VON NICOLE FRIESENBICHLER
Die Konsumlaune der Nieder-österreicher ist im vergangenen Jahr im Einzelhandel zurückgegangen. Demnach sind die Umsätze in NÖ zwar nominell – also rein dem Wert nach – um 2,2 Prozent gestiegen. Real – also inflationsbereinigt – ergibt sich hingegen ein Umsatzminus von 0,7 Prozent gegenüber 2010.
Damit liegt NÖ aber immer noch über dem Bundesschnitt. Hier hat der Einzelhandel seinen Umsatz zwar um 1,2 Prozent auf 51,2 Milliarden Euro gesteigert, real jedoch ein Umsatzminus von 1,7 Prozent eingefahren.
Warum sich der Handel in NÖ besser entwickelt hat, erklärt Franz Kiernbauer, Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer (WK) NÖ, so: „Der Handel profitiert nach wie vor von den Osteuropäern, die bei uns einkaufen.“ Außerdem habe NÖ bestimmte Einkaufsstandorte, die besonders florieren – etwa die Shopping City Süd. Auch auf Bezirksstadtebene sei man einkaufstechnisch gut aufgestellt.
Insgesamt hat aber der Westen, was die Einzelhandels-Umsätze betrifft, die Nase vorne. „Vorarlberg ist der Bundeslandsieger“, erklärt Kiernbauer. „Das liegt vor allem daran, dass dort viele Schweizer mit den starken Schweizer Franken einkaufen.“
Der warme Winter machte den Händlern zu schaffen
Branchenmäßig betrachtet gehören der Lebensmitteleinzelhandel sowie Drogerien und Parfümerien zu den größten Gewinnern 2011. Die größten Umsatzeinbußen hatte hingegen der Schuh-, Sportartikel- und Modehandel zu verzeichnen. Während die Umsätze 2010 noch relativ hoch waren, machte der laue Winter im Vorjahr dieser Branche zu schaffen. Auch der Buchhandel leidet - vor allem wegen der Online-Konkurrenz. Zu den Umsatzrückgängen haben wohl auch die Preise beigetragen, die im Schnitt um 2,9 Prozent gestiegen sind, damit aber unter der Inflationsrate von 3,3 Prozent lagen.
„Bei allen Branchen war das erste Halbjahr besser als das zweite“, weiß Peter Voithofer, Direktor der KMU Forschung Aus tria. In Summe handle es sich um das schlechteste Ergebnis der vergangenen sechs Jahre. Dass die Konsumenten 2011 weniger Geld ausgegeben haben, hänge auch mit der andauernden Berichterstattung über die Euro-Krise zusammen: „Wenn Sie jeden Tag hören, dass die Welt untergeht, wirkt sich das auch aufs Konsumverhalten aus.“ Auch das Weihnachtsgeschäft konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Mit einem Umsatz von 1,57 Milliarden Euro wurde zwar der Rekordwert von 2010 erreicht, aber nicht – wie erhofft – übertroffen.
Was 2012 betrifft, rechnet Bettina Lorentschitsch, Obfrau der Sparte Handel der WKO, mit stabilen Handelsumsätzen. Es hänge aber viel von den Sparmaßnahmen der Regierung ab. Sie hofft, „dass die Politik das zarte Konjunkturpflänzchen nicht durch neue Steuern abwürgt“. Optimistisch in die Zukunft blickt sie, was die Zahl der Beschäftigten betrifft. Im Gegensatz zu den Umsätzen ist die Zahl der unselbstständig Beschäftigten nämlich um 2,6 Prozent auf 279.000 gestiegen. „Der Handel ist und bleibt in Österreich der Jobmotor.“






