Mit einem lachenden und einem weinenden Auge muss man die Zwischenbilanz von ÖBB-Konzernchef Christian Kern sehen.
Zweifelsohne hat er geschafft, was ihm viele nicht zugetraut haben. Er hat vor eineinhalb Jahren einen harten Sanierungspfad eingeschlagen, diesen beharrlich und allen politischen Unkenrufen zum Trotz durchgezogen. Und er kann nun zahlenmäßige Erfolge vorweisen.
Fraglich ist jedoch, ob dieser Weg der einzig richtige ist. Um die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zu verbessern, wurden hoch defizitäre Nebenbahnen ans Land NÖ verkauft und Fahrpläne ausgedünnt. Der Mitarbeiterabbau geht zügig weiter – das schafft im Außendienst Lücken bei Qualität und Sicherheit. Im Güterverkehr wurden Verladestationen geschlossen und die Tarife massiv angehoben, was den Konkurrenten Straße stärkt.
Nachdenklich stimmt auch das neue Sparprogramm bei Projekten. NÖ wird davon stark betroffen sein, der überfällige Ausbau des öffentlichen Verkehrs dürfte damit erneut einen Rückschlag erfahren.
Dabei sind einzelne Maßnahmen schlichtweg kontraproduktiv. Dazu zählt die genannte Nicht-Elektrifizierung der Marchfeldstrecke. Einer ÖBB-internen Studie zufolge wären jährlich sechs Millionen Euro einzusparen, wenn man drei wichtige Kernnetz-Strecken in Ostösterreich von Diesel- auf umweltfreundlicheren, billigeren Elektroantrieb umstellen würde. Dazu zählen neben Stadlau-Marchegg noch Krems-Herzogenburg und Wiener Neustadt-Loipersbach.
Dass eine Sanierung des Staatskonzerns unumgänglich ist, macht gerade die aktuelle Staatsschuldendebatte sehr deutlich. Die Frage ist nur, ob man bei einer solchen öffentlichen Dienstleistung allein auf die Kosten schauen darf. Öffentlicher Verkehr bedeutet nun einmal Zuschüsse der öffentlichen Hand, wenn man ihn für die Bevölkerung leistbar halten will. Und das gilt überall auf der Welt.








