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12.02.2012 | 20:18
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Hohe Verluste mit Nordautobahn
(© ERICH MARSCHIK)
Verkehrsaufkommen bis zu 53 Prozent unter einstigen Prognosen

VON HEINZ BIDNER
 
Die Bonaventura kämpft seit der Eröffnung mit zweistelligen Millionen-Verlusten. Sie errichtete und betreibt das einzige Autobahnprojekt in Österreich, das in Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privaten Unternehmen entstand.
Die Vorgeschichte: Mit Februar 2010 wurde dieses Public Private Partnership (PPP) für den Verkehr freigegeben. Die spanisch-österreichische Alpine, die deutsche Hochtief und die französische Egis hatten sich zuvor zum Baukonsortium Bonaventura zusammengetan und die 51 Straßenkilometer in drei Jahren um über 800 Mio. Euro errichtet.
Bis 2039 liegen auch Betrieb und Erhaltung der Nordautobahn A5 samt anschließender Wiener Außenringschnellstraße S1 und Nordrand Schnellstraße S2 (Grafik) bei der Bonaventura. Im Gegenzug erhält sie von der Bundesstraßengesellschaft Asfinag Zahlungen, um das Projekt zu refinanzieren. Dann gehen die Straßen ins Eigentum des Konzessionsgebers Asfinag über.
Der Haken an der Sache: Die Asfinag-Verkehrsprognosen aus dem Jahr 2006, auf denen diese Zahlungen zu einem guten Teil basieren, waren deutlich zu optimistisch angesetzt. „Wir lagen 2011 etwa 20 Prozent unter den Prognosen von damals“, sagt Andreas Stark, Sprecher der Geschäftsführung der Bonaventura Straßenerrichtungsgesellschaft. Der Finanzierungsexperte wechselte im März 2011 vom Flughafen Frankfurt zur Bonaventura. Nach Berechnungen liegen die Abweichungen im Detail je nach Streckenabschnitt zwischen 3 und 53 Prozent (Tabelle).
 
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, die gegen Ende 2008 ausbrach, hätte nach wie vor tiefe Einschnitte im Verkehrsaufkommen hinterlassen, so Stark. Und das wäre nicht vorhersehbar gewesen. Dabei sei speziell der lukrative Lkw-Verkehr kräftig zurückgegangen und hätte nun einen Anteil von zehn Prozent am gesamten Verkehrsaufkommen. Zur Relation: Für eine Lkw-Nord-Süd-Durchfahrt bekommt die Bonaventura von der Asfinag 4 Euro an Maut vergütet, ein Pkw bringt 40 Cents.
Insgesamt, so Stark, habe sein Unternehmen im Vorjahr rund 20 Millionen Euro an Mauteinnahmen vergütet bekommen. „Aber 20 Prozent Einbruch heißt, wir verdienen nichts mehr“, sagt der Geschäftsführer. Daneben bekommt die Bonaventura noch ein Verfügbarkeitsentgelt von der Asfinag –  „40 Millionen Euro im Vorjahr“, so Stark. Die Straßen wären zu 99,6 Prozent verfügbar gewesen, der Rest wäre etwa auf Wartungsarbeiten und Tunnelsicherheitsübungen entfallen. Abschreibungen und Zinsaufwand würden ins Gewicht fallen, das Eigenkapital wäre negativ. Details will Stark nicht sagen.
Laut Firmenbuch lag der Bilanzverlust im Jahr 2010 bei 29,6 Millionen Euro, das Eigenkapital bei minus 3,6 Millionen Euro. Finanzexperten beurteilen die Bonität der Bonaventura wegen der dahinter stehenden internationalen Konzerne dennoch positiv.
 
