VON MANFRED MIKYSEK
Adolf Formanek, einst hoch bezahlter Vorstand eines amerikanischen Konzerns, war einem Burn-out nahe. Doch seit er ein kleines Spezialitätengeschäft in Stockerau eröffnet hat und das Unternehmen floriert, hat der 45-Jährige wieder Freude an der Arbeit. Ursprünglich hatte der Stockerauer in Wien Betriebswirtschaftslehre studiert und war im Management tätig. Zuletzt als Vorstandsmitglied in der Österreich- und Osteuropaabteilung eines IT-Konzerns mit Stammsitz in den USA.
Gegen Magenschmerzen hilft
Doch dort konnte er sich mit der amerikanischen Management-Philosophie und dem künstlichen Druck nicht mehr identifizieren. „Wenn man in der Früh mit bösen Vorahnungen und Magenschmerzen aufsteht, dann macht das 80.000 Euro teure Firmenauto auch keinen Spaß mehr“. Mit den Praktiken der Informationstechnologie-Branche wollte er nichts mehr zu tun haben. „Der Kunde hat das Gefühl, nicht die IT-Lösung zu bekommen, die er braucht: Es kostet viel zu viel und funktioniert nicht g’scheit“, fasst Formanek seine Erfahrungen zusammen.
Seit Jahren war der Genussmensch Stammkunde im kleinen, aber feinen Geschäft „Der Kaffeegenießer“. Als Formanek im Mai des Vorjahres beim Tee-Einkauf erfuhr, dass der Inhaber das Geschäft schließen wollte, sah er darin seine Chance gegen das drohende Burn-out. Nach einer Nachdenkphase und dem geordneten Ausstieg aus dem IT-Geschäft übernahm er im August 2011 auf der Hauptstraße von Stockerau die kleine Spezerei. Radikale Veränderungen am Erscheinungsbild des Ladens aber nahm er keine vor.
Das Tee-Angebot erweiterte er auf über 70 offene und mehr als 30 abgepackte Sorten, mit einer Vielfalt an Schwarztees unterschiedlichster Qualitätsstufen und Herkunftsländer – wie In dien, Ceylon, China oder Kenia. Stolz ist er auch auf sein Angebot an alternativen Teesorten, für Teekenner, die Teein vermeiden wollen, und die breite Palette an Früchte- und Kräutertees.
Kräuter und Gewürze aus biologischem Anbau
Neu in den Regalen des schmalen Geschäfts sind gehobene Lebensmittel wie Kräuter und Gewürze aus „kontrolliert-biologischem Anbau“ oder Marmeladen, Chutneys, Pestos, Essige und Öle.
Allergiker kommen gerne in das historische Gewölbegeschäft, um weizenfreies Brot aus dem Waldviertel, vegane Süßigkeiten, laktosefreie und handgeschöpfte Schokolade und handgemachte Lebkuchen aus Waidhofen an der Thaya sowie Teigwaren ohne Weizen aus dem benachbarten Leitzersdorf zu beziehen. Im Lo-kal wird bald auch ein Tea-Room für Verkostungen eingerichtet. Nachmittags wird dann täglich „Tea-Time“ gefeiert und einmal im Monat eine japanische Teezeremonie abgehalten.
Neben Tees hält Formanek auch schottische Whiskeys zur glasweisen Verkostung bereit. Unter den zwölf angebotenen Sorten finden Kenner und Liebhaber Markennamen wie Arran, Tomintoul oder Octomore, den nachweislich rauchigsten aller Single-Malt-Whiskys.
Mit dem Mix aus internationalen Spitzenprodukten, und Waren aus der Region und schönen Dingen für den genussvollen Lebensstil hat sich das Geschäft gut entwickelt.
Nur mit dem Geschäftsnamen „Kaffeegenießer“ ist Formanek nicht ganz glücklich. „Weil unsere Kunden viel mehr Tee als Kaffee kaufen“, erklärt der Quereinsteiger. Der heute überhaupt kein Auto mehr besitzt.








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