VON MICHAELA FLECK
Den Frühling sucht man bei ihm vergebens. Die Fröhlichkeit auch. Dazu ist das, was Anselm Kiefer seit über 40 Jahren auf die Leinwand bringt, zu dunkel, zu groß, zu schwer.
Da hängt, zum Beispiel, ein tonnenschweres Bleiboot vor einem aufgewühlten, schwarzblauen Meer. Da stürzt ein kleines, verbogenes Flugzeug aus einem grauen Himmel ins Bodenlose. Oder da brennt, hinter Glas, ein schwarzer Dornbusch mit blechroten Flammen.
„Ganz verstehen wird man das wohl nie“, meint Kunstprofessor Peter Iden. Und Kunstsammler Karlheinz Essl ergänzt: „Für mich war das wohl Liebe auf den zweiten Blick!“ 2003 hat der Klosterneuburger das erste Bild des Deutschen, der in einem Luftschutzkeller geboren wurde, bei Joseph Beuys studierte und seit fast 20 Jahren in Frankreich lebt und arbeitet, gekauft. Seither sind noch 14 weitere dazugekommen.
Von U-Booten, Sternen- Karten und Dornbüschen
Sie alle, also 15 Werke aus den letzten acht Jahren, hat Karlheinz Essl nun zu einer der wenigen, großen Personalen zu Anselm Kiefer im Klosterneuburger Museumshaus versammelt. Das Bleiboot (Titel: „Die große Fracht“), das mitsamt dem zugehörigen Bild eine halbe Tonne wiegt, ist da ebenso zu sehen, wie das kleine Flugzeug (Titel: „Steigend, steigend, sinke nieder“) und der brennende Dornbusch („Ich bin der Ich bin“).
Außerdem Sternenkarten hinter gipsweißen Zweigen, blecherne Bücher, die über rollenden Wellen schweben, ein riesiger, rostbrauner Tempel, ein abblätternder Sessel mit einem Bündel verbranntem Holz oder auch eine schwarzweißgraue (Winter-) Landschaft mit einem stilisierten Stethoskop, das einen Berggipfel abhört („Tönend wie des Kalbs Haut die Erde“, siehe Bild oben).
Die dazugehörigen Titel, Texte, Verse und Inspirationen hat man in den lichten Galerieräumen des Klosterneuburger Museums gleich neben die monumentalen Bilder (das größte misst 3,3 mal 7,6 Meter!) auf die weißen Wände geschrieben, von Ingeborg Bachmann bis Paul Celan und von Hölderlin bis zur Bibel.
„Ich erzähle“, sagt Anselm Kiefer, „in meinen Bildern Geschichten, um zu zeigen, was hinter der Geschichte ist. Ich mache ein Loch auf und gehe hindurch.“ Hingehen, durchgehen, staunen!
Der Poet der großen Dinge

1 Kommentare
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Buergermeisterr
(107)
07.02.2012 12:59
(0)
und wo sind..
unsere Ausnahmekünstler!! Sind sie vielleicht zu wenig „Ausgenommen“? Sieht man sich die Kultur Szene an, merkt man es sofort, das hat mit Österreich nichts zu tun! Die "bestimmenden" Kunstforenmanager sind da schon wie die Politiker, eigene Kunst ist zu banal, zu simpel!! Da muss schon eine kräftigere verarsche aus dem Ausland unser Land bewerten! Nest beschmutzende Gaukler die nur Reüssieren wollen!! Autoren, Maler, Kunsthandwerker – Österreichische Akzeptanz wird euch nie treffen..;
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