Erstellt am 04. April 2017, 01:42

von Claudia Stöcklöcker

Arzt griff in Kasse des Apothekers. Leugnen half dem Mediziner nicht. „Sie lügen wahnsinnig schlecht“, sagt Richter.

Der Angeklagte hat regelmäßig in die Kasse gegriffen.  |  NOEN

In die Kasse einer Apotheke eines Verwandten im Mostviertel soll ein Arzt (37) öfters gegriffen und 160.000 Euro eingesackt haben. Wie berichtet, ist der Mediziner zu den Vorwürfen nicht geständig.

Geld eingesteckt zu haben, ist aber nicht alles, was vorgeworfen wird im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Auch am Tresor der Apotheke soll sich der 37-Jährige zu schaffen gemacht haben. Des nächtens habe ihn dabei der Apotheker überrascht. Es kam zum Gerangel. „Der Angeklagte hat dem Opfer den Pullover über den Kopf gezogen, ihn geschlagen und den Strom ausgeschaltet, damit er nicht die Polizei verständigt“, erklärte der Staatsanwalt bereits am ersten Prozesstag im Herbst 2015.

Ein Schöffensenat spricht den Arzt nun wegen schweren gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls, versuchter Nötigung und Körperverletzung schuldig und verhängt 21 Monate bedingt (nicht rechtskräftig).

"Für wie dumm wollen Sie uns verkaufen?"

Der Richter begründet: „Der Angeklagte hat regelmäßig in die Kasse gegriffen. Das hat er nicht sein lassen können, das war ein innerer Antrieb.“

Und er sagt zum Angeklagten: „Wenn Sie etwas erfinden, dann lügen Sie wahnsinnig schlecht. Besser lügen Sie, wenn Sie Halbwahrheiten erzählen.“

Auch in einem Geschäft soll der Mediziner zugelangt und eine Videokamera gestohlen haben. Der Richter dazu: „Das wollen Sie ob postraumatischer Belastungsstörung nicht mitbekommen haben und gleichzeitig arbeiten Sie als Arzt. Für wie dumm wollen Sie uns verkaufen?“