Erstellt am 03. November 2015, 04:47

von Jutta Hahslinger

Appell an Korpsgeist ging voll in die Hose. „Fett wie ein Radierer“, sagt Anwalt, habe Polizist nach Unfall versucht, alarmierte Kollegen an Amtshandlung zu hindern.

 |  NOEN, Stefan Obernberger
„Erst versucht er, das Unfallopfer mit 10.000 Euro Schadenersatz zu besänftigen und zum Schweigen zu bringen, dann versucht er mit allen Mitteln, die amtshandelnden Kollegen einzuschüchtern und von der Pflichterfüllung abzubringen. Ich bin seit 20 Jahren Staatsanwalt, aber so einen massiven und penetranten Versuch, eine Amtshandlung zu verhindern, habe ich noch nicht erlebt“, wettert Ankläger Ronald Schaffer und fragt harsch: „Welcher Teufel hat Sie da geritten?“

Der angesprochene Übeltäter, ein 50-jähriger Polizist aus Wien, errötet und erklärt sichtlich verlegen: „An viel kann ich mich nicht mehr erinnern“, beteuert er einen Filmriss. Er weiß aber noch, dass er im Rausch (mit an die zwei Promille im Blut) in Gerasdorf im Bezirk Wien Umgebung einen Unfall mit Sachschaden verursacht und dann erfolglos versucht hat, das Unfallopfer von der Alarmierung der Polizei abzuhalten. Was er seinen herbeigeeilten Kollegen vom Posten Gerasdorf dann alles sagte, will er nicht mehr genau wissen. Es tue ihm aber leid und er habe sich am nächsten Tag für sein peinliches und unkorrektes Verhalten am Posten bei den Kollegen entschuldigt, beteuert er.

Gedroht, berufliche Karrieren zu verhindern

Der Ankläger bringt harsch in Erinnerung: „Sie haben mit Ihrem Dienstausweis herumgefuchtelt und auf Mitleid gemacht. Dass man das einem Kollegen nicht antun dürfe und dem Ansehen der Polizei schade. Als die Mitleidstour nicht funktionierte, haben Sie Ihre Funktion als Personalvertreter ins Spiel gebracht. Gedroht, berufliche Karrieren zu verhindern.“

Verteidiger Johannes Schmidt pocht auf Verständnis: „Er war fett wie ein Radierer. Da weiß man nicht, was man tut. Er weiß, dass er einen Riesenblödsinn gemacht hat, und steht dafür ein.“
Richterin Lydia Rade verhängt ein joberhaltendes Urteil: fünf Monate auf Bewährung und 5.100 Euro unbedingte Geldstrafe. Rechtskräftig.

ZITIERT

„Ich weiß gar nicht mehr, wie ich überhaupt ins Auto gestiegen bin. Ich erkenne mich selbst nicht mehr“,
so der angeklagte Polizist sichtlich zerknirscht zur Richterin.

„Kollegen, das passiert halt hin und wieder. Ihr wisst ja eh, dass es immer auch andere Wege gibt. Ihr braucht einfach nur wegfahren“, erklärte der betrunkene Polizist nach dem Unfall den herbeieilenden Kollegen und bat sie, ein Auge zuzudrücken und keine Amtshandlung durchzuführen.

„Ich weiß gar nicht, dass ich mit dem Unfallopfer gesprochen habe. Ich weiß auch nicht mehr genau, was ich alles zu meinen Kollegen gesagt habe. Filmriss, tut mir leid“, beteuert der angeklagte Polizist vor Gericht alkoholbedingte Erinnerungslücken.

„Er weiß, dass er einen Riesenblödsinn gemacht hat und er steht dafür ein. Er hat sich am nächsten Tag bei den Kollegen entschuldigt“, pocht Verteidiger auf Verständnis.