Erstellt am 28. Juni 2016, 08:11

von Jutta Hahslinger

Brutaler Vater zeigt kein Einsehen. Zum Vorwurf, seine Tochter ab dem Kindergartenalter laufend malträtiert zu haben, zuckt Vater nur die Schultern.

Mit roher Gewalt „erzog“ der Vater seine Tochter.  Foto: Wodicka  |  Wodicka, Wodicka

„Die junge Frau wurde zu uns überwiesen, weil sie sich vor die Straßenbahn werfen wollte“, schildert die Fachärztin für Kinderpsychiatrie vor Gericht. Die damals 21-Jährige aus dem Bezirk Hollabrunn habe sich erst nach vielen Gesprächen geöffnet. Von klein auf habe sie der Papa wegen einer Beeinträchtigung als Trottel hingestellt, eingesperrt und im betrunkenen Zustand geschlagen, offenbarte die Weinviertlerin eine Kindheit geprägt von Gewalt und Angst. Sicher und geliebt habe sie sich nur bei den Großeltern gefühlt. Aber aus Angst vor dem Vater und Sorge um die Mama nie etwas gesagt.

Mutter schweigt sie zu den Vorwürfen

„Bei ihnen ist sie ja auch aufgewachsen. Bei uns war sie ja nur zum Wochenende“, wirft der angeklagte Vater (50) ein und will von Tätlichkeiten gegenüber seiner Tochter nichts wissen. Er habe ihr lediglich einmal den Hintern versohlt, räumt er ein. Das bestätigt auch die Kindsmutter, sonst schweigt sie zu den Vorwürfen.

Der 50-Jährige mutmaßt die Schwiegereltern als Drahtzieher der Anzeige: „Die haben uns die Fürsorge auf den Hals gehetzt“, wettert er. Dass blaue Flecken am Kinderkörper die Behörden alarmierten, stellt er in Abrede. Emotionslos hört er die erschütternden Ausführungen der damals behandelnden Ärztin und erklärt kalt: „Alles Blödsinn.“ Es rührt ihn auch sichtlich wenig, dass seine Tochter nur einen Herzenswunsch hat, nämlich, ihn nicht mehr sehen. Gefühl zeigt er erst, als die Opferanwältin 15.000 Euro für das erlittene Unbill fordert. „Jetzt reicht es mir aber. Soll ich mir einen Kredit aufnehmen wegen dem Blödsinn? Das hat ihr nur der Opa eingeredet“, schreit er.

Für Richter Martin Bodner ergibt das Beweisverfahren die Schuld des 50-Jährigen. Er verhängt über den Weinviertler wegen fortgesetzter Gewaltausübung ein Jahr auf Bewährung. Weiters spricht er ein Kontaktverbot aus. Nicht rechtskräftig.