Andreas Stark relativiert die finanzielle Lage: „Das ist situativ – wir reden insgesamt über 30 Jahre Betrieb. Wir gehen von einer positiven Geschäftsentwicklung aus.“ Einen möglichen Zeitpunkt für operativ schwarze Zahlen möchte er nicht nennen.
Er hofft nun jedenfalls auf den von der Asfinag bis 2016/2017 geplanten Bau des fehlenden, nördlichen A5-Abschnitts bis zur Staatsgrenze und den S1-Lückenschluss mittels Lobau-Querung, der nach etlichen Verschiebungen nun bis 2025 vorgesehen ist. Ersteres würde etwa zehn Prozent mehr Verkehr bringen, schätzt Stark. Ein zeitnaher Hoffnungsschimmer für die Bonaventura ist die im Herbst geplante Eröffnung des Shopping Resorts Gerasdorf mit 180 Shops neben der Autobahn. Das dürfte neben dem Pkw- auch den Lkw-Zuliefer-Verkehr ansteigen lassen. Dass das Autobahnprojekt überdimensioniert ist, sieht Stark nicht. Man habe dabei eben auch an die zukünftigen Entwicklungen gedacht.


KFZ-AUFKOMMEN:

Durchschnittliches tägliches Fahrzeugaufkommen* (in Klammer Abweichung zu einstiger Prognose**)
 
A5 Schrick 22.208 (-18%)
A5 Eibesbrunn 27.788 (-41%)
 
S1 Korneuburg 15.433 (-53%)
S1 Hagenbrunn 11.997 (-50%)
S1 Seyring 23.505 (-13%)
 
S2 Süßenbrunn 36.699 (-3%)
 
 Quellen: *Asfinag-Zählungen 2011 (Montag bis Sonntag) in beiden Fahrtrichtungen je Dauerzählstelle. **Asfinag-Verkehrsprognosen aus dem Bonaventura-Prospekt „Projekt Y“, aufgelegt während der Bauphase.




TINA-TEN (2)
17.02.2012 09:28

(0)
Traumphantasierer - Tatsachen: Mautflüchtlinge
Sicher bringt es für die/den Einzelnen gewisse Verbesserungen, aber im "lukrativen LKW-Verkehr" setzt immer mehr der Preiskampf dem Wettbewerb zu. Somit machen auch die Mautgebühren einen großen Teil der Fracht aus. Daraus ergeben sich zunehmende Frequenzverluste auf Autobahnen und entsprechende Steigerungen auf mautlosen Bundesstraßen-Ausweichrouten, die die Orte entlang dieser Strecken stark belasten.

Früher schon fuhren zahlreiche LKW's von Brünn nicht über die "langsame" B7/Brünner-Bundesstraße. Zum ersten wegen der über lange Strecken bestehenden 70er-Beschränkung und zum zweiten wegen der in Drasenhofen hochmodernen LKW-Waageeinrichtungen gegen Über-Tonnagen. Daher legten sie den Weg über die tschechische Bundesstraße von Pohorelice, parallel verlaufend zur Grenze in Richtung Znaim zurück, wo bei Klein Haugsdorf nur fallweise mobile Tonnagenüberprüfungen erfolgten. Weiters gab es lange Zeit auf dieser Route keine Maut bis Stockerau und so lenkten die Dispos die Touren nach Wien, St. Pölten und Krems über diese Route. Seit die Maut auf der S5 ab Stockerau gilt, zweigten die LKW's nach Krems, St. Pölten bereits bei Göllersdorf über die B19 ab. Nach Ausweitung der Maut bis Hollabrunn und der ausgebauten B303 bei Jetzelsdorf fahren die LAster schon über das Retzer- und Pulkautal, wo sie bei Pulkau auf die B35 über Eggenburg und Maissau/B4-Ziersdorf in Richtung Krems fahren. Zunehmend vernimmt man Beschwerden über den LKW-Verkehr in Dörfern des Pulkau-/Kamptals und dem Wagram. Eggenburg wurde zum Drehkreuz von Osten/Hollabrunn kommend(B2) in Ri. Westen/Horn-Zwettl für Holztransporte einerseits und Norden/Znaim-Retz(B35) kommend in Richtung Südwesten nach Krems-St.Pölten für Sattelschlepper andererseits.
Darüber hinaus gibt es in Maissau zunehmend Mautflüchtlinge von CZ nach Wien - im doppelten Sinne, bei dem auch das von LH Pröll verhängte LKW-Durchfahrtsverbot nur bedingt Wirkung zeigt. Denn, wie ich auf der Verbots-Zusatztafel der B4 bei Stockerau las, gilt das LKW-Verbot nur für Fahrten über Wien hinaus (> H,SK,RO) bzw. nördlich von Prag hinaus in Richtung D. Also können Fuhren von Prag weg auf direktem Weg mit Ziel Wien ungestraft auf der fast mautlosen Bundestraßenverbindung durch Südböhmen/Waldviertel gelenkt werden. Pro Fuhr ersparen sich die Frächter somit EUR 150, was der ASFINAG und Bonaventura dann fehlt. Noch ist zu erwähnen, dass der Transit-LKW-Verkehr von Nordost-Bayern über Pilsen-Budweis-Waldviertel-Wien> Osten ebenso nicht von dem Durchfahrtsverbot betroffen ist. Einsmals fuhren die Transporteure von Pilsen über Prag und Brünn nach Pressburg und weiter. Seit dem tschechischen Road-Pricing 2008 werden diese Strecken großteils gemieden wo's nur geht.

