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20.02.2012 | 00:00
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Hart in der Sache, fair im Umgang
Doppel-Interview im Prälatensaal des Palais Niederösterreich, auf niederösterreichischem Boden inmitten von Wien: NÖN-Chefredakteur Martin
Gebhart mit den beiden niederösterreichischen Ministerinnen Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Johanna Mikl-Leitner (ÖVP).    (© FOTO: MARSCHIK)
Niederösterreichs Ministerinnen Gabriele Heinisch-Hosek (SP) und Johanna Mikl-Leitner (VP) über ihre Zusammenarbeit in der Großen Koalition.

VON MARTIN GEBHART

NÖN: Sind Sie beide erleichtert, dass das Sparpaket jetzt endlich am Tisch liegt?
Heinisch-Hosek: Also ich bin froh, dass wir ein gutes ausgewogenes Paket ausverhandelt haben. Am Ende sind wir noch lange nicht, denn jetzt kommt noch die Begutachtungsfrist, der parlamentarische Prozess. Das heißt, so richtig froh und glücklich werde ich am 28. März sein, wo voraussichtlich das Sparpaket auch vom Parlament abgesegnet wird.
Mikl-Leitner: Ich glaube, wir haben jetzt einmal einen guten, einen großen Schritt nach vorne getan mit dem Konsolidierungspaket, das wir in einer sehr konstruktiven Art und Weise in der Großen Koalition zustande gebracht haben.

NÖN: Hat die Präsentation des Sparpakets die Kommunikation zwischen den Koalitionsparteien wieder erleichtert?
Heinisch-Hosek: Ich sage einmal, während der Verhandlungen war die Kommunikation sehr herausfordernd. Das eine oder andere Mal sicherlich auch nicht nur harmonisch. Das ist aber klar, wenn die jeweiligen Interessen durchgesetzt werden sollen. Wir haben aber vorher gut kommuniziert und tun das auch jetzt.
Mikl-Leitner: Jede Partei hat selbstverständlich ihre Standpunkte, aber im Mittelpunkt stand das gemeinsame Ziel, nämlich ein gutes, sozial ausgewogenes Paket für Österreich zu schnüren. Das ist uns, glaube ich, gut gelungen. Wir können sagen, das Paket ist sozial ausgewogen.

NÖN: Jetzt zu Ihnen im Zusammenhang mit der Großen Koalition. Sie kommen beide aus Niederösterreich. Man weiß, dass Sie sich grundsätzlich gut verstehen, man weiß aber auch, dass Sie beide die Positionen Ihrer Partei markant vertreten. Wie geht man da in der Regierung miteinander um?
Heinisch-Hosek: Indem man schon versucht, den anderen zu überzeugen. Wenn wir dann – Kollegin Mikl-Leitner hat es ja gesagt – beide das Konsolidierungspaket als sozial ausgewogen betrachten, dann heißt das auch, beide Bereiche haben sich in irgendeiner Form hier durchsetzen können. Das ist, glaube ich, das Gute daran.
Mikl-Leitner: Wie geht man miteinander um? Ich würde sagen, dass die gemeinsame Arbeit von Respekt und Akzeptanz gegenüber dem anderen getragen wird. Jeder und jede weiß, dass man da und dort einen anderen Standpunkt haben kann. Da gilt es, auf der einen Seite auch Verständnis zu zeigen und natürlich auch Überzeugungsarbeit zu leisten.

NÖN: Das Bild der Koalition in der Öffentlichkeit ist aber ein anderes.
Mikl-Leitner: Vielleicht wird man auch seitens der Medien zur Konfrontation das eine oder andere Mal gezwungen. Nehmen wir das Frauenpensionsalter als Beispiel. Da habe ich darüber, ob es früher oder später angehoben werden soll, einen anderen Standpunkt als meine Regierungskollegin. Ich habe aber zu akzeptieren, dass das zum jetzigen Zeitpunkt innerhalb der SPÖ nicht umzusetzen ist. Aber wir haben trotzdem ein Pensionspaket geschnürt, bei dem wir sagen können, dass das zur Sanierung des Staates beiträgt.
Heinisch-Hosek: Und ich will ergänzen, dass nicht jeder Dissens, der so lange herrscht, bis man einen Kompromiss erzielt hat, gleich auch in Streit ausartet, so wie es medial oft dargestellt wird. Ich glaube, dass hier oft auch konstruierte Streitereien transportiert werden, die gar keine sind. Das heißt, man kann zwar in der Auseinandersetzung miteinander mitunter auch hart umgehen, aber am Ende des Tages begegnet man einander dann wieder mit Verständnis und Respekt, weil ja beide Parteien das Beste für Österreich wollen.

