Erstellt am 15. Dezember 2015, 06:43

von Tina Jedlicka

Frau geholfen: Polizist landet vor Gericht. Polizist aus dem Bezirk Baden begleitete Bekannte zu brisantem Gespräch. Am Ende wurde er zum Angeklagten.

 |  NOEN, Erwin Wodicka (Erwin Wodicka)
Eine Lokalbesitzerin im Bezirk Baden vermietete oberhalb des Lokals Zimmer. Eines davon an einen Mann, den sie später loswerden wollte. „Ich habe nach einiger Zeit bemerkt, dass er Cannabis konsumiert und es waren immer wieder Leute da, um etwas zu holen“, erklärt sie, warum sie ihn von einem Tag auf den anderen plötzlich aus seiner Wohnung warf.

Als sie den Entschluss dazu fasste, war gerade ein Polizist bei ihr. Dieser willigte ein, sie zu dem Gespräch zu begleiten. „Er sollte als Zeuge fungieren“, meint die Frau, die mit ihm auf der Anklagebank landete. Denn einige Zeit nach dem Hinauswurf erstattete der Mieter Anzeige gegen die beiden: wegen Hausfriedensbruchs und Nötigung. „Das stimmt absolut nicht“, sind sich Lokalbesitzerin und Polizist vor Gericht einig.

Richter Gerald Grafl versucht der Vermieterin zu erklären, dass ihr Hinauswurf rechtlich nicht sauber gewesen sei, meint aber, dass er das als Strafrichter nicht zu bewerten habe.

Unterschiedliche Versionen vor Gericht

„Ich hatte Angst um meine Kinder. Ich möchte nicht, dass sie mit solchen Leuten in Berührung kommen“, sagt die Frau. Der Mieter habe sich auf den Boden geworfen und geweint, habe noch ein paar Sachen zusammengepackt und sei dann gegangen. Drohungen oder gar körperliche Übergriffe habe es keine gegeben.
Der Mieter erzählte vor der Polizei und auch vor Gericht unterschiedliche Versionen. Sein psychischer Zustand und dass er vor dem Vorfall Cannabis konsumiert habe, seien schuld daran. Außerdem habe er geglaubt, einen falschen Polizisten vor sich zu haben.

Nach diesem habe er auch online gefahndet. Dass der Polizist gar nicht falsch war, bleibt ihm bis zum Ende des Verfahrens unklar. Seiner Freundin, die auch als Zeugin aussagt, erzählte der Mann nach dem Vorfall am Telefon nur von dem Rauswurf, aber nicht von Übergriffen. Die Angeklagten werden (nicht rechtskräftig) freigesprochen.

AUS DEM PROZESS

„Wir haben im Internet nach ihm gesucht, auf Facebook“, erklärt das vermeintliche Opfer beim Prozess zum „falschen“ Polizisten.

„Ich habe gesagt, ihm würde eine Watsch’n gehören, als er beim Zusammenpacken ein Sackerl Marihuana hinter dem Bett hervorgeholt hat“, erinnert sich der Polizist als Angeklagter an den Vorfall.

„Ich habe ihn gebeten, seine Sachen zu holen, und habe ihm seinen Schlüssel abgenommen“, die Angeklagte über den Rauswurf des Mieters, der sie vor Gericht brachte.

„Ich musste zwei Tage lang in psychiatrische Behandlung nach dem Vorfall, weil ich so fertig war, und habe noch immer keine neue Wohnung“, beschwert sich der Ex-Mieter beim Richter.

„Ich konsumiere zwei bis drei Gramm Cannabis, seit ich 14 bin, das war nie ein Geheimnis“, räumt der Ex-Mieter vor Gericht ein.