Erstellt am 19. Januar 2016, 06:08

von Claudia Stöcklöcker

26-Jähriger wollte Polizisten nötigen. Nach Reifenplatzer schlief Alkoholisierter im Auto ein. Um den Führerschein nicht zu verlieren, bezichtigte er Polizisten der Gewalt.

 |  NOEN, APA

„Wenn es nicht Sie beträfe, was würden Sie über jemand, der so was macht, denken?“, fragt ein Richter einen 26-jährigen Angeklagten. „Nichts Gutes“, antwortet dieser kleinlaut.

Versuchte Anstiftung zum Missbrauch der Amtsgewalt und versuchte Nötigung werden dem Erlauftaler zur Last gelegt.

„Alkoholisiert hat er ein Auto gelenkt, ist am Randstein angefahren, hatte einen Reifenplatzer. Der Versuch, den Reifen zu wechseln, scheiterte. Im Auto ist er eingeschlafen, Polizisten haben ihn geweckt. Einen Alko-Test brach er dann ab und behauptete, gar nicht gefahren zu sein“, wirft der Staatsanwalt vor.

Am Tag nach diesem Vorfall marschierte der 26-Jährige zur Polizeistation und setzte dem Ganzen noch eins drauf.

Erfundene Videoaufzeichnungen als Druckmittel

„Einer der Polizisten hat mich zu Boden gerissen und geschlagen“, erklärte er. Und dass er Kameras in seinem Auto installiert habe und Videoaufzeichnungen, die Misshandlung dokumentieren, hätte. „Wenn eine Anzeige gegen mich fallen gelassen wird, werde ich auch keine erstatten“, setzte er dreist fort.

„Sie wollten das als Druckmittel verwenden. Es ist völlig absurd, dass Ihnen diese Geschichte jemand abnimmt. Warum haben Sie das nicht gleich gecheckt? Dass Sie ganz auf Linie sind, glaube ich nicht“, wettert der Richter ob der Aktion.

„Ich hab’ damals viel getrunken, weil es mit der Freundin aus war. Und ich hatte Angst, den Schein zu verlieren. Jetzt hab’ ich mein Leben voll im Griff“, erklärt der Angeklagte.

Verteidiger bittet um Milde

„Kurzschlussreaktion in Panik, jetzt ist er geläutert. Und Schaden ist ja keiner entstanden“, sagt sein Verteidiger und bittet um Milde.

„Von psychischer Beeinträchtigung gehe ich schon aus, sonst macht man so etwas nicht“, meint der Richter und bietet dem bislang Unbescholtenen Diversion an. 180 Stunden gemeinnützige Leistung muss der 26-Jährige erbringen, dann kann das Verfahren gegen ihn eingestellt werden. Der Angeklagte ist damit einverstanden.