Diese Fakten sollten sich die Politiker und Manager hinter die Stirn schreiben.
Tellerrand (1)
14.02.2012 09:23

(0)
die Wahrheit...
...ist, daß hier Einzelinteressen befriedigt werden. In Zeiten, wo jeder sparen muss - an vorderster Front die öffentliche Hand, ist es nicht einzusehen, daß MILLIARDEN für Autobahnen hinausgeschmissen werden, die (siehe Artikel) keiner haben will!
unbekannt (24)
14.02.2012 09:31

(0)
Frag mal einen Pendler ...
..nach seinen "Einzelinteressen"! Jeder im Bereich der A5 ist recht froh das es sie gibt denn für jeden ist es eine Verbesserung!

Die Fahrzeit hat sich verkürzt, die Sicherheit hat sich erhöht und die A5 verläuft so das keiner Grund zur Beschwerde wegen Lärm hat.

International Reisende, egal ob PKW oder LKW, wissen die A5 auch zu schätzen und es ist bestimmt nicht unser Schaden, aus keiner Perspektive, wenn die A5 dann endlich bis Drasenhofen läuft.

Die Krise hat natürlich Auswirkungen aber das wird auch einmal ein Ende finden.

Außerdem, am Rande: Gestern auf TV gesehen die Weltbevölkerung wird sich bis 2060 von 7 auf 14 Milliarden erhöhen! Mann, bin ich froh das die nicht alle auf der B7 fahren werden! grinsen
Andy_Vanek (24)
14.02.2012 09:16

(0)
Traue keiner Prognose, die Du nicht selbst manipuliert hast!
Ähnlich wird es auch mit den Prognosezahlen der Asfinag für S1 und S8 aussehen.
Und wenn dann weniger Verkehrsaufkommen vorhanden ist? Na dann schauen wir halt, dass wir "lukrativen Lkw-Verkehr" hierher verlagern....
Fink (1101)
13.02.2012 09:13

(0)
Komisch, dass sich jemand mehr Verkehr wuenscht?
*
Aber ja, denen geht es offenbar nur ums Geld,
weil wohnen moechte wohl niemand neben so
einer Laerm und Stinkstrasse.
unbekannt (24)
13.02.2012 00:49

(0)
Eh klar!
Unübersehbar das weniger LKW unterwegs sind, das hängt bestimmt mit der Krise zusammen. Bin neugierig wie es dann ab April/Mai auschauen wird, hier ist interessanterweise eine Steigerung des LKW Verkehrs meist bemerkbar, warum auch immer.

Abgesehen davon: Solange die hier erwähnten Strecken nicht endlich auch gebaut sind bleibt das ein "Stückwerk" denn richtig attraktiv wird die Strecke wohl erst durch die Vervollständigung werden!

Mir fehlt da echt auch was an der bestehenden A5: Eine Aus- / Zufahrt die den Weg nach Langerzersdorf über die A5 auch attraktiver machen würde!

Wenn ich bedenke wie angenehm es ist über die A5 in den 22. zu fahren werde ich immer grantig wenn ich nach Langerzersdorf muss! grinsen

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