Erstellt am 09. April 2012, 00:00

dem Biber. an Schäden an. Schutzstatus wird hinterfragt.

Felix Montecuccoli in einer „Biberrutsche“, die von einem Nager durch den Flussdamm gegraben wurde, um schnell ins Wasser zu gelangen.  |  NOEN
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VON HEINZ BIDNER

Sind Biber und Fischotter wirklich noch gefährdete Tierarten? Oder sollten sie angesichts der explodierenden Populationszahlen und angerichteten Schäden in NÖ zum Fang und zur Tötung freigegeben werden? Fragen, die nun zu immer heftigeren Debatten führen. Vor allem Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei sind massiv betroffen.

Besonders die Land&Forst Betriebe Österreich, eine Interessenvertretung von bundesweit rund 700 großen Forstwirtschaften, stoßen sich am Bibermanagement des Landes NÖ. So beklagte zuletzt deren Präsident, der Pielachtaler Forstwirt Felix Montecuccoli, ein mangelhaftes Management samt geschönten Populationszahlen. Die Interessenvertretung ließ in den vergangenen Monaten daher selbst eine Erhebung in NÖ durchführen. Das aktuelle Ergebnis liegt der NÖN vor. Demnach sollen im Land wenigstens 6000 Biber leben, so Montecuccoli.

Zur Relation: Das Bibermanagement schätzt die Zahl der Nager für das Jahr 2010 auf 2700 Stück – Zahlen für 2011 sollen erst Ende April vorliegen, heißt es von dort. Kerstin Hammer vom zuständigen Naturschutzreferat des Landes kann die Zahl der Forstbetriebe nicht nachvollziehen, zumal sie nicht wisse, nach welcher Methodik bzw. Hochrechnung man darauf gekommen sei. Man werde dem aber nachgehen, versichert sie.

Bis zu halber Million Euro  Schaden im letzten Jahr

 

Während es vom Land keine umfassenden Schadensschätzungen gibt, warten die Land& Forst Betriebe auch damit auf. 300.000 Euro dürften die Holz fällenden und Löcher in Dämme grabenden Biber im Vorjahr „auf einigen Hundert Hektar Schadfläche“ verursacht haben, so Felix Montecuccoli. Die Schadenersatzzahlungen seitens des Landes würden hingegen nur einige 10.000 Euro ausmachen, so der Forstwirtesprecher, der eine deutliche finanzielle Aufstockung für Schadensfälle fordert. Das Land gewährt derzeit etwa Beihilfen für wasserbauliche Maßnahmen wie die Reparatur von durchlöcherten Dämmen oder präventiv für Baumschutz.

Zu den Biberschäden kommen indes noch jene der Fischotter, so Montecuccoli. Gemeinsam mit den Kormoranen sollen sie – vor allem in den Waldviertler Teichen – um 150.000 bis 200.000 Euro im Vorjahr gespeist haben. Vom Land wären rund 100.000 Euro abgegolten worden.

Vereinzelt gibt es dabei Berichte, dass ganze Teiche leergefischt wurden. Auch sollen Huchen, die in NÖ ebenfalls aufwändig renaturiert werden, als Leibspeise der Fischfresser herhalten. Die Verpachtung von Fischereirevieren ist mancherorts bereits unmöglich, heißt es aus der Branche.

Der Grund für den strengen Schutz der Biber und Fischotter liegt an der Europäischen Union. Hier wird der Schutz gefährdeter Arten nach bio-geografischen Regionen vorgeschrieben. NÖ fällt demnach in die alpine und kontinentale Region. Nur mit speziellen Ausnahmeregelungen des Landes sind Tötungen erlaubt.

Was macht aber ausgerechnet die Holzburgen bauenden kleinen Biber für den Menschen zum großen Schädling?

Zahlreiche Konfliktherde mit  Bibern im Siedlungsraum

 

„In der Kulturlandschaft ist das Projekt Biber außer Kontrolle geraten“, sagt Felix Montecuccoli zur ursprünglich gut gemeinten Idee, dieses bei uns ausgestorbene Tier wieder in Naturschutzgebieten anzusiedeln. Die rasche Vermehrung in den vergangenen 15 Jahren und fast flächendeckende Ausbreitung über das Land (siehe Karte nebenan) habe zu zahlreichen Konfliktherden geführt. So würden die Biber Bäume aus Nahrungsgründen fällen, um an die Äste und Rinden der Kronen heranzukommen. Dabei werden teils ganze Baumkulturen zerstört. Auch Feldfrüchte verschmäht der Nager nicht.

