Nach der Insolvenz in Deutschland ist die Drogeriekette Schlecker sichtlich bemüht, in Österreich gute Stimmung zu verbreiten. "Österreich ist und bleibt eigenständig und erfolgreich", betonte der Sohn des Firmengründers, Lars Schlecker, am Mittwoch in Wien auf der ersten Österreich-Pressekonferenz überhaupt.
Schlecker-COO Thorsten Rusch fügte hinzu, dass die Österreich-Tochter "definitiv nicht vom deutschen Insolvenzverfahren betroffen" sei. Auch die anderen Auslandsmärkte würden positive Zahlen erwirtschaften und seien von der Insolvenz nicht betroffen. Ein Verkauf der Auslandstöchter, um die notwendige Restrukturierung zu stemmen, sei kein Thema. Lars Schlecker sieht im Ausland die größten Wachstumschancen. Die Familie werde aber keine Einlage in den insolventen deutschen Mutterkonzern leisten. "Wenn noch ein signifikantes Vermögen da wäre, würden wir nicht hier sitzen", betonte er.
Um das Überleben des Unternehmens zu sichern, sei ein Investor "wahrscheinlich und notwendig", sagte Schlecker am Rande der Pressekonferenz zur APA. Über die Höhe der Investor-Beteiligung wollte der Sohn des Unternehmensgründers nicht spekulieren. Mit wie vielen Investoren man derzeit verhandle, wollte er ebenso nicht verraten. Nur soviel: Es gebe laufend "intensive Gespräche" und man habe sich kein "Timeframe" gesetzt.
Wenn "alles positiv" verlaufe, wird sich Firmengründer Anton Schlecker im August oder September komplett aus dem Unternehmen zurückziehen, kündigte Lars Schlecker an. "Es wird eine Veränderung der Firmenstruktur geben."
Fraglich ist, inwieweit sich Schlecker-Österreich vom Schicksal seiner Konzernmutter abkoppeln kann und überhaupt alleine überlebensfähig wäre. Die profitable Austro-Tochter des Versandhandelsunternehmen Quelle schlitterte etwa wegen der engen Bindung zur Mutter in die Pleite. Branchenexperten und Wirtschaftsprüfer hatten in der Vergangenheit auch bei Schlecker-Österreich auf dieses Risiko hingewiesen. Schlecker soll hierzulande nur profitabel sein, weil Einkauf und die IT über die Konzernmutter laufen, heißt es in der Branche. Die Drogeriekette hat dies heute aber zurückgewiesen.
Schlecker betreibt in Österreich 930 Filialen und beschäftigt 2.995 Mitarbeiter, die man auch halten wolle. 2011 setzte die Drogeriekette hierzulande über 300 Mio. Euro um.






