Der Kupferpreis boomt – und mit ihm die Kupfer(kabel)diebstähle. Allein bei den ÖBB gab es in Niederösterreich im Vorjahr 105 gemeldete Vorfälle, in ganz Österreich waren es 267. Erst Anfang letzter Woche konnte ein Kabeldiebstahl bei den Wiener Linien vereitelt werden. Vor wenigen Wochen wurden von einem ÖBB-Gelände in Gloggnitz im Bezirk Neunkirchen sogar mehrere Kupferkabeltrommeln gestohlen.
Doch nicht nur Verkehrsbetriebe sind betroffen: Auch von Baustellen wird regelmäßig Kupfer gestohlen. Sogar Dachrinnen sind begehrtes Diebesgut. Doch warum ist das Industriemetall derartig gefragt?
„Je nach Qualität, Menge und Sortenreinheit erhält man beim Schrotthändler zurzeit zwischen 3500 und 5000 Euro pro Tonne“, weiß Thomas Bauernfried vom Amstettner Recycling-Unternehmen Müller-Guttenbrunn um den Wert. Anfang 2006 sei dieser Preis noch zwischen 2500 und 4500 Euro pro Tonne gelegen.
Großhandelspreis seit 2005 stetig gestiegen
Der Preis für Kupferprodukte ist in den letzten Jahren stark gestiegen: Der Großhandelspreis für Kupfermaterialien hat sich laut Berechnungen von Statistik Austria vom Jahresdurchschnitt aus 2005 bis zum Dezember 2011 fast verdoppelt. Der reine Kupferpreis an der Börse (London Metal Exchance) stand per 2. Februar bei 6330,85 Euro pro Tonne.
Zum Vergleich: Der Börsenpreis für andere Industriemetalle wie Aluminium oder Blei lag bei 1666,53 bzw. 1621,95 Euro je Tonne. Teurer ist beispielsweise Nickel (15.802,84 Euro/Tonne).
Warum aber hat gerade Kupfer einen so großen Wert für die Metallindustrie? „Die Produktpalette geht von Leitungsrohren, Fassadenverkleidungen, Dachrinnen bis zu Kabel und Schaltern. Auch in der Raumfahrtindustrie wird Kupfer verwendet. Es hat eine gute elektrische Leitfähigkeit und ist zu 100 Prozent recyclebar. Man bekommt also wieder Kupfer in gleicher Güte“, erklärt Jürgen Karlstetter von der Firma Buntmetall Amstetten. „Schuld“ an Preissteigerungen in den letzten Jahren ist unter anderem die starke Nachfrage aus China.
Große Verluste durch Reparatur und Ausfall
Für ÖBB und Wiener Linien bringen Kupferdiebstähle großen Schaden. Bei den Wiener Linien betrug 2011 der entstandene reine Materialschaden etwa eine Viertelmillion Euro, bei den ÖBB waren es österreichweit etwa 1,3 Millionen, davon allein in NÖ 500.000 Euro.
Dabei sind die Materialverluste noch gar nicht das eigentliche Problem für die Verkehrsbetriebe. Viel höher fallen Reparatur- und Ausfallkosten aus, die laut ÖBB-Sprecher Christopher Seif „ein Vielfaches des gestohlenen Materialwerts“ sind. Genau berechnen ließen sich diese Kosten allerdings nicht.
Beide Unternehmen sind bemüht, Kupferdiebstähle zu verhindern. Nicht immer kann das gelingen, weiß Wiener Linien-Sprecher Dominik Gries: „Wir haben 75 Kilometer U-Bahn-Netz in Wien, da gibt es natürlich Stellen, die vor allem in der Nacht unbeobachtet sind. Wo technisch möglich, wird bei uns Kupfer durch andere Materialien ersetzt. Außerdem werden Patrouillen verstärkt, und wir haben für Hinweise 10.000 Euro als Belohnung ausgesetzt.“







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