Treibende Äste verlegen die Turbinengitter von Kleinwasserkraftwerken. Instabile Bäume gefährden Spaziergänger. Gefahr droht auch bei Hochwasser: gefällte Bäume, die im Fluss landen, führen zu Stauungen. Zudem graben Biber Löcher durch Flussdämme, um so schneller und leichter ins Wasser rutschen zu können. Die instabilen Ufer brechen leicht ein. Zudem führen hohe Wasserstände zur Flutung der angrenzenden Felder. „Das Wegräumen der angenagten Bäume steht auf der Tagesordnung“, weiß Montecuccoli aus eigener Erfahrung.

Forstbetriebe sehen Bestand  gesichert und fordern Fang

 

„Wir wollen den Biber nicht ausrotten“, stellt der Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich klar. Da es keine natürlichen Feinde wie Bären oder Wölfe gebe, dürfe es hier aber kein Tabu geben. So wie man Hasen bejagt, werde man „nicht umhin kommen, auch Biber, Kormoran, Reiher und Fischotter zu regulieren“, so Montecuccoli. Derzeit ist eine Ausnahmegenehmigung des Landes zum Fang und zur Tötung nötig. Laut NÖ-Naturschutzabteilung wurden dafür im Jahr 2010 Bescheide für 50 Biber ausgestellt.

„Das ist ein Kreuzweg“, klagt Felix Montecuccoli über die dazu nötigen Behördenwege. Sein Vorschlag: Bibermanager und Gutachter für Anträge und Ausnahmebewilligung in einer Person würden die Verfahren vereinfachen. Für Kerstin Hammer ist diese Kritik „eher unverständlich“. Im Schnitt liege die Dauer bei zwei Monaten. Allerdings würde an der Forderung Montecuccolis in stark betroffenen Gebieten ohnehin schon gearbeitet.

Der Forstwirtesprecher hofft nun aber überhaupt auf den Einsatz des Landes NÖ auf EU-Ebene. Demnach fordert er eine jährliche Evaluierung der geschützten Tierarten in der EU, da viele ehemals gefährdete Tierarten heute schon gesicherte Bestände aufweisen würden.

Wie soll es nun mit den „Pro blemtieren“ Fischotter und Biber aus politischer Sicht weitergehen? Sollen der Schutzstatus insbesondere des Bibers und die Höhe der Entschädigungszahlungen unverändert bleiben?

Zwischen den Interessen der Landbewirtschafter und dem Naturschutz steht NÖ-Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (VP). „Gemeinsam mit dem NÖ Teichwirteverband wurde die Förderrichtlinie mit Wirkung vom 1. April 2012 angepasst und erweitert. Außerdem hat der NÖ Landtag den Bundeskanzler aufgefordert, den aktuellen Schutzstatus des Fischotters von der Europäischen Kommission überprüfen zu lassen“, heißt es aus seinem Büro.

Land NÖ und WWF sehen  Biber weiter schützenswert

 

Aus dem Naturschutzreferat des Landes fügt Kerstin Hammer ergänzend dazu, dass keine Erhöhung der Biber-Entschädigungszahlungen nach Vorbild der Fischotter geplant sind. Der Biberbestand in NÖ sei „sehr gut“, so Hammer, „in Österreich ist das allerdings nicht so“. Für die Betrachtung des Schutzstatus auf EU-Ebene sei jedoch eine bundesweite Bewertung nötig.

Gerhard Egger von der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature Österreich (WWF) sieht das ähnlich. Es sei zwar in NÖ eine Erholung bei beiden angesprochenen Tierarten eingetreten, aber eben nicht bundesweit. „Es müssen daher beide Arten weiterhin streng geschützt bleiben“, sagt Egger. Dem Bibermanagement des Landes NÖ zollt er großen Respekt: „Das Konfliktmanagement ist aus unserer Sicht vorbildlich.“

Eine Erholung der Biber-Population in ganz Österreich ortete dagegen Felix Montecuccoli. In Kärnten habe man mittlerweile ähnliche Probleme wie in NÖ. Auch in der Südsteiermark, Oberösterreich und Salzburg gebe es Konflikte. „Aus österreichischer Sicht ist der Biber gesichert“, meint der Forstwirte-Sprecher. Nachsatz: „Es kann ja nicht sein, dass Biber in ganz Europa geschützt werden müssen, nur weil es im 12. Wiener Gemeindebezirk keine gibt.“