Erstellt am 26. April 2016, 06:34

von Gila Wohlmann

Einmal Knacker mit Gift .... Attacken gegen Hunde mehren sich, sogar falsche Giftköder wurden schon ausgelegt.

Diese Knacker sind nicht vergiftet: In Theiß im Bezirk Krems wurden diese mit Beerenmus eingefärbten Wurststücke ausgelegt. Ein Münchner Labor deckte den Schwindel auf.  |  NOEN, privat

Erbrechen. Blutungen. Muskelzittern. Der vierbeinige Liebling ringt tagelang um sein Leben. „Jetzt geht es Lina wieder besser“, sagt Anna-Lena Kogler aus St. Veit/Gölsen. Ihre Jagdhündin wurde Opfer einer hinterhältigen Giftattacke. Was bleibt, sind hohe Tierarztkosten und Fassungslosigkeit über das Geschehene. In den Bezirken Lilienfeld und St. Pölten-Land wurden in den letzten Wochen mehrmals Fleischstücke mit schnecken- oder rattengiftartigen Substanzen versehen, entdeckt; einige Hunde kamen zu Schaden. Die Giftköder werden auf öffentlichen Spazierwegen ausgelegt, andere auf Grundstücke geworfen, wo sich Hunde aufhalten.

212 Anzeigen wurden im Vorjahr in NÖ wegen Tierquälerei erstattet, fünf davon wegen Giftködern. „Durchschnittlich werden etwa 45 Prozent dieser Straftaten geklärt“, erläutert Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion.

Der forensische Veterinärmediziner Reinhard Kaun ist Experte für Tierquälereien. „Giftattacken zählen zu den hinterhältigsten Angriffen auf Lebewesen. Diese Täter sind zu feige, sich einer direkten Konfrontation zu stellen. Man muss aber im Auge behalten, dass oft nicht dem Hund, sondern dem Halter Schaden zugefügt werden soll“, erläutert er, dass der Begriff „Hundehasser“ irreführend sei.

Erzogene Hunde fressen nichts Unbekanntes

Was aber, wenn, wie kürzlich im Bezirk Krems, mit Beerenmus versetzte Knackwürste als Giftköder getarnt werden? „Ich halte den ,Scherzbold‘ für ebenso gefährlich wie den tatsächlichen Vergifter. Die Hemmschwelle, es mit realem Gift zu versuchen, ist dann niedrig“, meint Kaun. Was Menschen überhaupt zu solchen Taten bewegt, ist für ihn leicht erklärt: „Die Anzahl der Hunde hat in Ballungsräumen stark zugenommen und somit die durchaus vermeidbaren Verunreinigungen. Das scheint mir eines der Hauptmotive in öffentlichen Anlagen zu sein.“

Sein Tipp an Hundehalter: „Der junge Hund sollte dazu erzogen werden, außer Haus und von fremden Menschen keine Nahrung aufzunehmen. Auch sollte er lernen, Dinge, die er im Fang hat, sofort fallenzulassen.“ Oberste Priorität müsse aber immer die Aufmerksamkeit des Hundehalters selbst sein.