VON THOMAS JORDA
Das Erbe der Familie kann auch eine Belastung sein. Aber es finden sich Wege.
Helene Czernin ist aus der Familie der Ritter von Blaas gebürtig und damit der Spross einer der künstlerisch potentesten Familien des Landes. Erster in der Ahnenreihe war Carl Blaas (1815 bis 1894), der aus Nauders in Tirol stammte. Er wurde Professor für Historienmalerei an der Wiener Akademie; als sein Hauptwerk gelten die Fresken mit den wichtigsten Szenen aus der Geschichte Österreichs in der Ruhmeshalle des k. k. Hofwaffenmuseums, also des heutigen Heeresgeschichtlichen Museums.
Dafür wurde er zum Ritter geadelt. Seine Söhne Eugen und Julius von Blaas waren nicht minder bedeutende Künstler.
Den Kaiser gut fünfzig Mal auf seinem Pferd gemalt
Julius hat etwa den Kaiser gut fünfzig Mal zu Pferd gemalt. Er war auch der Vater von Karl Theodor von Blaas, der für seine Jagdszenen und Portraits gerühmt wurde.
Gattin Helene von Blaas, eine gebürtige Freiin von Leitenberger, ist mit ihren Blumenbildern in die Kunstgeschichte eingegangen und 1985 auf Schloss Tannenmühle gestorben. Beider Enkeltöchter haben ganz unterschiedliche Wege gewählt.
Katharina (geboren 1956) hat sich der Kunstgeschichte und der Betreuung des reichen Familienerbes verschrieben; sie lebt mit ihrem Gatten, dem Reichsfreiherrn Karl von Seyffertitz, in der Steiermark. Und hat im September gemeinsam mit dem Doro theum eine viel beachtete Auk tion mit vielen Werken der Familie durchgeführt.
Helene von Blaas ist den väterlichen Weg gegangen. „Mein Vater war ein begeisterter Landwirt, er hat Schweine gezüchtet und gemästet. Ich dachte mir damals, das sollte ich studieren.“
Allzu sehr hat sie sich viele Jahre nicht mit der Landwirtschaft beschäftigt, die heute auch verpachtet ist.
„Das wichtigste Anliegen war mir immer die Erziehung unserer Kinder, deren Ausbildung und Unterstützung. Erst jetzt, da sie groß sind, werde ich mich um unsere kleine Forstwirtschaft kümmern. Und meinem Mann bei der Restaurierung der Kirche unterstützen, die er eben erst mit einem Schloss in Tschechien zurückbekommen hat.“
Ihren Gatten, Diviš Reichsgraf Czernin von und zu Chudenitz hat sie beim Skifahren kennen gelernt. Er ist, obwohl viele Jahre von den Kommunisten drangsaliert, immer noch tschechischer Staatsbürger.
Helene Czernin ist eine sehr gläubige Frau. „Das habe ich von meiner Großmutter Helene von Blaas. Sie und ich, wir haben immer einen Sinn darin gesehen, den Glauben als Leitfaden fürs ganze Leben zu nehmen. Diese Basis versuche ich, auch anderen Menschen weiterzugeben. Es ist aber kein Werturteil. Ich kenne die besten Menschen, und sie haben keinen Glauben!“
Bescheidenheit ist ihr wichtig. „Ich wollte auch nie von Schloss Tannenmühle weg. Ich war immer ein richtiges Vaterkind und bin sehr glücklich hier.“
Helene Czernin engagiert sich im Pfarrgemeinderat von Altlengbach, als Lektorin und Kommunionspenderin, in der Gruppe Müttergebete in Stift Heiligenkreuz. Dabei will sie nicht an führenden Positionen stehen.
„Ich lebe mein christliches Leben im Alltag und in der Familie. Besser gesagt: Ich versuche, ein christliches Leben zu führen. Ob mir das gelingt, das weiß ich nicht, ich bin nur ein Mensch.“







