GASTKOMMENTAR
Manch ein politischer Beobachter mag gestaunt haben, als vor zwei Wochen die Schlagzeile von Heinz-Christian Straches Israel-Reise die Runde machte. Der Spitzenrepräsentant des Dritten Lagers in Theodor Herzls Judenstaat: Passte das zusammen? Auf seinem Trip besuchte der FPÖ-Chef jedenfalls jüdische Siedlungsgebiete und hielt am „akademischen College Ashkelon“ eine Rede. In einer so genannten „Jerusalemer Erklärung“ suchte er dann Gemeinsamkeiten mit den israelischen Rechtspolitikern, die ihn ins Heilige Land geladen hatten. Das verbindende Element war rasch gefunden. Strache: „Wir haben die totalitären Systeme wie Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus überwunden. Jetzt stehen wir vor der neuen Bedrohung des fundamentalistischen Islamismus.“
Auch wenn sich die Israelitische Kultusgemeinde in Wien kritisch zur Strache-Reise äußerte und sich das israelische Außenministerium schnell von Strache distanzierte: Der Besuch hat das angestrebte Ziel erreicht. Strache wollte sich in Israel – im übertragenen Sinn – impfen lassen. In Zukunft soll ihm die Israel-Reise dazu dienen, jeden Verdacht des fortgesetzten freiheitlichen Antisemitismus im Keim zu ersticken. Die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre haben dem Boss der Blauen nämlich eines vor Augen geführt: Mit der Vergangenheit sind keine Wahlerfolge mehr einzufahren – das hat zuletzt Barbara Rosenkranz mit ihrer Präsidentschaftskandidatur bewiesen.
Was dagegen zieht, ist die Abgrenzung von aktuellen Bedrohungsszenarien wie dem islamischen Fundamentalismus. Dass der gerade in Israel omnipräsent ist, kommt der FPÖ zupass. Strache setzt längst nicht mehr auf undifferenzierte Anti-Ausländer-Wahlkämpfe. Schon bei der Wien-Wahl hat der Oppositionelle seine Polarisierungsstrategie verfeinert, um auch für Gruppen von Migranten wählbar zu werden: Hier porträtierte er die bösen (muslimischen) Türken – dort die braven Christen aus Serbien, Kroatien oder Polen.
Nicht, dass mit seiner Impfstrategie fortan jede Kritik an Strache unmöglich wird. Doch der Freiheitliche schafft so zumindest symbolisch den ersten Schritt aus dem politischen Hooligan-Sektor hin zu mehr staatsmännischem Verhalten. Strache will erwachsen werden und seine Partei für breitere Schichten wählbar machen.

















