Erstellt am 17. August 2016, 10:59

von Tina Jedlicka

350 Kilo Cannabis: Große Bande angeklagt. Dreizehn Angeklagte müssen sich ab heute Mittwoch, 17. August, wegen des Handels mit Suchtgift am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten.

 |  NOEN, Symbolbild

13 Angeklagte sitzen ab Mittwoch an mehreren Verhandlungstagen auf der Anklagebank des Schwurgerichts in Wiener Neustadt. Zehn bis 20 Jahre beziehungsweise lebenslange Freiheitsstrafen erwarten die Angeklagten, die nach der Änderung des Suchtmittelgesetzes nun vor einem Geschworenensenat Platz nehmen müssen. Ihre Rechtsanwälte sind unter anderem Wolfgang Blaschitz, Nikolaus Rast, Elmar Kressbach, Amir Achmed, Doris Hohler-Rössel und einige mehr.

15.000 Euro Schaden am Mietshaus

Sie sollen unter anderem in Matzendorf im Keller eines Hauses Cannabis gepflanzt und später verkauft haben. Konkret sollen sie in eine Innenwand Löcher mit 50 Zentimeter Durchmesser gestemmt haben, darin Zuluftschläuche eingebaut haben, Kellerfensterstöcke herausgerissen haben, die Deckenverkleidung beschädigt, die Innentüre eingeschlagen und das Mauerwerk des Kellers durch das Gießen der Indoorplantage völlig durchnässt haben.

15.000 Euro Schaden sollen so an dem Mietshaus entstanden. Außerdem sollen sie Strom von anderen Nachbarn angezapft haben, um das kostspielige Beleuchten der Pflanzen zu ermöglichen. Die Kroaten, Bosnier und Serben sollen als kriminelle Vereinigung agiert haben. Verteidiger Wolfgang Blaschitz wird einen der Angeklagten vertreten und hält die Anklage für überzogen: "Viel Lärm um nichts."

Riesengeschäft mit illegalem Verkauf

Staatsanwalt Markus Bauer sieht das ganz anders: "Wir reden heute über eine Pflanze. Cannabis ist eine Nutz- und Zierpflanze. Das Problem macht dabei die weibliche Cannabispflanze, die für die Herstellung von Suchtgift geeignet ist."

Er habe sich die Mühe gemacht letzte Studien herauszusuchen und trug daraus vor: "Regelmäßiger Cannabiskonsum steht unter Verdacht in Zusammenhang mit Krebserkrankungen, Schizophrenie, hirnorganischen Veränderungen besonders bei jungen Erwachsenen zu stehen und das Motivationszentrum zu belasten."

Außerdem sei dieses illegale Geschäft ein Riesengeschäft: 350 Kilogramm reines Gras (53,3 Kilogramm THCA) also 350 Millionen Gramm, die auf dem Straßenmarkt zu je 10 Euro pro Gramm verkauft werden könnten, seien angebaut worden.

Medizinischer Grund? "Meine Freundin hat MS"

Am Donnerstag startete Tag 2 am Landesgericht. Nachdem sich die Angeklagten nur teilweise geständig verantworten werden sie nach einem langen ersten Verhandlungstag nun einzeln einvernommen. Der Erstbeschulidgte gestand, ein Haus in Matzendorf gemietet zu haben, um dort Cannabis anzubauen. "Meine Freundin hat MS und ich wollte Cannabisöl herstellen", erklärte der Angeklagte.

Auf die Frage wieviel Cannabis man dafür brauche, wusste er keine Antwort. Auch nicht darauf, weshalb er das Haus unter falschem Namen gemietet habe. In Ungarn könne man Cannabis-Setzline nicht kaufen - deshalb habe man Österreich als Standort ausgewählt. Von den weiteren Standorten und der kriminellen Organisation wollte der Angeklagte nichts wissen.

Der Prozess soll kommende Woche am Freitag (26.8.) zu Ende gehen.