Erstellt am 18. Juli 2017, 05:28

von Gila Wohlmann

Intensives Jahr der Blitze. Heftige Gewitter bestimmten das Wetter der vergangenen Tage. Wie man sich schützen kann.

Das Blitzortungssystem ALDIS startete seine Messungen 1992 und kann auf über 25 Jahre Blitzdaten zurückgreifen. Der Verband liefert exakte Blitzdaten, z.B. an Wetterdienstleister. Info:  |  NOEN, www.aldis.at

Fast 10.000 Blitze haben sich heuer bereits über Niederösterreich entladen, alleine in der Vorwoche waren es knapp 6.500. 17.764 Blitze gab es im gesamten Vorjahr. Gerade in den letzten Tagen gab es mehrere brenzlige Situationen durch Gewitter. So legte ein Blitz die FF-Zentrale in Neunkirchen lahm, nachdem er ins FF-Haus in Schwarzau eingeschlagen
hatte. Ein weiterer Blitz setzte eine Holzhütte in Neunkirchen in Flammen. In St. Aegyd und Kleinzell musste die Feuerwehr nach einem Blitzschlag zu Waldbrandeinsätzen ausrücken. Wie sieht es in Niederösterreich generell mit der Blitzgefahr aus?

„In Niederösterreich ist die durchschnittliche Blitzdichte eher gering. Pro Jahr und Quadratkilometer schlägt zirka ein Blitz in den Boden ein. Es gibt auch keine Hotspots mit erhöhter Blitzaktivität“, erklärt Hannes Pichler, Techniker bei ALDIS (Austrian Lightning Detection & Information System), einem Gemeinschaftsprojekt vom österreichischen Verband für Elektrotechnik (OVE) und der Austrian Power Grid (APG) zur Blitzortung und Blitzdokumentation im zentraleuropäischen Raum.

Blitze suchen Weg des geringsten Widerstandes

Eine Blitzschutzanlage ist für private Gebäude in Österreich nicht gesetzlich vorgeschrieben, empfehlenswert ist sie aber allemal. „Wenn in einem Objekt ein Blitzschutz installiert ist, sollte man von einem Blitzschlag gar nichts mitbekommen, da der gesamte Blitzstrom über den Blitzableiter außen in den Boden abgeleitet wird“, sagt Pichler. Problematisch wird es, wenn es keinen Blitzschutz gibt. Hier sucht sich der Blitz den Weg des elektrisch geringsten Widerstandes, z.B. elektrische Leitungen oder Wasserrohre. Durch die hohe Stromstärke von bis zu einigen 10.000 Ampere können die Leitungen aus der Wand gesprengt werden, was zu erheblichen Schäden am Gebäude führt. Und Personen verletzen oder sogar töten kann. „Deshalb sollte man den Kontakt mit allen metallenen Leitungen im Haus vermeiden“, warnt Pichler.

Gefährlich werden können Blitze für Wanderer. Immer wieder muss die Alpinpolizei mit der Bergrettung ausrücken, um Freizeitsportler, die die Wetterlage falsch eingeschätzt haben, in Sicherheit zu bringen. „Zu einer gewissenhaften Tourenplanung gehört auch die Wetterprognose“, weiß Michael Hochgerner, Leiter des Alpindienstes der Landespolizeidirektion. Im Sommer empfiehlt er einen zeitigen Start beim Bergsteigen, denn nachmittags steigt die Gefahr von Wärmegewittern. Bei Ankündigung von Frontgewittern bei einer Kaltfront sollte auf eine längere Bergtour verzichtet werden. Wenn das Gewitter einen dennoch überrascht, gilt: Hinhocken, am besten in einer Mulde, und die Beine zusammenhalten. Allein stehende Bäume, Berggipfel und -grate, Waldränder und Aussichtstürme meiden. Und: Klettersteige mit ihren Stahlseilsicherungen verlassen.

Für Schwimmer und Bootfahrer gilt bei einem Gewitter: Raus aus dem Wasser.

„Vergehen zwischen Blitz und Donner drei Sekunden, ist das Gewitter rund einen Kilometer entfernt“, erklärt Alexander Orlik, Klimatologe bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Die alte „Weisheit“ der Gewitterkunde, „Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen“, ist laut dem Experten ein Märchen.