Erstellt am 28. Januar 2016, 05:00

von Ulla Kremsmayer

Der Wind dreht sich. In Neuoberhausen sollen 25 Flüchtlinge ein Doppelhaus beziehen. Gab es zu Jahresbeginn noch Unterstützung, scheint sich nun Widerstand gegen das Projekt zu regen.

SP-Bürgermeister Hubert Tomsic berief außerordentlichen Stadtrat ein.  |  NOEN, Archiv

Letzte Woche hatte die Regierung zum Asylgipfel gebeten. Die Stimmung scheint nach den Vorfällen in Köln gekippt, die Ablehnung des Fremden salonfähig, die Willkommenkultur out.

Bürgermeister Tomsic: "Helfer werden angepöbelt"

Auch in Groß-Enzersdorf. Die Willkommenplattform wird zwar noch offen gelobt, SP-Bürgermeister Hubert Tomsic: „Wir sind dankbar für die Arbeit, die geschieht.“ Aber es öffnet sich kein Privathaus, um Flüchtlinge aufzunehmen, Helfer werden angepöbelt und Initiativen, die mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen, angefeindet:

Wie das „Integrationshaus“ in Neuoberhausen. Hatten sich Nachbarn zu Jahresbeginn noch eingefunden, um Hilfsbereitschaft zu zeigen, kursieren jetzt Unterschriftenlisten dagegen – und Tomsic berief einen Stadtrat ein, um das Projekt zu verhindern. Er sei vom Land überrumpelt worden.

Im Dezember hat er das Haus besucht, neu war ihm das Vorhaben nicht. In einem Doppelhaus sollten 25 Personen, Familien und Einzelpersonen, untergebracht werden, die mit Hilfe der Willkommensplattform kochen und das Haus in Schuss halten.

Sommerlechner: "Gemeinde wird Quote erfüllen müssen"

Nur gibt es kaum Familien zu vermitteln, es werden mehrheitlich junge Männer sein – davor haben viele Angst. „Die Gemeinde wird ihre Quote erfüllen müssen“, so Grünen-Stadtrat Martin Sommerlechner: „Es wäre besser, wenn wir sie in überschaubaren Einheiten aufnehmen könnten. Neuoberhausen und Probstdorf (Projekt von Pfarrer Helmut Schüller, das auf Container-Lieferungen wartet) sind Beispiele.“

Auch ÖVP-Obmann Michael Rauscher wollte die Ablehnung nicht teilen: „Ich kenne das Vorhaben in Neuoberhausen zuwenig. Aber solche Projekte sind zu begrüßen.“ Die FPÖ hat jedoch einen Initiativantrag im Gemeinderat eingebracht, sich „mit allen möglichen Mitteln gegen Massenunterkünfte in Neuoberhausen“ einzusetzen.

Ein Haus mit 25 Personen eine „Massenunterkunft“? „Ja, das ist nicht mehr überschaubar“, sagt FP-Stadtrat René Azinger. „Das ist eine andere Kultur, kein Respekt vor Frauen“, ergänzt Gemeinderat Daniel Wiedermann, im Zivilberuf Polizist: „Der Gemeinde dürften keine zusätzlichen Kosten entstehen. Wir stehen nicht für eine verfehlte Asylpolitik des Bundes und der EU gerade.“