VON THOMAS JORDA
Ein Buch startet durch; fünf Tage nach dem Erscheinen liegt es bereits auf dem ersten Platz der heimischen Bestsellerlisten, ganz ohne Sex und Skandale.
Dazu hat der Autor als Universitätsprofessor und Genetiker einen durchaus sperrigen Beruf; und er legt seinen Finger mitleidlos auf eine schwärende Wunde. Die Frage, die er stellt: Wie bereiten wir uns auf die Zukunft vor, wie wollen wir Antworten auf jene Fragen finden, die wir noch gar nicht kennen?
Ein Think Tank beschäftigt sich mit Fragen der Evolution
Markus Hengstschläger, gebürtiger Oberösterreicher mit Wohnsitz in Perchtoldsdorf, Ehemann, Vater und schon mit 35 Jahren zum Universitätsprofessor für Medizinische Genetik berufen, hat sich im Rahmen des Think Tanks Academia Superior intensiv mit dem „Konzept der Individualität“ beschäftigt.
Gesprächspartner waren zum Beispiel Physiker Anton Zeilinger, Philosoph Peter Kampits, Dirigent Franz Welser-Möst, Ex-Operndirektor Ioan Holender, Deutschlands Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher oder der Sportdirektor der Alpinen, Hans Pum.
„Wir wissen“, sagt Hengstschläger, „dass wir aus der Vergangenheit lernen müssen und die Gegenwart so ist, wie sie ist. Aber wie gestalten wir die Zukunft, wie bereiten wir uns auf Fragen vor, die wir noch gar nicht kennen? Seit Jahren habe ich bei Vorträgen gefragt, was die Menschen dafür tun. Und die Leute haben schnell eingesehen, dass unser einziges Kapital die Individualität ist. Die Evolution baut auf Individualität auf, je mehr verschiedene Individuen es gibt, desto eher ist eines dabei, das eine Antwort hat.“
Österreich habe keine Rohstoffe oder billige Arbeitskräfte, „wir haben nur uns, unser Humankapital. Aber kein Talent ist etwas wert, wenn man es nicht durch harte Arbeit entdeckt und durch besondere Leistung umsetzt. Dann hat man Erfolg. Und ohne üben, üben, üben geht gar nichts, aber das führt nicht bei jedem zum Gleichen.“
Viele, mit denen er gesprochen habe, hätten gesagt, wir brauchen Talente, müssen sie entdecken und fördern.
„Aber mich hat schockiert, dass auch viele, zu viele, überhaupt nicht am Humankapital interessiert sind. Bei allen klassischen Problemen nichtvoraussehbarer Zukunft, wollen wir sie mit dem Durchschnitt lösen. Auf diesem Weg werden wir aber ganz sicher keine Lösung finden. Nur die Individualität ist unsere große Chance.“
„In Österreich kommt man als Individuum auf die Welt und endet zu oft als Kopie“, sagt Markus Hengstschläger, „dabei ist die Elite so groß, wie es Individuen gibt. Aber wir irren lieber mit der Masse als allein Recht zu haben.“ Sein Buch „Durchschnittsfalle“ ist bei ecowin erschienen (188 Seiten, 21,90 Euro).







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