NÖN: Was wäre zwischen Ihnen beiden ein Konflikt, der die gemeinsame Arbeitsbasis beenden würde? Wäre das etwa, wenn die berühmte Handschlagqualität abhanden kommt?
Heinisch-Hosek: Sich aufeinander verlassen können ist ganz wichtig. Wenn das Synonym dafür Handschlagqualität ist, dann sage ich bedingungslos ja dazu. Das heißt, wenn man etwas ausdiskutiert, auch wenn das wochenlang oder monatelang dauert, und dann zu einem Schluss kommt, den beide für tragfähig halten, dann ist das für mich der berühmte Handschlag. Das ist mir in der politischen Zusammenarbeit enorm wichtig, dass am Ende das Vereinbarte auch hält. Ich selbst verstehe mich auch als verlässliche Partnerin.
Mikl-Leitner: Wir sind beide, ich glaube das kann ich für uns beide in Anspruch nehmen, hart in der Sache, aber fair im Umgang. Das ist letztendlich die Basis, auf der wir permanent verhandeln und unsere Gespräche führen.

NÖN: Noch einmal zurück zum Sparpaket. Musste es da vielleicht abseits der offiziellen Verhandlungen auch Gespräche zwischen den beiden Niederösterreicherinnen Mikl-Leitner und Heinisch-Hosek geben, damit nicht alles zu sehr ins Stocken gerät?
Mikl-Leitner: Ja sicherlich haben wir das eine oder andere Mal abseits darüber geredet. Jetzt geht es aber darum, dass wir gemeinsam über Dinge reden, die uns beide betreffen. Nämlich gerade im Bereich der Polizei bezüglich des Dienstzeitmodells, da gibt es unseren ersten gemeinsamen Termin diese Woche, bei dem wir die Eckpfeiler festlegen, wie wir uns dieses Modell gemeinsam vorstellen.
Heinisch-Hosek: Selbstverständlich hatte es Telefonate abseits der Verhandlungen gegeben. Wir haben etwa auch gemeinsame Wartezeiten bis zu unseren Verhandlungsgruppen gehabt. Da wurde natürlich geredet, wie schätzen wir die Situation ein, was könnten wir hier tun. Das ist wichtig und legitim.
Mikl-Leitner: Wenn die Bevölkerung das eine oder andere Mal bei bilateralen Gesprächen dabei sein könnte, dann hätte sie von der Politik vielleicht ein anderes Bild.

 

NÖN: Es gibt den Vorwurf, dass Landespolitiker, wenn sie in die Bundesregierung wechseln, den Kontakt zu ihrer politischen Basis verlieren. Wie sieht es da bei Ihnen aus?
Heinisch-Hosek: Als Ministerin habe ich jetzt mehr Zeit für die Bürgerinnen und Bürger, das ist mir wichtig. Ich mache jetzt sehr viele Betriebsbesuche, da komme ich mit Arbeitern, Arbeiterinnen zusammen. Ich besuche Beratungseinrichtungen. Das heißt, die Zeit, die ich früher mehr auf Sitzungen verbracht habe, bin ich jetzt mehr draußen. Das ist ein anderer Schwerpunkt.
Mikl-Leitner: Es war noch nie ein Nachteil, sein Handwerk in Niederösterreich gelernt zu haben, weil man gerade in Niederösterreich lernt, Politik zu machen. Nicht nur inhaltlich, sondern auch im Zugang und Umgang mit der Bevölkerung. Mir ist es besonders wichtig, dass einerseits natürlich die Arbeit im Bund inhaltlich und strukturell passt. Andererseits ist mir genauso der Kontakt draußen vor Ort mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wichtig und natürlich auch mit der Bevölkerung. Ich mache dafür bewusst Bundesländertage. Diesen unmittelbaren Kontakt mit der Bevölkerung kann man nicht durch ein E-Mail oder durch ein Zeitungs- bzw. Fernsehinterview ersetzen.
 
