VON HEINZ BIDNER
Die staatlichen Bundesbahnen müssen ihren Beitrag zum Sparpaket des Bundes leisten. Das führte ÖBB-General Christian Kern letzte Woche aus. Insgesamt will der Konzernchef in den nächsten fünf Jahren über 1,5 Milliarden Euro einsparen.
Größter Brocken: 750 Mio. bis zu 1 Mrd. Euro sollen aus der „Redimensionierung, Streichung und Verschiebung“ von Projekten kommen. Die drei großen geplanten Tunnelbauten – Semmering, Koralm, Brenner – sollen nicht angetastet werden. Welche kleineren Projekte betroffen sind, will Kern noch nicht sagen. Er nennt nur ein Beispiel: Die Elek-trifizierung der Marchfeldstrecke nach Bratislava mit einem Kostenvolumen von 60 Mio. Euro soll nicht realisiert werden.
Auch im Verkehrsministerium will man keine Details verraten, „zumal die Projekte noch nicht feststehen“, sagt Sprecher Walter Fleißner. Derzeit werde noch über das Sparpaket der Regierung verhandelt und erst danach – voraussichtlich Ende Februar – werden man Konkretes wissen. Bei der Bundesstraßengesellschaft Asfinag stehen übrigens – nach dem im Vorjahr präsentierten Programm – keine weiteren Einsparungen auf dem Plan.
Verlust wird geringer, Land NÖ zahlt mehr
Insgesamt sind die ÖBB, so Christian Kern, nach einem Verlust von 330 Mio. Euro im Jahr 2010 mit ihrem Sparprogramm über Plan unterwegs. Im Vorjahr ging das Minus nach vorläufigen Berechnungen sogar auf 28 Mio. Euro zurück. 2013 will er eine schwarze Null schreiben.
Dabei wurde auch an der Personalkostenschraube ordentlich gedreht. Aus den 44.125 Mitarbeitern 2010 wurden im Vorjahr 42.708. Bis 2013 will man auf unter 40.000 kommen. Der Führungskräfte-Abbau ist laut Kern schon umgesetzt. 270 mussten gehen, 1000 sind noch übrig. Parallel dazu waren 2011 weitere 1900 Lehrlinge in Ausbildung.
Auch bei den Kundenerlösen habe man im Vorjahr mit 3,3 Mrd. Euro ein Rekordniveau erreicht, das auch heuer gehalten werden soll. Leicht steigen sollen auch die Zuschüsse von Bund und Ländern – speziell die Bestellerzuschüsse aus NÖ (Grafik). Die Verhandlungen zum entsprechenden überfälligen NÖ-Verkehrsdienstevertrag wären abgeschlossen, heißt es von den ÖBB. Offen sei nur mehr der Unterzeichnungstermin, der im Februar stattfinden solle.
Güterverkehr wieder teurer, Personenverkehr vorerst nicht
Das größte Sorgenkind, die ÖBB-Güterverkehrstochter Rail Cargo Austria (RCA), ist laut Kern besser unterwegs als ursprünglich geplant. Im Vorjahr wurden Standorte geschlossen und die Tarife um bis zu 30 Prozent erhöht. Heuer würden nur die Tarife für die Rollende Landstraße um 3 Prozent und individuelle Vereinbarungen teurer, so Kern. Sind im Personenverkehr Preisanhebungen geplant? „Die sind derzeit kein Thema“, sagt Christian Kern. Für das gesamte Jahr möchte er sich nicht festlegen.







