Erstellt am 19. Juli 2016, 09:27

von Jutta Hahslinger

Arzt wegen Falschaussage verurteilt. Mediziner will bei einem Notfall ausgeraubt worden sein. Richterin: „Geschichte ist von vorne bis hinten erlogen.“

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„Der Überfall hat stattgefunden“, beteuert der Mediziner beharrlich. Er sei zu einem Notfall im Raum Gföhl gerufen und beim ausgemachten Treffpunkt ausgeraubt worden. Eingeschüchtert und in Panik habe er unbekannten Motorradlenkern sein Bargeld von 260 Euro und eine Packung mit morphinhältigen Ampullen übergeben. Dann habe er, wie er einräumt, den Fehler begangen, den Überfall nicht gleich anzuzeigen: „Ich hatte Angst und befürchtete, dass sie mir und meiner Familie etwas antun und sich rächen, wenn ich Anzeige erstatte“, erklärt der Arzt.

Er habe den Überfall mit zweijähriger Verspätung erst 2016 angezeigt. Er gesteht auch ein, falsche Angaben bei der Polizei gemacht zu haben. Er will aber keine Straftat, wie angeklagt, vorgetäuscht haben. Ein Gedächtnisprotokoll, das der Arzt nach dem beteuerten Überfall auf seinem PC angefertigt haben will, soll ihn entlasten. Er legt dazu eine CD-ROM vor. Der Computerexperte findet darauf zwar keine Hinweise auf eine Fälschung, erklärt aber: „Da die Originalfestplatte nicht mehr existiert, kann der Zeitpunkt der Dateierstellung nicht festgestellt werden.“

Richterin Gudrun Hagen bringt es nach einem umfangreichen Beweisverfahren auf den Punkt: „Für mich ist die Geschichte von vorne bis hinten erlogen“, und sie verurteilt den Arzt wegen Falschaussage und Vortäuschung einer Straftat zu zehn Monaten auf Bewährung. Der Mediziner meldet sofort Rechtsmittel an.