VON BERNHARD SCHIESSER
Ein Raunen ging durch das mit 40.000 Zuschauern gefüllte Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern, als Dorge Rostand Kouemaha den Kopf von Sebastian Prödl mit dem Ball verwechselte. Österreichs Teamverteidiger blieb blutüberströmt liegen. Die niederschmetternde Diagnose: mehrfacher Bruch der Nase und doppelter Bruch des Oberkiefers! Prödl wurde am Montag operiert und hat das Krankenhaus am Wochenende wieder verlassen: „Ich habe noch starke Schmerzen, aber langsam geht es wieder aufwärts.“ Am selben Tag wie Prödl erwischte es am Obergrafendorfer Kunstrasenplatz auch einen Amateurspieler. Der Langenrohrer Christoph Baumühlner erlitt bei einem Luftkampf eine stark blutende Kopfverletzung. Im Krankenhaus verschlechterte sich der Zustand des Langenrohrers zusehends. „Angeblich war ich voll weggetreten und hab’ nichts mehr wahrgenommen“, berichtet Baumühlner über die Minuten, ehe in die Ärzte wegen eines Schädl-Hirn-Traumas in künstlichen Tiefschlaf versetzten. Nachdem einige „Aufweckversuche“ fehlschlugen, kam der Langenrohrer am Dienstagabend wieder zu sich. Seine Eltern und Freundin Nina durchlebten schwere Stunden. Baumühlner taten seine Liebsten leid: „Alle waren total fertig und haben geweint. Dabei war das alles für mich selber gar nicht schlimm. Ich hab’ ja nichts mitbekommen.“ Am Freitag durfte er das Krankenhaus in St. Pölten wieder verlassen. Wenige Stunden zu Hause, dachte er bereits wieder an Fußball: „Ich darf das ja nicht laut sagen, weil es meine Eltern und meine Freundin nicht gerne hören, aber ich hab vor, dass ich in zwei, drei Wochen wieder zu trainieren beginne.“
Die Schiedsrichter wollen jetzt härter durchgreifen
Auch die Schiedsrichter registrierten, dass zuletzt vor allem durch Luftduelle schwere Verletzungen passierten. NÖ-Schiedsrichterboss Alois Pemmer betont daher: „Wir reagieren darauf und weisen unsere Schiedsrichter an, rigoros die Rote Karte zu zeigen, wenn Spieler rücksichtslos in so einen Zweikampf gehen.“ Der Waldviertler fordert aber auch von Spielern, Trainern und Funktionären Unterstützung ein: „Es muss nicht unbedingt das Blut spritzen, damit wir Rot zeigen. Ich hoffe, das ist allen Beteiligten klar.“





