Erstellt am 03. November 2015, 05:22

von Eva Hinterer

Ein Polizist für die Jäger. Seit April haben die Jäger in NÖ mit Rupert Fehringer ihren ersten Jagd-Sicherheitsbeauftragten.

Rupert Fehringer auf der Pirsch. Das Thema Sicherheit soll in der Jägerschaft und im Jagdbetrieb als Marke etabliert werden. »Was die Sicherheit betrifft, will ich nichts einreißen lassen.«  |  NOEN, WiKra
„Treiber bei Jagd angeschossen“ – so passiert im November 2014, als ein 54-jähriger Treiber im Bezirk Hollabrunn von einer verirrten Kugel aus einem Jagdgewehr am Kopf getroffen und schwer verletzt wurde.

Vorfälle wie diese haben nicht nur herbe Konsequenzen für Opfer und Schützen, sie schaden auch dem Image der Jagd generell. Um beides zu vermeiden, hat der NÖ Jagdverband im April einen eigenen Sicherheitsbeauftragten installiert. Es ist der pensionierte Polizist Rupert Fehringer. „Bei jedem Unfall, und wenn Sie von der Leiter fallen, haben Sie etwas falsch gemacht“, sagt Fehringer, der seine Aufgabe darin sieht, diesen Fehler zu finden. Und dafür zu sorgen, dass Derartiges sich nicht wiederholt.

Das passiert, indem Fehringer Vorfälle möglichst lückenlos untersucht: Er redet nach Jagdunfällen mit allen Beteiligten – Opfern, Jägern, Jagdleitern. Er fährt an die Unfallorte, fertigt Skizzen an und dokumentiert mit Bildern die Szenerie. Denn erst vor Ort, so Fehringer, bekomme man ein Gefühl dafür, wie sich ein Unfall zugetragen haben könnte. Sogar Gerichtsverhandlungen verfolgt er, falls es dazu kommt. Als aktiver Jäger – „ich übe die Jagd moderat aus“ – weiß er um die Zugänge zum Thema.

Fehlverhalten durch Fehleinschätzung

Fehlverhalten entstehe immer aus einer Fehleinschätzung, sagt Fehringer. „Sobald Sie sagen ,das muss sich eh ausgehen‘, sind Sie am falschen Weg.“ So werde oft die Wirkung der Munition, zum Beispiel die Abprallwirkung und die Absplitterung, unterschätzt.

Fehringers Unfall-Untersuchungen passieren im Auftrag des Jagdverbandes und ersetzen natürlich nicht die polizeilichen Ermittlungen. Aber die Ergebnisse seiner Recherchen fließen in die Sicherheitsstandards des Verbandes ein. Dieser verpflichtet seine Mitglieder auch zur Fortbildung: So ist das 3,5-Stunden-Seminar „Recht und Sicherheit“ von allen Jagdberechtigten in NÖ bis 2017 zu absolvieren. Einmal habe er bei so einem Seminar das Bild einer Hand mit Schusswunde gezeigt, woraufhin sich ein Jäger meldete: „Das bin ich.“ Daraufhin stand ein anderer auf und sagte: „Ich habe auch schon einmal jemanden durch einen Schuss verletzt.“ Die Betroffenheit, die auf solche Szenen folge, schaffe jedenfalls ein Bewusstsein dafür, dass Sicherheit oberstes Gebot sein muss, sagt Fehringer.

„Der Verband investiert sehr viel in die Ausbildung der Jungjäger“, weiß er. Dazu gehöre, dass sich Jäger mit Rechten und Pflichten auskennen. Und eben auch, dass Vorfälle professionell abgearbeitet werden müssen.