Erstellt am 06. Oktober 2015, 10:18

von Gila Wohlmann

Gendarm – ein Leben lang!. Friedrich Brettner (80) hat die Geschichte der österreichischen Exekutive akribisch aufgearbeitet.

»Die Gendarmerie in Österreich 1955-2005« von Friedrich Brettner ist im Kral-Verlag erschienen.  |  NOEN, Christian Feigl
Obwohl die Zusammenführung von Polizei und Gendarmerie zum einheitlichen Wachkörper Bundespolizei bereits ein Jahrzehnt her ist, gibt es weiter einen „bekennenden Gendarm“. Friedrich Brettner, 80 Jahre, Exekutivbeamter in Ruhe.

Jetzt hat der Hobby-Historiker und langjährige Leiter des „Museums für jüngere Zeitgeschichte“ in der Renner-Villa in Gloggnitz, seiner Heimatgemeinde, sein jüngstes Buch „Die Gendarmerie in Österreich 1955-2005 – im Einsatz für die Sicherheit“ präsentiert. Darin lässt er in den Alltag der Gendarmerie bei der Aufklärung von realen Straftaten eintauchen. Unfälle und Katastrophen werden in Erinnerung gerufen.

x  |  NOEN, Gila Wohlmann


Eine Affinität zum Beruf des Sicherheitswachkörpers hat Brettner schon vom Kleinkindalter an. „Mein Großvater war in der Monarchie beim Militär und ein weiterer Ahne war Burg-Gendarm bei Maria Theresia“, erzählt er. Nach der Elektriker-Lehre trat er 1955 in den Exekutivdienst ein. Da sind ihm Vorgaben in Erinnerung, die im modernen Polizeidienst von heute unvorstellbar wären: „Man durfte als Gendarm nicht verheiratet sein!“ Solchen Dingen wollte er sich nicht beugen, wechselte zur Wiener Polizei, bis er – mittlerweile als zweifacher Familienvater und verheiratet – in den 60er-Jahren gebeten wurde, zum Gendarmerieposten Gloggnitz zu wechseln. Hier blieb er bis zum Ruhestand.

Auf seine Dienstzeit blickt der Sachverständige für das Diensthundewesen der Bundesgendarmerie gerne zurück, insbesondere auf die Erfolge mit seinen Polizeihunden „Dingo“ und „Ike“. „Mit Dingo habe ich einen 17-Jährigen gestellt, der seinen Vater mit einer Hacke erschlagen und diesem dann die Kehle durchgeschnitten hat. Er hat nur zu mir gesagt, er sei der, den sie gerade suchen.“ Mit „Ike“ konnte er einen aus der Justizanstalt Gerasdorf entflohenen Mörder stellen, der sich im Obergeschoß eines Hauses in lauter Tellwolle versteckt hatte. „Denn hat es am ganzen Körper gejuckt“, schmunzelt er.

Zeitzeuge bei Kämpfen im Semmeringgebiet

Das Interesse für Geschichte wurde bei Brettner geweckt, „da ich die letzten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges im Semmeringgebiet als Zehnjähriger miterlebt habe“. Mit Schulkollegen wollte er diese tragischen Erinnerungen Revue passieren lassen. „Erst als ich einen Skiunfall hatte, fand ich Zeit, mich der Wiederaufarbeitung dieser Ereignisse zu widmen“, berichtet er. Er begann zu forschen, historische Dokumente aufzuarbeiten und machte sich auf die Suche nach Zeitzeugen. Das Ergebnis: fünf Bände unter dem Motto „Die letzten Kämpfe des II. Weltkrieges“. Insgesamt 27 Bücher hat Brettner bereits verfasst, eines ist unter dem Titel „Diensthund Dingo“ der Geschichte des Diensthundewesens gewidmet.

In „Schicksale mahnen“ arbeitet er die Zeit von 1938 bis 1955 auf. Das Werk „Für Heimat, Volk & Ehre“ widmet er der Gendarmerie in der Zeit von 1945 bis 1955. Sein jüngstes Buch bildet dazu die Fortsetzung. Eine Herausforderung, „da es nicht leicht war, Offiziere von damals als Zeitzeugen zu finden“. Ob dies sein letztes Buch war? „Nichts tun halte ich nicht aus“, so der Gendarm, auf den das Wort „in Ruhe“ so gar nicht zutrifft.