VON MICHAELA FLECK
„Imagine“, sagt die zierliche Tänzerin mit der schwarzen Hose und den bloßen Füßen. „Stellt euch vor, ihr habt Farbe an den Händen. Welche Farbe? Rot, gut! Und jetzt malt ihr. Figuren, Gesichter, Herzen, alles in Rot…“
Und 17 Männer und Frauen, alle über 50, (fast) alle weißhaarig, in bunten T-Shirts und schwarzen Leggins, malen – ohne Leinwand, ohne Pinsel, nur mit ihren Körpern. Im Hintergrund tanzt ein melancholisches Akkordeon im CD-Recorder.
„Was wir hier machen, ist, wir sprengen Grenzen. Wir gehen aufeinander zu. Und wir fragen uns, was uns alle bewegt“, sagt Ulla Steyrleuthner, Kulturvermittlerin im St. Pöltner Festspielhaus. Und Intendant Joachim Schloemer meint: „Wir wünschen uns, dass sich etwas in der Region bewegt!“
Dazu, nämlich um Bewegung in den Kulturbezirk und auch gleich ins ganze Land zu bringen, gibt es seit vergangener Woche das Projekt „Alles bewegt“. Sechs Choreografen von Frankreich bis Amerika und von England bis Österreich und zwei Musiker aus Italien und Deutschland werden daran in sieben so genannten Communities knapp eineinhalb Jahre lang arbeiten – und zwar mit Amateuren. Die seien in Wahrheit „unglaublich professionell“, erzählt Milli Bitterli, Wienerin und eine der sechs ChoreografInnen des Projekts. „Profis“, so Bitterli, „muss man manchmal pushen. Laien muss man meistens bremsen!“ Airan Berg, Schulprojekt-Leiter im Rahmen von Linz09, ergänzt: „Wir stellen nur die Mittel zur Verfügung, wir kommen, um zu lernen, statt zu lehren!“
Ins St. Pöltner Festspielhaus wollen bis Mai 2013 – da plant man eine große Abschlussaufführung – 150 Amateure von 6 bis 79 Jahren zweimal pro Monat zum Proben kommen. Und zwar alle aus der Region, das heißt von Gmünd bis St. Pölten und von Stockerau bis Schwechat. Das war ja auch die Idee des britischen „Community Dance“, den auch Londons Tanztheater Sadler’s Wells, St. Pöltens Kooperationspartner bei „Alles bewegt“, schon seit Jahren auf die Bühne bringt.
„Ich erhoffe mir Funken, die dann wie kleine Bomben explodieren“, schwärmt Joachim Schloemer von „Alles bewegt“. Schließlich werde er nach diesem Projekt das Festspielhaus verlassen. „Aber ich hoffe, dass das Projekt etwas anstößt, etwas lostritt, das weitergeht…!“
Anmeldung und Infos: www.festspielhaus.at bzw. allesbewegt@festspielhaus.at







