Erstellt am 24. November 2015, 05:28

von Eva Hinterer

„Der Bedarf ist ungebrochen“. Jede fünfte Frau in Österreich war schon einmal von häuslicher Gewalt betroffen. Aber es gibt Hilfe.

Häusliche Gewalt gegen Frauen ist auch 2015 brandaktuell.Wodicka  |  NOEN, Erwin Wodicka - BilderBox.com

Am 25. November ist „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“. Seit 1981 gibt es ihn, um für das Thema zu sensibilisieren. An Dringlichkeit hat er auch im Jahr 2015 nicht verloren, denn das leidige Thema ist noch lange nicht vom Tisch: So gibt jede fünfte Österreicherin an, seit ihrem 15. Lebensjahr schon einmal von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen gewesen zu sein.

Frauen können sich in NÖ an zahlreiche Beratungsstellen wenden, die auch aktiv Hilfe leisten: Psychosozial, psychotherapeutisch, juristisch und pädagogisch.

Elisabeth Cinatl ist seit zehn Jahren in der Frauenberatung tätig und Sprecherin der Frauenberatungsstellen NÖ. An der Anzahl der Hilfesuchenden habe sich in all den Jahren nichts geändert, „ich hoffte, ich könnte das sagen, aber der Bedarf ist ungebrochen“, so Cinatl.

Aber das Netz an Beratungsstellen sei dicht. Und je mehr Angebot es gebe und je bekannter das sei, desto mehr Frauen würden Hilfe in Anspruch nehmen. Ein Beispiel dafür ist die Beratungsstelle „Undine“ in Baden. Seit hier eine mobile Migrantinnenberatung in den Sprachen Bosnisch, Serbisch und Kroatisch angeboten wird, gibt es auch plötzlich Beratungs- und Unterstützungsbedarf aus diesen Bevölkerungsgruppen.

Als echte Hilfe bezeichnet Cinatl das Gewaltschutzgesetz, das es ermöglicht, Gewalttäter aus der Wohnung wegzuweisen.

Was die Qualität der Zusammenarbeit mit der Polizei betrifft, so sei die sehr abhängig von den handelnden Personen. „Manche haben hier wirklich ein Gespür, bei anderen raufen wir uns die Haare.“

Schulungen für Krankenhauspersonal

Ähnliche Erfahrung gibt es mit den Krankenhäusern, wo viele Gewaltopfer landen. Hier hat NÖ von 15 Jahren ein richtungsweisendes Projekt installiert, „Gewalt gegen Frauen – Auswirkung auf das Gesundheitswesen“ heißt es. Spitalsmitarbeiter werden in zweitägigen Seminaren darin geschult, die Folgen von Gewalt zu erkennen und entsprechende Schritte zu setzen. Anneliese Erdemgil-Brandstätter von der Mödlinger Frauenberatungsstelle „Kassandra“ ist Koordinatorin dieses Projektes und schult gemeinsam mit einer Gerichtsmedizinerin, einem Polizisten und einer Kollegin des Gewaltschutzzentrums Ärzte, Pfleger, Hebammen und klinische Sozialarbeiter zu Themen wie: Was weist auf Gewalt hin? Welche Muster gibt es?

Wie dokumentiere ich Gewalt? Letzteres ist auch für Gerichtsverfahren relevant. „Wir sind auch dafür, Gewalterfahrungen in die Anamnese aufzunehmen“, sagt Erdemgil-Brandstätter. „Die Schulungen“, sagt sie, „schaffen für das Krankenhauspersonal auch den Mut, Dinge anzusprechen. Patientinnen werden ja vieles gefragt: Rauchen Sie? Trinken Sie? Also soll man auch nach Gewalterfahrungen fragen, denn Auskünfte bekommt man meist nur, wenn man gezielt danach fragt.“ Das sei sowohl gesundheitlich als auch ökonomisch sinnvoll: Denn die Kosten, die die Folgen von Gewalt verursachen, gehen in die Millionen.


Frauenberatung

  • 2.763 Frauen haben im Jahr 2014 in den Frauen- und Mädchenberatungsstellen 5.207 Beratungsstunden zum Thema Gewalt in Anspruch genommen. Diese Beratungsstellen bieten aktiven Schutz für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, sowie auch für deren Kinder.
  • Beratungsstellen gibt es in Zwettl, Krems, Hollabrunn, Gänserndorf, Baden, Mödling, Wr. Neustadt, Neunkirchen, Amstetten und St. Pölten; Außenstellen gibt es in Horn, Gmünd, Waidhofen/Thaya, Mistelbach, Gloggnitz und Scheibbs.
  • Info und Kontakt:  www.netzwerk-frauenberatung.at