VON MICHAELA FLECK
Dicht war er schon immer, Niederösterreichs Theatersommer. Bunt sowieso. Und spannend erst recht. Schließlich wechseln da schon mal die Intendanten, feiern die einen Abschied und die anderen Einstand, machen die dritten kurz mal Pause und wagen sich die vierten an ganz etwas Neues.
All das gibt’s auch im neuen Theaterjahr. Und dazu noch jede Menge große Opern und kleine Komödien, weise Worte und schräge Pointen, kühne Ritter, starke Frauen, süße Mädl, traurige Sänger, coole Tänzer und noch viel mehr. Wo’s das alles spielt? Von Amstetten bis Weitra und von Asparn bis Weißenkirchen. Hier ein Überblick über die Abschiede, Einstände, Neuanfänge und, vor allem, über die wichtigsten Premieren des Sommertheaterjahres 2012.
Das beginnt nicht nur bei A wie Amstetten. Sondern auch gleich mit einem Neustart. Ein Jahr musste der Musicalsommer – trotz jahrelangen Erfolgs bei Publikum und Kritik gleichermaßen – 2011 pausieren. 2012 startet Geschäftsführer Hannes Kropfreiter neu durch. Und zwar mit Alan Menkens schaurig-schrägem Musicalklassiker „Der kleine Horrorladen“. Premiere für Amstetten reloaded ist am 18. Juli.
Knapp zwei Wochen später, am 31. Juli, feiert man auch im hohen Norden Niederösterreichs Premiere. Und zwar in Asparn. Dort, im Filmhof Wein4tel, ist nicht nur allsommerlich die Komödie zuhause. Sondern, heuer, auch das Musiktheater. Am Programm: „Die Zähmung des Widerspenstigen“.
Widerspenstige gibt’s in Niederösterreichs Süden, genauer: in der Sommerarena Baden, heuer keine. Musik dafür umso mehr. Und tapfere Kämpfer, stolze Gräfinnen, reiche Bauern und glänzende Stars. Den Anfang macht, ab 22. Juni, Ralph Benatzkys „Drei Musketiere“, weiter geht’s mit Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ (ab 13. Juli), ab 28. Juli versucht sich Ferdinand Raimunds „Bauer als Millionär“ und ab 11. August hält Andrew Lloyd Webbers „Evita“ Hof.
Hof hält 2012 auch Neo-Intendant Michael Niavarani wieder im Stadttheater Berndorf. Dort lädt man – wegen großen Erfolgs – schon ab 6. Juni gleich nochmal zum „Desaster Dinner“, ab 26. Juni treiben dann die „Keinohrhasen“ ihr „Unwesen“.
Große Oper steht auch im neuen Theaterjahr wieder auf der Burgruine Gars am Sommerprogramm. Nach „Carmen“ 2011 gibt man 2012 Verdis „Rigoletto“, Premiere ist am 13. Juli. Einen Tag vorher, am 12. Juli, starten die Festspiele Gutenstein in ihre kurze, neue Saison. Am Programm: „Brüderlein fein im Bleichgarten“, zu sehen bis 15. Juli. Ganz klassisch geht es dagegen am Hauptplatz in Haag zu. Heinrich von Kleists „Zerbrochenen Krug“ hat sich Intendant Gregor Bloéb für 2012 ausgesucht. Und dazu auch gleich zwei „Nestroy“-Preisträger, Andreas Patton & Franziska Hackl, engagiert. Premiere: 27. Juni.
Eine gute Woche später, am 8. Juli, feiert Intendant Michael Garschall im Kaiserhof des Stiftes Klosterneuburg Premiere. Nicht mit Mozart, nicht mit Bizet, sondern mit Donizetti und dessen köstlich-komischer Oper „Don Pasquale“. Komisch auch, vor allem aber ziemlich wild, geht es ab 26. Juli im Haindorfer Schlosshof bei den Schlossfestspielen Lan-genlois zu. Dort steht heuer ja zum letzten Mal Uwe Theimer am Dirigenten- (und Intendanten-)Pult – mit Heinrich Bertés „Dreimäderlhaus“ und Jung-Star Erwin Belakowitsch als Franz Schubert.
Keinen Abschied, dafür aber einen Einstand feiert man 2012 im Schlosspark von Laxenburg. Dort hat Adi Hirschal den Intendantensessel von Jürgen Wilke übernommen. Und spielt in seiner ersten Saison den „Graf von Laxenburg“. Premiere ist am 22. Juni. Und an einem ganz anderen See, nämlich dem Herrensee in Litschau, macht sich Zeno Stanek heuer an die „Letzten Tage der Menschlichkeit“. Mit: Karl Ferdinand Kratzl, ab: 2. August.
