriegsjahr spielte der Hermada eine nicht unbedeutende Rolle, als bei der Elften Isonzoschlacht am 17. August 1917 eine italienische Offensive hier abgewehrt werden konnte.
Bedeutende Verdienste hatte sich damals Feldmarschallleutnant Arthur Winkler erworben. Der war zwar bereits 1913 pensioniert worden und hatte 1916 das Schloss Kapfenstein im steirischen Vulkanland für seine Familie erworben.
Kaiser Karl adelte ihn nach
der Schlacht von Hermada
Aber im Rahmen der Isonzoschlachten wurde er wieder in den Dienst gestellt. Kaiser Karl adelte ihn nach der Schlacht an der Hermada – und verlieh ihm den Namen „von Hermaden“.
Nicht zu verwechseln ist jener Arthur mit diesem, dem zweiten Arthur Winkler von Hermaden, der ein bedeutender Geologe war; seine umfangreiche erdgeschichtliche Sammlung ist im Gemeindeamt Kapfenstein zu bewundern. Das Schloss, auf einem erloschenen Vulkankegel thronend, ist heute noch im Besitz der Familie und dient einerseits als Sitz eines Weingutes und andererseits als nobles Schlossrestaurant.
Ulrich Winkler-Hermaden, eines von vier Geschwistern, hat damit wenig zu tun; weder beruft er sich auf die militärische Tradition der Familie („nach sieben Jahren Internat konnte ich mir nicht vorstellen, wieder interniert zu sein; deshalb war ich einer der Ersten in Österreich, die den Zivildienst gemacht haben“), noch interessierte ihn die Gastronomie („für so etwas habe ich zwei linke Hände“). Nicht einmal die adelige Herkunft lockt ihn.
„Wenn es heißt: Adel verpflichtet, bedeutet mir das nichts, fühle ich mich davon nicht angesprochen. Dazu bin ich zu wenig Grundherr, habe zu wenig Familienbesitz. Ich bin nur stolz darauf, an einem so schönen Ort wie dem Schloss Kapfenstein aufgewachsen zu sein. Und ich freue mich, einen interessanten Doppelnamen zu haben.“
Trotz seiner Herkunft und der konservativ-liberalen Erziehung seien die 68er an ihm nicht spurlos vorbegangen. „Beatles und Rolling Stones, Franz Innerhofer, Peter Handke, Marlene Haushofer, die haben meinen Geschmack schon sehr beeinflusst.“ Beruflich habe er sich immer für den Journalismus und das Geschäft des Verlegers interessiert.
Nach vielen Jahren als Geschäftsführer des Archiv Verlags in Österreich gründete er 2008 in Schleindorf seine eigene Edition. „Ich dachte mir, was ich im Archiv Verlag gemacht habe, kann ich auch allein machen. Und weil ich inhaltlich immer stark auf die Geschichte fixiert war, gebe ich vor allem Bücher mit der Regionalgeschichte des Weinviertels und Wiens heraus.“ Sein nächstes Projekt gilt der Erdölförderung im Weinviertel.
Die Bände seien beliebte Geschenke vor allem für die ältere Generation, sagt der begeisterte Passiv-Sportler. „Man kann davon leben, aber nicht allein. Ich steuere etwas zum Familieneinkommen bei, aber ohne meine Frau Ulrike, die in der Wiener Secession arbeitet, geht nichts.“
www.edition-wh.at
Ein echter 68er

Kommentare
Artikel kommentieren
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Kommentar schreiben
Mehr zum Thema Gesellschaft
130 Jahre FF Schenkenbrunn
Gesellschaft / Großer Andrang und beste Stimmung herrschten beim Feuerwehrfest in ...
>> mehr
Tanz-Teufel Frenkie
Gesellschaft / DANCING STARS / Drei Monate hat Fußballtrainer und Wahlniederösterreicher ...
>> mehr
Top-Manager mit knapp 200.000 Euro Gehalt
Gesellschaft / Führungskräfte der ersten Ebene haben im Vorjahr im Schnitt 192.
>> mehr
Geheimnis Maibaum
Gesellschaft / URALTES BRAUCHTUM / Im ganzen Land stehen Maibäume, manche werden ...
>> mehr
Königin der Milch
Gesellschaft / KRÖNUNG / Katrin Gruber ist die erste gekrönte Milchkönigin ...
>> mehr
ARTIKELARCHIV







