VON HEINZ BIDNER
Die Spritpreise jagen von einem Rekordhoch zum nächsten und liegen derzeit um 1,40 Euro je Liter. Ein Trend, der schon im Vorjahr Aufmerksamkeit erregte und sich heuer weiter fortsetzen könnte. Für Verunsicherung sorgen das aktuelle EU-Ölembargo gegen den Iran, der schwache Euro gegenüber der „Öl-Währung“ Dollar und die heuer geplante E10-Einführung.
Zurück zum Jahr 2011: Laut Statistik Austria stieg der Dieselpreis gegenüber 2010 um über ein Fünftel an. Benzin wurde im Schnitt um 14 Prozent teurer. Nach Berechnungen des Autofahrerklubs ARBÖ bringt allein das eine Mehrbelastung von durchschnittlich 170 Euro je Haushalt. Laut ÖAMTC kostete eine Tankfüllung (60 Liter) Diesel 81 Euro – im Jahr davor waren es noch 68 Euro. Blickt man auf die letzten zehn Jahre zurück, hat sich der Dieselpreis nahezu verdoppelt.
„Besonders dramatisch ist diese Entwicklung für Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind“, sagt ÖAMTC-Generalsekretär Oliver Schmerold in Richtung der betroffenen Pendler.
„Noch nie war Autofahren in Österreich so teuer wie jetzt“, weiß ARBÖ-Generalsekretärin Lydia Ninz. In einem offenen Brief hat der Autofahrerklub nun Bundesregierung und Nationalrat aufgefordert, im Rahmen des diskutierten Sparpakets keinesfalls eine weitere Mineralölsteuer-Erhöhung ins Auge zu fassen.
Höhere Steuern, höhere Ölpreise, schwacher Euro
Die letzte Erhöhung der Mineralölsteuer fand mit Anfang 2011 statt. Bei Diesel schlug sich die höhere Steuer samt der darauf aufgeschlagenen Umsatzsteuer mit zusätzlichen 6 Cent je Liter nieder, bei Benzin mit 4,8 Cent. Laut ARBÖ spülten alle automotiven Steuern und Abgaben im Vorjahr rund 14,1 Milliarden Euro in die Staatskasse. Das sind um 2,3 Milliarden Euro mehr als noch im Jahr davor.
Neben dieser hausgemachten Spritpreisteuerung sieht Lydia Ninz noch zwei weitere wesentliche Gründe für die Preisralley. So wären die Rohölpreise massiv gestiegen. Der Durchschnittspreis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent erreichte im Vorjahr den Rekordwert von 111 Dollar (80 Euro). Das ist eine Plus von 41 Prozent gegenüber 2010. Als Ursache gelten vor allem die Unruhen in den nordafrikanischen Erdölländern.
Dazu kommt die Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar. Zumal Rohöl in Dollar verrechnet wird, heizt das die Teuerung bei uns ebenfalls an.
Für weiterhin große Verunsicherung sorgt die Situation bei vielen großen Erdölproduzenten. Der ÖAMTC verweist indes darauf, dass das nun von der EU beschlossene Ölembargo gegen den Iran kein Argument für eine Teuerung sein dürfe. Denn Ölkontrakte würden mittelfristig abgeschlossen. „Öl, das jetzt gehandelt wird, wird erst in einigen Monaten ausgeliefert“, sagt Martin Grasslober, Verkehrswirtschaftsexperte des ÖAMTC.
Heftige Kritik an geplanter E10-Einführung im Oktober
Für viel Unsicherheit sorgt nicht zuletzt die geplante Einführung des umstrittenen Treibstoffs E10 in Österreich. Dabei soll Benzin mit einer knapp 10-prozentigen Ethanol-Beimischung versehen werden – bislang ist es nur die Hälfte. So gibt es Befürchtungen, dass viele Motoren diese Mischung nicht vertragen könnten und dass die Preise steigen würden.
Dem Vernehmen nach hält Umweltminister Nikolaus Berlakovich (VP) weiterhin an seinen Plänen fest, im Oktober damit zu starten. Im Gespräch soll auch eine Steuerspreizung zwischen herkömmlichem Benzin und jenem mit einem höheren Ethanolanteil sein. „Derzeit wird über die Einführung von E 10 noch verhandelt“, heißt es offiziell aus dem Büro des Ministers. Details könne man nicht sagen.
Heftige Kritik zu den Plänen kommt vom ARBÖ und der Arbeiterkammer. Der aus Mais, Getreide oder Zuckerrüben gewonnene Bio-Kraftstoffzusatz sei von Haus aus teurer und weniger effizient als fossiler Sprit, wodurch der Verbrauch steige, meint der ARBÖ. Das bedeute Zusatzkosten von bis zu vier Cent je Liter. Die Arbeiterkammer rechnet mit 2,5 Cent je Liter. Auch für den ÖAMTC darf es durch die Einführung zu keiner Teuerung für die Konsumenten kommen. Der Club fordert eine Reform der Mineralölsteuer.
Als höchst problematisch in der Kfz-Branche gilt zudem die Motorenverträglichkeit durch den höheren Bioanteil. Nach wie vor fehlt demnach eine verbindliche Liste der Hersteller, welche Fahrzeuge kompatibel sind und welche nicht.
Tanken wird für gerade Pendler in NÖ, die auf ihr Auto angewiesen sind, immer kostspieliger. Ein Ende der Preisralley nach oben ist angesichts vieler Unsicherheitsfaktoren ungewiss.








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