Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:32

von Gila Wohlmann

Österreichs Arm nach Europa. Der Waldviertler Christian Wandl ist Österreichs höchster Beamter bei der europäischen Polizeibehörde.

Christian Wandl sitzt in der Europol-Zentrale in Den Haag und hält Kontakt zu Österreichs Polizei bei grenzüberschreitenden Ermittlungen.  |  NOEN, privat
Wenn es um die Aufklärung internationaler Kriminalfälle geht, die bis nach Österreich reichen oder von hier ihren Ausgang genommen haben, dann sorgt er für polizeiliche Vernetzung: Christian Wandl.
Der promovierte Jurist ist Leiter des Verbindungsbüros in Den Haag und somit höchster Repräsentant Österreichs bei der europäischen Polizeibehörde in Den Haag. Er untersteht direkt dem Bundeskriminalamt in Wien. „Wir bilden den verlängerten Arm der Ermittler in allen Deliktsbereichen“, erklärt Wandl. So vertritt das österreichische Verbindungsbüro das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, das Bundesamt zur Korruptionsprävention/-bekämpfung, die Landeskriminalämter und das Finanzministerium. Wandl hat sieben Mitarbeiter im österreichischen Team.

„Das Netzwerk der Verbindungsbeamten bei Europol ist weltweit einzigartig und bietet den absoluten Mehrwert von Europol“, betont der gebürtige Waldviertler. Anfragen an rund 40 Länder können durch direkten Kontakt mit den anderen Verbindungsbeamten sofort bearbeitet werden. Operative Meetings bestimmen den Tagesablauf von Wandl. „Wir sind eine zentrale Schnittstelle. Infos werden binnen Stunden oder schneller organisiert, Lösungen für heikle Amtshandlungen umgehend diskutiert.“ Sämtliche Informationen werden über ein sicheres Kommunikationssystem namens SIENA ausgetauscht.

Hausdurchsuchungen und Observationen

Doch Wandl sitzt nicht nur im Büro: „Mitunter sind wir auch bei Hausdurchsuchungen und Festnahmen in Österreich oder im Ausland vor Ort“, schildert er. Verbindungsbeamte koordinieren auch grenzüberschreitende Observationen und schulen andere Beamte.

Illegale Einwanderung, Menschenhandel, nachgeahmte Waren, Verbrauchssteuer- und Karussellbetrug, Drogen, Cyberstraftaten, Feuerwaffen und organisierte Eigentumskriminalität sind die Schwerpunkte bei Europol. Ebenso die Terrorismusbekämpfung. „In Österreich ist derzeit die illegale Einwanderung das am meisten mit Europol ausgetauschte Delikt, noch vor Drogen- und organisierter Eigentumskriminalität“, sagt Wandl. Auch in die Ermittlungen zum tragischen Vorfall mit 71 toten Flüchtlingen auf der A4 im burgenländischen Parndorf ist sein Büro involviert.

Eine steigende Herausforderung für die Ermittler ist „aufgrund der technischen Möglichkeiten zur Anonymisierung“ das Darknet, in dem illegale Waren und Dienstleistungen (bis zum Auftragsmord) erhältlich sind.

Wandl, der aus dem Bezirk Gmünd stammt und 1995 bei der Gendarmerie Korneuburg begonnen und dann bei der Cobra in Wiener Neustadt Dienst versehen hat, stand bereits von 2006 bis 2008 an der Spitze des Europol-Büros. Nach einem dreijährigen Intermezzo im Rechnungshof ist er seit 2013 wieder in Den Haag: „Der Virus ,internationales Arbeiten’ hat mich erfasst!“