Erstellt am 12. April 2016, 05:14

von Gila Wohlmann

„Verletzungen sind oft gravierend“. Ein Warm-up-Training wird von Polizei empfohlen, um Sturzrisiko zu minimieren.

Sabine Ilsinger ist Intensivmedizinerin im Universitätsklinikum St. Pölten.  |  NOEN, UK St. Pölten

19. März: Ein Biker im Bezirk Neunkirchen stürzt beim Überholen. Er ist der erste tote Motorradfahrer auf Niederösterreichs Straßen in diesem Jahr.

6. April: Ein 21-Jähriger ist in Weitra mit seinem Zweirad unterwegs. Plötzlich gerät er auf das Straßenbankett, verliert die Kontrolle über sein Motorrad und stürzt. Der junge Mann muss ins Spital. „Die Verletzungen sind oft gravierend, wir stellen schwere Kopfverletzungen wie Schädel-Hirn-Traumen, aber auch Wirbelsäulenverletzungen fest“, weiß Sabine Ilsinger, Notärztin beim Notarztwagen St. Pölten und Intensivmedizinerin im Universitätsklinikum St. Pölten. Brüche der Extremitäten sind ebenso häufig. „Gerade bei Motorradunfällen kommt es zu Hochgeschwindigkeitstraumen“, stellt Ilsinger fest. Querschnittslähmungen oder tödliche Verletzungen sind mitunter die Folge.

Warm-up-Training am Übungsgelände

Besonders im Frühjahr, zum Start der Bikersaison, sind viele Motorradfahrer sturzgefährdet. Warum das so ist, weiß Michael Takacs, Vizepräsident des Vereins zur Förderung der Verkehrssicherheit: „Viele können die Beschaffenheit der Fahrbahn, die oft noch durch Rollsplitt, Blätter, Blüten oder Erde verschmutzt ist, nicht richtig einschätzen. Wenn sie zu abrupt abbremsen, kommt es zum Sturz.“ Wichtig sei es daher, „sich langsam an die Materie Motorrad heranzutasten wie durch ein Warm-up-Training, am besten auf einem Übungsgelände“, rät Takacs.

„Das machen auch unsere Motorradstreifenfahrer“, bestätigt Ferdinand Zuser, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion NÖ. Vorausschauendes Fahren, keine Selbstüberschätzung und ordentliche Schutzbekleidung mit Helm und Bodyprotector tragen zur Risikominimierung bei. Was man als Biker nie vergessen darf: „Man wird anders wahrgenommen, als wenn man in einem Auto sitzt. Und man zieht bei einem Unfall zumeist den Kürzeren. Auch wenn man vielleicht im Recht war“, so Zuser.