Erstellt am 28. September 2015, 05:02

von Gila Wohlmann

Bissige Bikes. Immer häufiger kommt es zu Stürzen mit Elektro-Fahrrädern, besonders Senioren sind gefährdet. Nun gibt es erste Trainings, eine Unfallstudie des KfV ist in Arbeit.

 |  NOEN, APA / dpa, Rainer Jensen
Sie sind bequem, flink und beliebt: Elektro-Fahrräder. Gerade der älteren Generation ermöglichen sie Mobilität bis ins hohe Alter. Dennoch: Unfälle zeigen, dass auch das E-Bike-Fahren nicht zu unterschätzen ist.
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) stellt derzeit auf diesem Sektor Untersuchungen zu Unfallursachen und -hergängen an.

Klaus Robatsch ist Forschungsleiter beim KfV. „Mittels verschiedener Kameraeinstellungen und GPS-Daten wird das Fahrverhalten von Elektro-Fahrradlenkern über 50 Jahre, aber auch jüngerer Personen, verglichen“, schildert er. Da die Studie noch läuft, liegen derzeit noch keine detaillierten Auswertungen vor, aber manchmal habe sich bereits gezeigt, so Robatsch, „dass sogar die Älteren schneller unterwegs sind“.

„Man kann mit einem E-Bike nicht wie mit einem
herkömmlichen Fahrrad losfahren. Gerade in der
Startphase kommt es häufig zu Stürzen.“
Christian Schöberl, Polizist

Gruppeninspektor Christian Schöberl, Polizeibeamter im Bezirk Lilienfeld, hat vergangene Woche zum ersten Fahrsicherheitstraining mit E-Bikes für Senioren geladen. Was ihm aufgefallen ist: „Die meisten Lenker sind bislang nur auf herkömmlichen Fahrrädern unterwegs gewesen. Man kann aber mit einem E-Bike nicht wie mit einem herkömmlichen Fahrrad losfahren. Da der Elektro-Antrieb verzögert, aber dann mitunter umso heftiger einsetzt, kommt es gerade in der Startphase häufig zu Stürzen.“

Beim Bremsen verhalte es sich genau umgekehrt, „da sich der Antrieb nicht sofort stoppen lässt“. Auch hier passieren Stürze. Ebenso wird oft das doch höhere Gewicht eines E-Fahrrades unterschätzt, wiegt es doch zwischen 20 und bis zu 25 Kilogramm.

Höheres Tempo als Risikofaktor

x  |  NOEN, Schwaiger
Schöberl: „Eine entscheidende Rolle spielt dabei aber auch die Positionierung des Akkus. So kann dieser das Fahrverhalten und den Umgang damit entscheidend beeinflussen. Nicht zuletzt stellt die zu erreichende Geschwindigkeit für ältere Menschen ein großes Problem dar.“ Probleme mit der Balance oder Missgeschicke, wie etwa mit Kleidungsstücken am Sattel hängen zu bleiben, führen ebenfalls zu Stürzen.

Für Lenker von Elektro-Fahrrädern gelten im Straßenverkehr die gleichen Bestimmungen wie für einen Lenker eines normalen Fahrrades (Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr benötigen einen Radhelm). „Ein Elektro-Fahrrad darf überall dort fahren, wo ein normales Fahrrad auch fahren darf“, informiert dazu Abteilungsinspektor Kurt Baumgartner von der Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion Niederösterreich.

Polizist Schöberl und Forschungsleiter Robatsch sind sich einig: „E-Fahrräder bieten mobilen Komfort, aber es ist wichtig, sich langsam daran zu gewöhnen.“ Die Beratung von einem guten Fachhändler sollte daher immer lange vor dem ersten Tritt in das E-Pedal erfolgen.