Erstellt am 01. Dezember 2015, 04:33

von Gila Wohlmann

Die Polizei rüstet kräftig auf. Die Cobra trainiert neue Einsatztaktiken, das Innenministerium schnürt Sicherheitspaket.

Vorführung von einer Verbrecher Verhaftung durch das Polizei Einsatzkommando Cobra Wiener Neustadt , Wiener Neustadt 03.02.2010 , © Foto: Franz Baldauf, Tel.: +43 676 92 47 610, E-Mail: studio@fotobaldauf.at, www.bilder.services.at  |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
„Unsere Experten sprechen aktuell von einer erhöhten, abstrakten Gefährdungslage. Das bedeutet, dass wir in Österreich zwar keiner konkreten Gefahr ausgesetzt sind, aber Maßnahmen setzen“, sagt Konrad Kogler, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit.

Die jüngsten Anschläge in Paris, aber auch jene im Jänner auf die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ und die vom Februar in Kopenhagen sind für die Direktion für Spezialeinheiten (DSE) Anlass, laufend ihre Schlagkraft zu professionalisieren. „Wir trainieren neue Taktiken“, bestätigt Cobra-Chef Bernhard Treibenreif. So bereitet sich das Einsatzkommando Cobra insbesondere auf Anschläge vor, die sich an mehreren Orten gleichzeitig ereignen könnten.

Regionale Aufstellung

Die regionale Aufstellung der Cobra in allen Bundesländern ermöglicht es den Spezialkräften, in maximal 70 Minuten den jeweiligen Einsatzort zu erreichen, „per Hubschrauber sogar schneller“, wie Treibenreif erläutert. Die Cobra kann im Bedarfsfall nicht nur auf die Hubschrauber des Bundesministeriums für Inneres, sondern auch auf jene des österreichischen Bundesheers zurückgreifen.

Mit der jüngsten Sicherheitsoffensive des Innenministeriums sollen starke, gepanzerte Fahrzeuge, neue Sicherheitswesten und Schutzhelme angeschafft werden. Im Bereich der Observationstechnik wird im Videobereich und mit neuen Nachtsichtgeräten auf modernste Technik gesetzt. Was immer mehr bei Terrorszenarien an Bedeutung gewinnt: der Entschärfungsdienst. Nach der Anschlagsserie in Paris hat die Direktion für Spezialeinheiten den französischen Kollegen ihre Unterstützung in Form von 20 Beamten samt entsprechender Ausrüstung angeboten und Kontakt zum französischen Verbindungsbeamten in Wien aufgenommen.

Grenzüberschreitende Trainings der Cobra

„Wir haben sofort dankend Rückmeldung von der Pariser Gendarmerie und der französischen Polizeieinheit ,RAID‘ bekommen“, berichtet Treibenreif. Bislang sei aber keine Hilfe angefordert worden.

Die Zusammenarbeit mit ausländischen Polizeibehörden, insbesondere mit jenen der Nachbarländer, ist bereits in den letzten Jahren intensiviert worden. „Es gab grenzübergreifende Trainingsszenarien“, sagt Treibenreif. Auf internationaler Ebene agiert die Cobra im Rahmen des europäischen Spezialeinheitenverbundes „Atlas“, der als Folge der Anschläge in den USA 2011 gegründet wurde.

Im Bereich Kampf gegen den Terror ist immer das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) erste Anlaufstelle, auch für die Spezialeinheiten. „So werden derzeit mit dem Verfassungsschutz und dem Innenministerium im Bereich kritischer Infrastruktur sensible Objekte aus allen Dienstleistungssektoren neu bewertet“, erläutert Treibenreif. „Es gilt, jetzt den sozialen Zusammenhalt zu stärken, denn Terrorsmus richtet sich gegen die Grundrechte und Werte demokratischer, freier Gesellschaften“, sagt Konrad Kogler.