Nestroy hat, ebenso wie Shakespeare, immer Saison, im niederösterreichischen Theatersommer. Und das gleich mehrmals. Zuerst in Maria Enzersdorf. Unter der dortigen Burg Liechtenstein spielt Prinzipalin Elfriede Ott heuer „Umsonst“ (Premiere: 26. Juli). Unter Niederösterreichs berühmtestem Barockstift, in den Melker Donauauen, wagt sich Intendant Alexander Hauer schon seit Jahren weder an Nestroy noch an Shakespeare. Sondern an Großes, Neues, auch Historisches. Und hat sich dafür heuer gleich ein paar starke Frauen eingeladen. Die eine, Susanne F. Wolfs Bühnenbearbeitung der „Päpstin“, feiert am 21. Juni Premiere, die zweite, Andy Hallwaxx‘ 80er-Revue „Like a virgin“, rockt ab 5. Juli. Und im ehemaligen Luftschutzstollen in Mödling spielt Bruno Max heuer gleich nochmal – ebenfalls wegen großen Erfolges – Edgar Allan Poes „Verräterisches Herz“ (ab 12. August).
Stichwort: Shakespeare. Auch den findet man in Niederösterreichs Sommertheaterspielplan alljährlich gleich mehrmals. Einmal in Perchtoldsdorf. Vor der dortigen Burg setzt Hakon Hirzenberger ab 4. Juli Shakespeares „Macbeth“ in Szene, auf der Besetzungsliste: Dietmar König und Stefano Bernardin. Und im (Märchen-)Schloss im Weinviertler Poysdorf lässt Nina Blum heuer die Gespenster geistern. Premiere des „Schlossgeflüsters“ ist am 5. Juli. Nicht Shakespeare, sondern Schnitzler gehört allsommerlich der Thalhof in Reichenau. „Ach Arthur – ach Dilly“ spielt Intendantin Helga David im zauberhaften Ballsaal, Premiere ist am 19. Juli. Ein paar hundert Meter weiter, im Theater Reichenau, geben Peter und Renate Loidolt heuer auch (wieder) Schnitzler. Und zwar diesmal den „Reigen“, mit Chris Pichler, Katharina Straßer und Miguel Herz-Kestranek (ab 4. Juli). Schon ab 29. Juni gibt man im Großen Saal des Reichenauer Theaters Nestroys „Frühere Verhältnisse“, ein paar Tage später, ab 5. Juli, Stefan Zweigs „Ungeduld“. Und ab 6. Juli steht Leo Tolstojs „Anna Karenina“ in der Bühnenfassung von Nicolaus Hagg am Festspielprogramm – mit Julia Stemberger und Joseph Lorenz.
Ganz barock und trotzdem ganz modern geht es allsommerlich in der Stadtpfarrkirche Retz zu. Heuer am ambitionierten Opernprogramm: „Orpheus oder Die wunderbare Beständigkeit der Liebe“. Premiere ist am 5. Juli. Ab 6. Juli gehört das Theaterzelt auf der Rosenburg wieder William Shakespeare. Heuer am Programm: „Wie es euch gefällt“, heuer (wieder) auf der Bühne: Alexander Waechter und Erni Mangold. Nicht Shakespeare, sondern Nestroy steht allsommerlich am Programm der Nestroyspiele Schwechat. Heuer gibt man „Nestroys Jux“ – ab 23. Juni.
Drei Wochen früher, am 7. Juni, feiert man bereits im Schlosshof von Sitzenberg Premiere. Und zwar mit Franz Molnárs „Der Schwan“. Es spielen Michaela Ehrenstein, Gabi Schuchter und Dany Sigel, Musik: Béla Fischer. Gut eineinhalb Monate später, ab 20. Juli, wird es ganz woanders, und zwar in der spektakulären Felsenbühne im Weinviertler Staatz, hochdramatisch. Da schickt Intendant und Theaterfest-Obmann Werner Auer die „Titanic“ auf ihre letzte Reise – wenn auch „nur“ auf der Musicalbühne. Und mit einem Musicalklassiker geht auch Stockerau-Intendant Alfons Haider in die heurige Saison. Ab 9. Juli am Platz vor der barocken Stadtpfarrkirche: „A Chorus Line“.
Weniger getanzt, dafür umso mehr gelacht, darf heuer auch wieder im Teisenhoferhof bei den Wachaufestspielen Weißenkirchen werden. Am Sommerprogramm von Marcus Strahl: „Das Kamel geht durch das Nadelöhr“, mit: Verena Scheitz und Waltraut Haas, ab: 25. Juli. Und ab 19. Juli feiert noch eine ganz neue Intendantin Einstand. Und zwar Regie-Star Beverly Blankenship, die Felix Dvorak beim Schloss Weitra Festival nachfolgt. Am Einstandsprogramm: Aphra Bens „Liebe, Lust und Lüge“, auf der Besetzungsliste: „Nestroy“- Mimin Sona MacDonald. Noch mehr
Sommertheater: www.theaterfest-noe.at
Von großen Opern und kleinen Komödien

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