Erstellt am 28. Oktober 2015, 06:57

von Gila Wohlmann

Auf Streife im Rotlichtmilieu. Die NÖN begleitete eine Nacht Beamte des Landeskriminalamts im Kampf gegen illegale Prostitution.

Joe Ferstl, Geschäftsführer des Laufhauses »Hasenohr«, vermietet Zimmer an Prostituierte.  |  NOEN, Gila Wohlmann

Wenn andere aus dem Dienst gehen, dann beginnt zumeist ihre Arbeitszeit: für die Rotlichtermittler des Bereichs „Menschenhandel“ im Landeskriminalamt. Ihre Hauptaufgabe: Aufdeckung von Zwangsprostitution. Viele Prostituierten werden von ihren Zuhältern in ihren Heimatländern (vorwiegend Rumänien, Bulgarien, Ungarn) rekrutiert und dann in NÖ zur Zwangsprostitution eingesetzt (siehe auch Infobox). Ebenso in den Aufgabenbereich der Ermittler fällt die Kontrolle offizieller Rotlichtlokale. Bei der so genannten „Deckel-Kontrolle“ wird geschaut, ob Damen zum regelmäßigen Gesundheitstest gehen und angemeldet sind. Die NÖN begleitete hierbei die Ermittler eine Nacht.

21 Uhr, Möllersdorf: Zwei Beamte des Landeskriminalamts Mödling statten Joe Ferstl, Geschäftsführer des Laufhauses „Hasenohr“, einen routinemäßigen Kontrollbesuch ab. Kein Problem für ihn. Seit 20 Jahren ist er im Geschäft. „Ich vermiete die Zimmer an die Damen, diese agieren vollkommen selbstständig“, erläutert er. In diesem „Hotelbetrieb“ arbeiten nur EU-Bürgerinnen, Mindestalter 19 Jahre und gesund, sodass es den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. „Viele der Mieterinnen sind Studentinnen und lernen zwischen den Kundenbesuchen“, weiß er, dass schon manche Diplomarbeit im Laufhaus entstanden ist. Ein Laufhaus bietet keinen Barbetrieb. Mittels Ampelsystem, rot-grün, wissen Kunden, ob die Dame Besuch hat oder „frei“ ist.

22.30 Uhr, Raum Leobersdorf: Da es im „Hasenohr“ nichts zu beanstanden gibt, geht die Fahrt weiter in den Raum Leobersdorf. In einem mehrstöckigen Haus, an Büros vorbei, marschieren die Beamten zu einer Wohnungstür. Diskret. Anonym. Eine Dame mit Unternehmerinnen-Auftreten öffnet die Tür des erotischen Massagestudios „Dream Cats“. Auch sie ist Zimmervermieterin. Damen bieten hier ihre Dienste an. So wie Melanie aus Ungarn, Mutter eines achtjährigen Sohnes. Da hier der Betrieb auch untertags läuft, nutzen viele Stammkunden (zumeist verheiratet, wie sie selbst anmerkt) ihr Studio. „Seit ich das betreibe, garantiere ich für keinen Mann mehr“, schmunzelt die Betreiberin. Auch hier passt alles.

23.30 Uhr, Theresienfeld. Eine Visite im „Cat Club“, Luxus-Bar mit Gogo-Dance und Zimmerbetrieb. Keine Zimmervermietung. Während der Polizeipräsenz in Zivil kommen und gehen Kunden. Manche nur auf einen Drink. Andere ziehen sich in die Zweisamkeit zurück. Holzinger hat viele Stammkunden und weiß, dass schon manche Firmenfeier hier ihren Ausklang gefunden hat.

1 Uhr morgens, Bezirk Wiener Neustadt. Polizeikontrolle in einer Bar. Eine Verwarnung wird seitens der Beamten ausgesprochen, da eine Dame den „Deckel“ nicht gleich vorweisen kann. „Wer kein Gesundheitszeugnis dabei hat, darf nicht arbeiten“, so die Kriminalisten.
2 Uhr morgens, Theresienfeld. Raum Theresienfeld. Ein weiterer Clubbetrieb. Beim Eintreffen der Beamten legen alle Damen ihre Gesundheitszeugnisse vor.

3.30 Uhr morgens: Ähnlich problemlos verläuft die Kontrolle in einem weiteren Etablissement in der Gegend. Lediglich eine Dame bedauert, dass heute „kein gutes Geschäft ist, da die Leute nur was trinken“. Noch mehrere Lokale werden in diesem Nachtdienst kontrolliert.

Wachsende Herausforderung für die Beamten: die Aufdeckung von illegalen Prostituierten. „Da ist schon eine Ärztin oder manch Hausfrau aufgeflogen“, so der erfahrene Kriminalist. Illegale Prostitution wird auch in versteckten Hinterzimmern mancher Imbissstuben betrieben. Oder auf Autobahnrastplätzen. Das älteste Gewerbe der Welt hat für die Kunden nicht an Attraktivität verloren. Das steht fest. Polizei, Magistrate, renommierte Vermieter und Bordellbetreiber sorgen für einen geordneten Ablauf.

Resümee: Nur wo regelmäßig polizeilich kontrolliert wird, kann sich der Kunde seiner Gesundheit sicher sein. Ebenso der Anonymität und Diskretion. Diese wird hier seitens Betreiber und Beamten gewahrt. Im illegalen Bereich fliegt hingegen alles irgendwann auf.