Erstellt am 22. Dezember 2015, 03:18

von Jutta Hahslinger

Angeklagter: „Lehne den Richter ab!“. Kleines Parkmalheur ließ 47-Jährigen ausrasten: „I moch di meier!“, drohte er Unfallgegner. Auch vor Gericht sorgt er für Wirbel.

 |  NOEN, justiv.gv.at
„Die Verhandlung ist nichtig“, erklärt der 47-Jährige aus dem Bezirk Zwettl zu Prozessbeginn und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass er nicht gewillt ist, als Beschuldigter wegen gefährlicher Drohung dem Richter und der Anklagevertreterin Rede und Antwort zu stehen. Er findet aber keinen legalen Grund, den Prozess in Krems platzen zu lassen. Auch sein vermeintlich letzter Trumpf – „Ich lehne den Richter ab, wegen Befangenheit“ – sticht nicht: Der Richter fühlt sich nicht befangen und legt los.
Der Waldviertler verweigert sich aber und verharrt, nachdem er seine Unschuld beteuert hatte, in trotzigem Schweigen.

So kommt der Bedrohte, ein 30-jähriger Beamter, als Zeuge zu Wort. Ein kleiner Blechschaden beim Einparken sei der Auslöser für den Ausraster des Waldviertlers gewesen, schildert er. Er habe geschimpft und sich ihm drohend mit den Worten „Ich mach di meier!“ genähert, schildert der 30-Jährige. Dann seien auf einmal Polizeibeamte aufgetaucht. Die hatte eine Passantin alarmiert, die das Geschehen am Parkplatz beobachtet und Ärger befürchtet hatte.

Vom Richter aus dem Saal geworfen

Der Anblick der Polizisten brachte den Aufgebrachten nicht zum Verstummen. Er habe seine Schimpftiraden und Bedrohungen fortgesetzt, bestätigen die Beamten vor Gericht.
„Filmen Sie?“, fragt plötzlich der Richter den Beschuldigten. „Ja, zur Beweissicherung“, kommt es vom 47-Jährigen. Als er der Forderung des Richters, damit aufzuhören, nicht nachkommt und dem Prozessführenden erklärt: „Sie haben nichts zu fordern“, wirft ihn der Richter nach mehrmaligen Ermahnungen aus dem Saal. Der Prozess geht ohne ihn weiter. Als der Waldviertler zur Urteilsverkündung aufgerufen wird, glänzt er durch Abwesenheit.

Das Urteil ergeht dennoch und wird dem 47-Jährigen brieflich mitgeteilt: Der mehrfach vorbestrafte Waldviertler wird zu neun Monaten – davon muss er drei hinter Gittern absitzen – verurteilt. Nicht rechtskräftig.