NÖN: Und Sie erhalten auch die notwendigen Rückmeldungen von der Basis?
Heinisch-Hosek: Ja, Einkaufengehen ist zum Beispiel zum Marathon geworden. Man geht um 10 Uhr aus dem Haus, kommt erst nach 12 Uhr nach Hause und hat drei Sachen eingekauft. Also, man kommt sehr wohl sehr ins Gespräch, und das ist gut so.
Mikl-Leitner: Durch die Basiskontakte erhält man auch sehr viel an Motivation, aus der man wieder Kraft schöpfen kann.
 
NÖN: Noch einmal zurück auf die Bundesebene. Durch das Sparpaket ist das Thema „vorzeitige Neuwahlen“ im heurigen Jahr, das immer aufgetaucht ist, vom Tisch?
Mikl-Leitner: Von Neuwahlen war nie die Rede. Das hat auch keiner von uns jemals angedacht. Wir sind für die gesamte Periode gewählt und angelobt. Das ist ein ganz klarer Auftrag und das ist auch unsere Verantwortung. Du hast diese Herausforderungen anzunehmen und letztendlich Lösungen zu bringen.
Heinisch-Hosek: An Neuwahlen zu denken, ist kein Thema. Wir wollen beweisen, was wir gemeinsam leisten können. Am Ende muss sowieso die Wählerin oder der Wähler entscheiden.
 
NÖN: Die Arbeit in der Bundesregierung, die Bundespolitik, das alles macht noch so viel Spaß, dass Sie beide auch nach dem Ende der Legislaturperiode in diesem Bereich weiter-machen wollen?
Heinisch-Hosek: Die Wählerinnen und die Wähler entscheiden. An mir soll es nicht liegen. Ja, es würde mir noch Spaß machen.
Mikl-Leitner: Ohne Freude und Enthusiasmus kann man die Verantwortung als Ministerin gar nicht wahrnehmen. Die Kraft bekomme ich von meiner Familie und durch die vielen, vielen Gespräche mit den Menschen bei meinen Bundesländertagen. Gerade deshalb macht mich das Bild, das derzeit aufgrund verschiedenster Vorfälle von der Politik gezeichnet wird, sehr betroffen. Betroffen macht mich aber auch, dass in diesem Zusammenhang auch viel vorverurteilt wird. Ich sehe daher für uns alle die größte Herausforderung und unsere wichtigste Aufgabe darin, das Vertrauen der Menschen in die Politik zurückzugewinnen.
 
NÖN: Aber es macht nicht so betroffen, dass man der Bundespolitik den Rücken kehren will?
Mikl-Leitner: Nein, in keinster Weise. Ich bin mit Leib und Seele Innenministerin. Ich mache das mit einer großen Freude, ohne die ginge es gar nicht. Ich glaube, das ist aber in jedem Beruf so. Die Freude und die Begeisterung sind einfach die Basis dafür, dass man Erfolg haben kann. Egal ob in der Politik, in der Wirtschaft, in der Bildung, wo auch immer. Freude ist einfach die Basis für den Erfolg. Ich glaube, keiner bringt was weiter, wenn er nicht mit einer Freude dabei ist.
Heinisch-Hosek: Ich habe schon die Motivation und auch die Vision, unsere Gesellschaft ein Stück gleichgestellter zu machen. Daher bin ich mit Leib und Seele Frauenpolitikerin und habe in dieser Zeit den öffentlichen Dienst wirklich auch lieben gelernt.




Fink (1101)
20.02.2012 19:22

(0)
Entwicklungshilfe nur gegen Schein-Asylanten Ruecknahme.
Die Schweiz ein Vorbild:

http://derstandard.at/1329703110209/Asylpolitik-Schweiz-will-Entwicklungshilfe-mit-Ruecknahme-von-Asylbewerbern-verknuepfen


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