VON THOMAS JORDA
Sage niemand, dass man in Niederösterreich nicht lernfähig sei. Vor hundert Jahren wurde in Neulengbach Egon Schiele eingesperrt, weil er eine Minderjährige verführt haben soll. Was er tatsächlich getan hat, wird man wohl nie genau erfahren. Bemerkenswert jedenfalls, dass man das Corpus Delicti, ein Porträt des kaum bekleideten Mädchens, rasch verschwinden ließ und als Bestandteil des Gerichtsaktes wohl noch 1912 in St. Pölten verbrannt hat.
Ein letzter Hinweis findet sich auf dem Bild (rechts), das Schiele von seiner Wohnung in Neulengbach gemalt hat. Man vermutet, dass es sich beim Gemälde ganz links oben um das inkriminierte Werk handelt.
Aber sicher ist es nicht; und wenn, dann könnte man darauf auch nichts erkennen,
Hundert Jahre später wird also nicht mehr verhaftet, sondern gefeiert. Wenigstens der Künstler, hoffentlich nicht das beanstandete Ereignis. An vorderster Front steht die Gemeinde Neulengbach selbst, die im einstigen Bezirksgericht (tatsächlich gibt’s noch die Originalzelle) ab April eine Ausstellung unter dem Titel „Egon Schiele – eine Affäre?“ zeigen wird.
Man verspricht, sich bei der Suche nach Schiele-Originalen, die man auch tatsächlich ausstellen dürfe, noch größte Mühe zu geben. Denn der Erfolg der Schau wird sicher auch nach Quantität und Qualität der Bilder Schieles beurteilt werden.
Jedenfalls lässt sich das nahe Eichgraben nicht lumpen und wird die Schiele-Aktivitäten der Nachbarn mit einer Schau unter dem Titel „Jugendstil im Wienerwald“ ergänzen. Für die touristische Abrundung sorgt die Tourismusregion, der die Elsbeere den Namen gegeben hat. Man wolle Elsbeer-Spezialitäten fördern (nicht nur in Form von Schnäpsen) und die touristischen Gäste auf ihrer Suche nach einem geeigneten gastronomischen Angebot unterstützen.







