Kennen Sie die Reaktion eines Hundes, wenn ihm etwas unangenehm war? Genau. Er beutelt sich kräftig und hat damit die Sache aus der Welt geschafft. Für sich zumindest. Im übertragenen Sinne hat ORF-Chef Wrabetz in der Vorwoche die gleiche Taktik probiert. Gibt’s halt keinen Büroleiter Pelinka, gleich überhaupt keinen. Nebstbei auch keinen Bundesländerkoordinator (was der hätte tun sollen, das weiß ja ohnehin niemand). Sprach’s, beutelte sich (sinnbildlich) und glaubte, damit aus dem Schlamassel zu sein. Was nicht stimmt. Überhaupt nicht.
Noch nie in seiner Geschichte (und da hat es schon einige Krisen gegeben) ist der ORF so blamiert worden. Noch nie zuvor war so offensichtlich geworden, wie parteipolitisch gesteuert das von Zwangsgebühren gut finanzierte Medienunternehmen doch ist. Eigentlich müsste man dem Generaldirektor dafür ja dankbar sein. Er hat öffentlich zur Schau gestellt, wie sehr die Politik beim ORF die Fäden zieht. Schamlos, frech und erstaunlich indiskret.
Das Personalpaket, das Wrabetz für seine Wiederwahl umsetzen sollte, liegt in all seiner politischen Geschmacklosigkeit jetzt offen da. Ein politischer Scherbenhaufen in einem sündteuren Unternehmen, das längst seine Orientierung verloren hat. Hopsende Möchtegern-VIPs, fragwürdige Castingshows und sündteure Sportrechte verschlingen Millionen um Millionen Gebühreneuros, die man auch zahlen muss, will man den ORF gar nicht schauen. Seinen Kulturauftrag hat der ORF in ein Nischenprogramm abgeschoben, seinen gesellschaftlichen glaubt er, mit Chili und Seitenblicke abfeiern zu können. Es knirscht im Gebälk des Küniglbergs, nicht nur, weil das Gebäude baufällig ist.
Der ORF-Generaldirektor irrt sich, wenn er meint, nach dem Pelinka-Rückzieher wieder zur Tagesordnung übergehen zu können. Das mutige und entschlossene Vorgehen der ORF-Redaktion hat einen Stein ins Rollen gebracht, den auch die Politik nicht mehr stoppen kann. Und will sie sich noch einen Funken an Glaubwürdigkeit erhalten, auch gar nicht stoppen sollte. Der ORF gehört endlich entpolitisiert, er gehört befreit von den Fesseln kurzsichtiger Parteistrategen, die meinen, über den ORF Volksmeinung steuern zu können. Denn das Volk ist längst klüger.








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