Erstellt am 30. Dezember 2015, 18:55

von Gila Wohlmann

Die tödliche Zündung. Experten der Cobra warnen vor lebensgefährlichen Folgen der Silvesterknallerei.

Die Entschärfer Helmut Szagmeister und Thomas Csengel (v. l.) warnen vor unsachgemäßem Umgang mit Silvesterkrachern.  |  NOEN, Wohlmann
Die Unfallursachen sind jeden Jahreswechsel dieselben: „Sorglosigkeit, Unachtsamkeit, fehlendes Gefahrenbewusstsein, ebenso aber missbräuchliche Verwendung“. Das bestätigt Sprengstoffexperte Thomas Csengel vom Entschärfungsdienst des Einsatzkommandos Cobra/der Direktion für Spezialeinheiten (EKO Cobra/DSE). Er warnt im Namen der Exekutive auch heuer vor dem unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern.

Die Unfälle sind zumeist fatal und reichen von Verbrennungen im Gesicht oder am ganzen Körper  über weggesprengte Gliedmaßen bis hin zu tödlichen Verletzungen. „Vieles wäre vermeidbar gewesen, immer wieder werden Unbeteiligte, die sich in der Nähe aufhalten, verletzt“, gibt er zu bedenken. Nicht selten lassen sich Freunde der Silvesterknallerei hinreißen, „die Böller aus dem benachbarten Ausland zu erwerben“, so Csengel.

Gefahr durch nicht zulässige Feuerwerkskörper

Die Gefahren: Nicht zulässige Feuerwerkskörper mit mitunter höchst gefährlichen chemischen Zusammensetzungen geraten in Laienhände. Hierbei warnt er insbesondere vor Blitzknallsätzen. „Diese sind beliebt, weil sie sehr laut sind“, weiß der Entschärfer. Doch wie der Name schon verrät, zünden diese Blitzknallsätze dementsprechend schnell, sodass es für denjenigen, der sie entzündet, zumeist keine Chance mehr gibt, sich zeitgereicht in Sicherheit zu bringen.

„Diese Blitzknallsätze enthalten ein Vielfaches an Dosierung von üblichen Schweizerkrachern. Daher die schnelle und nicht selten auch zu frühe Zündung.“ Besonders gefährlich bezeichnet er Kugelbomben, die gerne als „Super-Böller“ vertrieben werden. Ebenso warnt er eindringlich vor „selbst gebastelten“ oder „gebündelten Sprengsätzen“. Keinesfalls sollte man, wenn eine  Rakete nicht gleich zündet, hingehen und nachsehen. „Mindestens 15 Minuten warten“, rät er, denn manches zündet verzögert und Pyrotechnik sei nie bis ins letzte Detail berechenbar.

Ausbildungskurse für „Feuerwerksfanatiker“

Er appelliert, „ausschließlich im guten österreichischen Fachhandel Feuerwerkskörper zu erstehen.“ Hier gibt es dementsprechende Beratung, denn Feuerwerkskörper werden in verschiedene Kategorien mit strengen Auflagen und Altersvorgaben für den Anwender unterteilt. Manche Kracher und Silvesterraketen sind nur Profis vorbehalten. Für „Feuerwerksfanatiker“ werden sogar entsprechende Ausbildungskurse angeboten. Dann erhält der Lehrgangsabsolvent einen Pyrotechnikausweis und kann über die Behörde Anträge zum Entzünden von Feuerwerkskörpern stellen.

Und eines darf in der Silvesternacht keinesfalls vergessen werden: Alkoholkonsum und Pyrotechnik passen nicht zusammen, denn sonst könnte das neue Jahr für manche einen tragischen Start oder sogar ein schnelles Ende haben.

x  |  NOEN, Wohlmann
x  |  NOEN, Wohlmann