Erstellt am 15. März 2016, 05:29

von Gila Wohlmann

Der Mann im Hintergrund. Diebstahl durch Mitarbeiter, Konkurrenzspionage oder Schwarzarbeit: Die Aufgaben sind vielfältig.

Immer unauffällig im Hintergrund. Und für jede Situation die passende »Legende« haben. Diskretion ist das oberste Gebot von Berufsdetektiven.  |  NOEN, www.BilderBox.com

Er agiert unscheinbar. Er fotografiert. Filmt. Dokumentiert. Er hat kriminologisches Gespür. Und doch ist er kein Polizist, der Berufsdetektiv.

Der St. Pöltner Georg Hirtl übt dieses Gewerbe seit Jahrzehnten aus. Eigentlich hat der 52-Jährige Publizistik und Politikwissenschaften studiert, doch Ende der 1980er-Jahre wechselte er von der Redaktion eines großen Wochenmagazins in eine Detektei und lernte den Job von der Pieke auf.

Wie wird man eigentlich Detektiv? „Der Berufseinstieg erfolgt oft parallel zu einer entsprechenden Ausbildung im Bereich der Kundenüberwachung in Kaufhäusern“, erzählt er. Doch das Spektrum an Einsatzgebieten ist weit vielfältiger. Das Klischee des Detektivs, der Ehebrechern auf der Spur ist, bestätigt Hirtl aber nur teilweise: „Natürlich gibt es auch diese Aufträge.“

Fallen für Diebe

Durchschnittlich acht Bedienstete hat eine Detektei. Wenn die eigenen Ressourcen ausgelastet sind oder bestimmte Anforderungen zu erfüllen sind, wird auf Berufskollegen zurückgegriffen. Hirtls Spezialgebiet ist die Forensik. Er nimmt Fingerabdrücke oder errichtet Diebesfallen, wenn in einem Unternehmen plötzlich Geld oder Lagerbestände verschwinden. Der Berufsdetektiv schickt DNA-Spuren zur Laboruntersuchung, untersucht Dokumente und anonyme Schreiben.

Bedeutung der digitalen Forensik nimmt zu

Gewerbsmäßige Eigentumsdelikte durch internationale Tätergruppen, Versicherungsbetrug und vorgetäuschte Verletzungen, Wirtschaftskriminalität, Konkurrenzspionage, Wettbewerbsverletzung wie Vorlebensüberprüfungen fallen ebenso in Hirtls Aufgabengebiet. Immer wichtiger wird die digitale Forensik. „Wenn Manipulationen auf betriebsinternen Systemen vorgenommen werden oder Betrug auf diese Weise erfolgt.“

Verletzungen der Privatsphäre, Identitätsdiebstahl, Missachtung von Unterhaltsverpflichtungen oder Aufklärung von Vandalismus gehören für Hirtl zum Arbeitsalltag.

Diskretion ist oberstes Gebot

„Recherchieren-Erheben-Beweise sichern“ lautet die Vorgangsweise. Und „immer innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen“ ist sein Credo. Zur Verschwiegenheit sind Detektive verpflichtet, so ist Diskretion oberstes Gebot.

Doch wie bleibt man als Detektiv bei Ermittlungen in gewissen Kreisen unerkannt? „Man muss sich immer die passende ,Legende‘ zurechtgelegt haben“, sagt Hirtl. Mit anderen Worten: ein G’schichtl. So ist Hirtl für einen Kundenauftrag im Naturschutzbereich schon zum Ornithologen mutiert.

Fliegt ein Detektiv auf? „Kann vorkommen, soll aber nicht“, meint er; man müsse sich eben gründlich vorbereiten. Gleiches gelte für brenzlige Situationen: „Mögliche Szenarien abwägen. Im Bedarfsfall die Exekutive verständigen!“

Was unterscheidet nun den Detektiv vom Polizisten? „Die rechtlichen Befugnisse“, sagt Hirtl. „Unsere Ergebnisse werden vor Gericht genauso angezweifelt oder anerkannt wie die der Polizei.“ Berufsdetektive werden oft engagiert, bevor die Exekutive eingeschaltet wird.

Fest steht: Ein Berufsdetektiv maßt sich nicht an, den Kriminalbeamten zu mimen. Und er will auch kein schillernder Fernseh-Detektiv sein, sondern der unsichtbare Experte, der zur bestmöglichen Erledigung von Kundenaufträgen beiträgt.


Fakten & Zahlen

Detekteien:
Detektive fallen in das Sicherheitsgewerbe, das bundesweit inklusive aller Sparten (also z. B. auch Wachdienste) rund 14.000 Mitarbeiter umfasst. 138 Detekteien gibt es derzeit in Österreich, rund 25 davon sind in Niederösterreich.

Forensik:
Auch Detektive nutzen nur anerkannte Techniken. DNA, Fingerabdrücke, Dokumente, digitale Daten und andere Spuren/-träger sind auch für ihre Arbeit unersetzlich. Die Überführung von Tätern durch unanfechtbare Sachbeweise verlangt immer eine individuelle Lösung. Forensik ergänzt die durch andere Methoden gewonnenen Erkenntnisse oder ist Grundlage für weiterführende Ermittlungsansätze.
 

Zur Person

Georg Hirtl ist Vize-Generalsekretär der internationalen Kommission der Detektivverbände. Er unterrichtet an der europäischen Akademie für Detektive „EURODET“ Forensik. Seine Detektei „Adacta“ ist in St. Pölten.